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Rügen Hafen baut Glattnattern ein neues Zuhause
Vorpommern Rügen Hafen baut Glattnattern ein neues Zuhause
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08:05 20.06.2019
Rückzugsräume für Glattnattern und Zauneidechsen sind in Mukran in unmittelbarer Nähe zum Hafen entstanden. Quelle: Maik Trettin
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Mukran

Man könnte meinen, eine Gartenbaufirma hätte hier einen Lagerplatz errichtet: Steinhaufen liegen auf der Freifläche südlich des Mukraner Hafens in Höhe des Wracks, einzelne Findlinge und Steinkreise sind auf dem Gelände verteilt und hier und da hat jemand Totholz aufgestapelt. Gestaltet wurde das Gelände nicht in erster Linie für die Gäste, die es auf dem Weg zum steinigen Ostseestrand durchstreifen. Es ist das neue Zuhause für Glattnattern und Zauneidechsen. Eingerichtet hat es die Fährhafen Sassnitz GmbH gemeinsam mit der Stadt Sassnitz, die das Grundstück zur Verfügung stellte.

Seit Jahrzehnten hier zu Hause

Und das nicht aus reiner Liebe zu den Reptilien. Für die Eingriffe in die Natur und Umwelt durch den Bau des südlichen Spülfeldes musste die Hafengesellschaft an anderer Stelle einen Ausgleich schaffen. Ein Teil dieser Forderung wurde gleich auf dem benachbarten, 1,27 Hektar großen Areal umgesetzt. Holt man damit die Schlangen nach Mukran? Dr. Ralf Grunewald schüttelt den Kopf. „Die beiden europarechtlich geschützten Arten sind dort schon lange zu Hause“ - ohne dass jemand groß Aufhebens darum gemacht hätte. Dabei ist es durchaus etwas Besonderes, sagt der für den Artenschutz zuständige Sachbearbeiter im Landkreis Vorpommern-Rügen. Er hat sich schon als ehrenamtlicher Naturschutzwart jahrzehntelang vorwiegend mit den Reptilien beschäftigt. Ein seltener Vertreter der Kriechtiere ist eben jene Glattnatter. „Sie ist vom Aussterben bedroht“, sagt Grunewald. Mittlerweile sei sie nur noch selten anzutreffen – jedenfalls auf dem Festland. „Hier auf Rügen haben wir das größte Vorkommen in ganz MV“, sagt der Artenschutz-Fachmann.

Bauboom auf Rügen beschneidet den Lebensraum

Dokumentiert wurde das bis zum Ende der DDR ziemlich genau. Danach kümmerte sich eine Weile niemand um die seltenen Schlangen. Seit einigen Jahren sammeln Naturschutzfreunde auf Rügen wieder Hinweise und Spuren, die auf ein Vorkommen der Tiere hindeuten. Zu einem ihrer wichtigsten Lebensräume gehört die Schmale Heide zwischen Mukran und Binz. Doch gerade an dieser Stelle der Insel beansprucht der Mensch immer mehr Platz für sich. „Durch die rege Bautätigkeit im Bereich des Hafens, durch die Nordstream-Flächen und das Rohrwerk, aber auch durch die rege Bautätigkeit in Prora, verlieren die Tiere zunehmend ihren bisherigen Lebensraum.“ Der zunehmende Straßenverkehr tue ein Übriges, ergänzt Dr. Grunewald. Auch bei der Grabenpflege und bei Mäharbeiten werden die seltenen Nattern unbeabsichtigt getötet.

Schlange wird von Menschen oft übersehen

Dass man sie kaum zu Gesicht bekommt, ist nicht nur dem geringen Bestand an Tieren geschuldet. „Die Glattnatter verlässt sich sehr auf ihre Tarnung“, weiß Ralf Grunewald. Die wechselwarmen Tiere halten sich gern zwischen Gehölzen im Halbschatten auf. „Im Gegensatz zu anderen heimischen Schlangen bleiben sie oft einfach regungslos liegen, wenn man an ihnen vorbeigeht. Deshalb wird sie von vielen Menschen gar nicht wahrgenommen.“

Auf einer Tafel werden die Besucher über die Lebensweise von Glattnatter und Zauneidechse informiert. Quelle: Maik Trettin

Das könnte auch den Passanten so ergehen, die das für die Reptilien neu gestaltete Areal in Mukran durchstreifen. „Uns war es wichtig, dass es auch weiterhin Wege von der Straße zum Strand gibt und die Zuwegung zur Slipanlage erhalten bleibt“, sagt die Sassnitzer Bauamtsleiterin Claudia Klemens. Die Wege sollten auch nicht verlassen werden – um die Schlangen und Eidechsen in ihren Refugien nicht zu stören. Wer das seltene Glück hat und eine Glattnatter trifft, sollte das Tier möglichst aus der Entfernung bewundern. Die Tiere sind zwar nicht giftig, scheuen sich aber nicht zuzubeißen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Künstlicher Kliffabbruch soll Lebensraum werden

Nach dem Vorbild des jetzigen soll in Mukran ein weiterer Rückzugsort für die Zauneidechsen und Glattnattern angelegt werden. Auf der gegenüberliegenden Seite am ehemaligen Buswendeplatz in Richtung Staphel wird eine Fläche von 5500 Quadratmetern entsiegelt. Hier entsteht eine Landschaft, die einem Kliffabbruch nachempfunden ist. „Das ist der Ausgleich für das Verschwinden des inaktiven Kliffs, das es derzeit noch auf dem Hafengelände gibt“, so die Bauamtsleiterin.

Maik Trettin

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