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Rügen Gemeinsames Lernen vorzeitig ausgebremst?
Vorpommern Rügen Gemeinsames Lernen vorzeitig ausgebremst?
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00:00 08.02.2013
F�r Stefanie B�ssing, , ist klar: Bildungsminister Brodkorb darf die Insulaner nicht h�ngenlassen.
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Bergen

Während Politiker, Eltern und Lehrer der Insel eine schnelle Entscheidung für die Weiterführung in der fünften und sechsten Klasse fordern, will der Minister die Analysen der Uni Rostock abwarten.

Nun haben sich auch die Grünen im Landtag dafür stark gemacht, das Projekt weiterzuführen — und scheiterten mit ihrem Antrag. Wie es für die Kinder weitergeht, die die Grundschulen im nächsten Jahr verlassen, ist unklar.

„Aus fachlicher Sicht halte ich es nicht für vertretbar, das Rügener Projekt in der jetzigen Situation auf die Jahrgangsstufen fünf und sechs zu übertragen“, sagte Brodkorb der OZ auf Anfrage.

Unabhängig davon stehe es den Schulen auf Rügen frei, den gemeinsamen Unterricht auch an weiterführenden Schulen in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 zu gestalten. Heißt im Klartext: Die Rüganer sind auf sich gestellt.

Als Grund für seine Haltung nannte Brodkorb fehlende Auswertungen für die Schüler mit den Lernschwierigkeiten. Das Pisar-Projekt (Präventive und integrative Schule auf Rügen) wird von der Uni Rostock begleitet. Sie vergleicht Rügener Grundschüler mit Kindern von herkömmlichen Grundschulen in Stralsund.

„Die Ergebnisse der vierten Klassen liegen im November nächsten Jahres vor, wenn die ersten Schüler fertig sind“, erklärt die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende, Anja Ratzke. Damit das Projekt nahtlos weitergehe, sei es wichtig, schnell eine Entscheidung für die Insel zu treffen. „Sonst müsste man den Eltern im nächsten Jahr erklären, wieso ihre Kinder zurück auf die Förderschule müssen“, so Ratzke. „Der Bildungsminister kann die Rüganer nicht hängenlassen.“

Auch Rüdiger Bonau, Leiter der Grundschule Altstadt in Bergen, spricht sich für eine nahtlose Fortführung des Projektes aus. „Alles andere würde unsere Arbeit der letzten vier Jahre ad absurdum führen.“ Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) hatte den Bildungsausschuss des Landtages im vergangenen Jahr eigens auf die Insel eingeladen, um für die Fortführung des Projektes zu werben.

„Wir stehen an einer Schwelle, wo es darum geht, ob die Inklusion in den Regionalen Schulbereich überführt wird, und es geht gar nicht anders“, macht Köster deutlich. Sie fordert einen inklusiven Unterricht bis mindestens zur zehnten Klasse. Und die Zeit drängt. „Schon bei der Einführung hat das Land weder personell noch finanziell die nötigen Voraussetzungen geschaffen, um die Inklusion vernünftig umzusetzen“, sagt Köster. Rund eine halbe Million Euro habe die Stadt in die Hand genommen, um die nötigen Bedingungen zu schaffen.

Nun steht die Insel vor dem nächsten Problem. Würden nicht schnell klare Strukturen für den Übergang in die Regionale Schule geschaffen, wäre das laut Köster „das Aus für das gesamte Projekt“.

Damit es nicht dazu kommt, hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Landtagssitzung vergangene Woche die Fortführung des Projektes in den Klassen 5 und 6 gefordert — und war gescheitert. „Wir sind sehr verwirrt, dass unser Antrag abgelehnt wurde“, sagt Fraktionssprecherin Ulrike Berger. SPD, CDU und Linke warfen Berger in einer Pressemitteilung neben „Unwahrheiten“ einen Profilierungsversuch vor und verwiesen auf den „Inklusionsfrieden“ der Parteien. Entgegen Bergers Behauptungen werde derzeit selbstverständlich daran gearbeitet, Wege zu einem gemeinsamen Lernen in Klasse 5 und 6 zu finden. Grundlage hierfür sei der Bericht der Expertenkommission, der im Januar vom Bildungsminister vorgestellt wurde.

Rüganer auf sich allein gestellt
Gleiche Chancen für alle — das ist das Ziel des „Gemeinsamen Lernens“ auf Rügen. Dass Bildungsminister Brodkorb nun den lernschwachen Kindern des Modellprojektes diese Chance verwehren will, ist bitter. Denn die könnten schon bald wieder auf der Förderschule landen, wenn das Projekt nicht schnell auf die Regionale Schule übertragen wird. Sicher, die endgültigen Ergebnisse der Uni Rostock liegen noch nicht vor. Aber ein Zwischenbericht hat gezeigt, dass die Kinder auf Rügen gut gefördert werden und sich nur geringfügig von ihren Altersgenossen in Stralsund unterscheiden. Dass es weitergehen muss, ist für alle selbstverständlich, die den Inklusionsgedanken seit Jahren auf Rügen umsetzen. Dazu gehören Schulträger, Eltern und vor allem Lehrer, die die Startschwierigkeiten des Projektes auszubaden haben. Finanzielle oder personelle Unterstützung aus Schwerin gab es kaum. Es werde an der Umsetzung gearbeitet, heißt es aus dem Bildungsministerium. Das klingt nicht überzeugend. Denn Grundlage ist der Bericht der Expertenkommission. Dieser enthält aber weder strukturelle noch zeitliche Vorgaben dafür, wie das Projekt nach der vierten Klasse umgesetzt werden soll. Fazit: Die Rüganer sind wieder mal auf sich allein gestellt.

Stefanie Büssing

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