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Rügen Grundstücksstreit: Bürgermeister hilft
Vorpommern Rügen Grundstücksstreit: Bürgermeister hilft
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00:10 16.09.2014
Mir ist unklar, warum die Verwaltung im Interesse der Familien nicht auf die Bürgschaft verzichtet.“Wilfried Schuldt, Bürgermeister von Gademow
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Bergen

— Im Grundstücksstreit von zwei Bergener Familien mit dem Grundstücksvermittler und einem Bergener Makler (OZ berichtete) meldet sich nun der Bürgermeister der Gemeinde Gademow zu Wort. Hintergrund: Weil den Familien per Exposé fälschlicherweise zwei Grundstücke in Gademow als sofort bebaubar und voll erschlossen angeboten worden waren, kämpfen diese nun um ihre Existenz.

„Davon wusste ich nichts“, sagt Wilfried Schuldt (parteilos) geschockt. Erfahren habe er davon erst aus der OSTSEE ZEITUNG. „Ich finde das nicht in Ordnung, da ist man auf Dummenfang gegangen. Aber wer schuldig ist, lässt sich zur Zeit nicht ausmachen“, umreißt der Bürgermeister das Problem. Beschleunigen könnte den Baubeginn nun der Erschließungsträger. „Wir haben als Gemeinde ein Grundstück von 7000 Quadratmetern an Herrn Becker verkauft, der dort elf altersgerechte Häuser im Bungalowstil bauen will. Allerdings unter der Prämisse, dass er die Straße erschließt, weil die Gemeinde dafür kein Geld hat.“ Dies sei sowohl im Kaufvertrag als auch in einem zweiten Vertrag notariell festgelegt worden.

Doch genau daran hängt nun das Schicksal der zwei Familien: Weil Becker als Erschließungsträger bisher noch keine Bürgschaft hinterlegt habe, sei der Erschließungsvertrag mit der Gemeinde bisher nicht zustandegekommen und damit kein gültiges Baurecht geschaffen worden, hatte der Bergener Bauamtsleiter Rainer Starke erklärt (die OZ berichtete).

Für Schuldt, dessen Gemeinde von der Stadt Bergen verwaltet wird, ist dies jedoch kein nachvollziehbarer Grund, den Familien den Baubeginn zu verweigern. „Bei der Stadt will man sich natürlich vor einer möglichen Pleite des Erschließungsträgers absichern.“ Dies habe die Gemeinde jedoch durch den Kaufvertrag und den Notarvertrag bereits getan. „Das reicht uns. In der Vorbereitung für die Erschließung hat Herr Becker bereits Verträge mit der Eon-Edis, dem Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) und der EWE abgeschlossen.“ Inzwischen seien bereits die Leitungen für die Wasser-, Gas- und Stromversorgung verlegt und die Straßenbeleuchtung installiert worden. Auch ein unter dem Grundstück verlaufendes Starkstromkabel sei bereits entfernt worden. „Es fehlt nur noch ein Teil der Abwasserleitungen, mit denen wird demnächst begonnen. Dann sind alle Erdarbeiten für die Leitungen im Boden fertig und es kann mit dem Straßenbau begonnen werden“, so Schuldt, der die Entscheidung der Stadt nicht nachvollziehen kann. „Mir ist nicht klar, warum die Verwaltung im Interesse der Familien nicht auf die Bürgschaft verzichtet. Von meinem Standpunkt aus können sie sofort anfangen zu bauen.“ Dafür will sich der Bürgermeister, der bereits mehrfach das Gespräch mit dem Bauamt gesucht hat, nun in der nächsten Gemeinderatssitzung am 25. September stark machen und einen entsprechenden Beschluss fassen, der vorsieht, dass der B-Plan aufgrund der fortgeschrittenen Arbeiten auch ohne Bürgschaft in Kraft tritt. „Die Gemeindevertreter werden da sicherlich mitgehen“, ist er optimistisch. Sollte dies der Fall sein, bleibt unklar, ob die Stadt Bergen mitzieht. „Eigentlich ist sie als Verwaltung an die Beschlüsse der Gemeinde gebunden, sie könnte allerdings Widerspruch einlegen, wenn etwas den Gesetzen nicht entspricht“, räumt Schuldt ein.

Auch eine andere Auffälligkeit hat der Bürgermeister im umstrittenen Exposé, angefertigt von Sebastian Prüß, Geschäftsführer der Ostsee Haus & Grundstücksvermittlung, in dem bereits falsche Angaben zum Erschließungs- und Bebauungszustand gemacht wurden, entdeckt. „Dort sind fünf Grundstücke eingezeichnet, im B-Plan der Gemeinde sind aber nur drei Grundstücke vorgesehen“, wundert er sich. Die Town & Country Haus Lizenzgeber GmbH mit Sitz in Hörselberg-Hainich — angeblich soll Prüß Franchisenehmer sein — hatte angegeben, dass dieser alle Informationen zu den Grundstücken vom Bergener Makler Bernd Pohl erhalten habe. „Woher der die Infos hat, weiß ich nicht“, sagt Schuldt. „Von uns sicher nicht.“

Für die Familien, die neben ihrer Miete bereits die Bereitstellungszinsen für ihre Kredite zahlen müssen, drängt die Zeit: „Wir wissen nicht, wie lange wir finanziell noch durchhalten“, sagt Christian B.

Falsches Exposé
2Bergener Familien hatten im November und im Januar jeweils ein Grundstück in Gademow gekauft, das ihnen von Makler Bernd Pohl und Sebastian Prüß, Geschäftsführer der Ostsee Haus & Grundstücksvermittlung, vermittelt wurde. Laut Exposé wurden die Grundstücke als sofort bebaubar und voll erschlossen angeboten. Diese Angaben stellten sich jedoch nachträglich als falsch heraus. In den Kaufverträgen waren dazu keine Angaben gemacht worden.



Stefanie Büssing

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