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Rügen Gesperrter Hochuferweg wird Fall für die Gerichte
Vorpommern Rügen Gesperrter Hochuferweg wird Fall für die Gerichte
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15:58 21.02.2019
Der Hochuferweg im Wald von Semper bei Lietzow ist nach wie vor gesperrt. Einer Aufforderung der Forstbehörde, die Barrikade zu entfernen, kommt der Waldbesitzer nicht nach. Quelle: Bodo Noack
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Lietzow

Anderthalb Jahre ist es her, dass Bodo Noack mit vielen anderen Rüganern und Gästen durch den Wald von Semper wanderte – nicht aus Vergnügen, sondern aus Protest. Die Eigentümer des dortigen Gutshauses hatten den Hochuferweg, der durch ihren Wald führt, im Frühjahr 2017 durch eine Totholzhecke gesperrt. Niemand sollte mehr über das Grundstück von Dr. Christiane Speckhahn und Rainer Wünsche laufen. Bei der Protestwanderung Mitte August 2017, die Einwohner organisiert hatten, war eine der beiden Barrikaden geöffnet. Bis Ende des selben Monats sollte der Weg laut einem Ultimatum der Gemeinde wieder durchgängig begehbar sein. Ist er aber nicht, haben neben Bodo Noack noch viele andere Wanderer feststellen müssen: „Die Durchgänge sind mehr denn je verbarrikadiert“, ärgert sich der ehemalige Leiter des Rügener Umweltamtes. Freiwillig scheinen die Waldbesitzer den Weg nicht öffnen zu wollen. „Hat doch, wie an vielen Stellen der Insel, das Privateigentum über das öffentliche Interesse gesiegt?“

Schwerin hofft auf schnelle Öffnung der Barrieren

Eine Antwort darauf kann derzeit noch niemand geben. Denn mit dem Fall befassen sich seit geraumer Zeit die Gerichte. Laut Landesgesetz darf in MV grundsätzlich jeder den Wald „zum Zwecke der Erholung“ betreten. Unter bestimmten Voraussetzungen können Teilflächen temporär gesperrt werden, etwa bei Waldbrandgefahr oder bei Forstkulturen und Naturverjüngungen - allerdings immer nur nach Genehmigung durch die Forstbehörde. Nachdem Gespräche nicht gefruchtet hatten, erließ das Forstamt Rügen im November 2017 erließ eine Anordnung und forderte die Waldbesitzer zum Rückbau des Zaunes und der Absperrungen am Hochuferweg auf. Dagegen legten die Eigentümer Widerspruch ein, den sie im Frühjahr 2018 begründeten. Widersprochen haben sie auch dem Bußgeld in Höhe von 200 Euro, das die Forstbehörde verhängte. Ob zu Recht oder nicht, soll in einer öffentlichen Hauptverhandlung im Ordnungswidrigkeitsverfahren am Dienstag kommender Woche vor dem Amtsgericht Neubrandenburg geklärt werden. Daneben klagen die Waldbesitzer vor dem Verwaltungsgericht in Greifswald grundsätzlich gegen die Anordnung der Forstbehörde. „Im Oktober 2018 wurde die Klage durch die Landesforstanstalt erwidert“, sagt eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Wann mit einer Entscheidung des Gerichts zu rechnen ist, steht noch nicht fest. Auf die Bearbeitungsdauer habe die Forstbehörde keinen Einfluss, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth. Man erwarte aber eine „zeitige Einigung“, damit der Wald bei Semper wieder seine Erholungsfunktion für Gäste und Bewohner der Insel erfüllen könne.

Weiterer Weg nach Grundstücksverkauf gesperrt

Lietzows Bürgermeister Jürgen Böhnig ist zuversichtlich, dass das Land in dieser Frage nicht „einknicken“ werde: „Sonst würde es hier in Lietzow unter Umständen einen Präzedenzfall schaffen“. Die Sperrung weiterer Wege wäre die Folge. Dafür hat die Gemeinde unterdessen selbst gesorgt. Seit Ende vergangenen Jahres ist der Pfad, der neben dem Drei-Seiten-Hof in Semper vom Radweg an den ehemaligen Schweineställen vorbei zum Funkturm am Waldrand führt, dicht. Quer über den Weg wurde ein Zaun gezogen. Das Schild daran warnt: Betreten verboten! Das habe seine Richtigkeit, meint man in der Lietzower Gemeindevertretung. Die hat die einst kommunale Fläche an Nico Gruber verkauft. Die Begründungen dafür klingen eher dürftig: Der Weg habe das Grundstück des Privateigentümers getrennt, sagt der 2. stellvertretende Bürgermeister Thomas Brose. Gruber, der künftig Lietzower Bürger werden wolle, habe wie alle anderen auch „ein Anrecht“, sein Grundstück zu nutzen und den Weg zu erwerben. Über die Modalitäten habe man lange verhandelt. Herausgekommen ist aber nicht mehr als ein Wegerecht für die Forstwirtschaft und die Funkmastbetreiber. Die Antwort, warum es das für Einwohner und Gäste nicht geben soll, bleibt die Gemeindevertretung schuldig. Der Eigentümer wolle dort keinen öffentlichen Durchgang mehr, weil schon mehrmals Unbefugte in sein Haus eingestiegen seien, zitiert der 1. stellvertretende Bürgermeister Lars Riske die Beweggründe des neuen Besitzers. Gruber selbst ließ eine Anfrage der OZ unbeantwortet.

Bürgermeister Böhnig kritisiert mittlerweile den Verkauf. Der sei zwar beschlossen worden, aber hinter seinem Rücken geschehen. Seine Stellvertreter hätten mit dem Käufer einen Notartermin vereinbart, von dem er nichts gewusst habe. Der dann geschlossene Vertrag spiegele nicht das wider, was im Vorfeld besprochen worden sei: dass der Käufer einen alternativen Weg herrichten müsse. Böhnigs Stellvertreter Lars Riske wollte sich zu dem Vorwurf nicht äußern.

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