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Rügen Geschlossen: Wie geht es mit dem Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseum weiter?
Vorpommern Rügen Geschlossen: Wie geht es mit dem Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseum weiter?
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13:27 06.11.2019
Das Fischerei- und Hafenmuseum im Sassnitzer Stadthafen zählt jedes Jahr im Schnitt rund 8000 Besucher. Quelle: Burwitz Udo
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Sassnitz

Im Oktober endete hier die Sonderausstellung über Konsumgüter in der DDR. Waren dies die letzten Exponate, die den Weg ins Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseum gefunden haben? Wie geht es weiter? Seit einer Woche hat es geschlossen, soll nur noch temporär zwischen Weihnachten und Neujahr öffnen. Was mit der Einrichtung ab kommendem Jahr geschieht, ist noch ungewiss. Die Verantwortlichen hoffen auf einen Zuschuss aus dem Stadthaushalt. Fließt kein Geld, droht die Gefahr, dass sich die Türen dauerhaft schließen.

Der Grund, warum Besucher aktuell das Haus am Hafen nicht betreten können, ist also die finanzielle Situation. 80 000 Euro gibt die Stadt, die seit 2010 Eigentümerin der Sammlung ist, jedes Jahr für den Museumsbetrieb aus. Ob es auch künftig so bleiben soll, hängt von der aktuellen Finanzdebatte ab. „Wenn kein Geld in den städtischen Haushalt eingestellt wird, ist es so, dass es schließt“, verdeutlichte Leon Kräusche, Leiter der Wirtschaftsförderung in Sassnitz, jüngst im Wirtschaftsausschuss.

Fakt ist aber auch, dass das Museum sanierungsbedürftig ist. Schätzungen ergaben, dass für Umbau und Neugestaltung rund zwei Millionen Euro aufgebracht werden müssen. Die Stadt hatte bereits Eigenmittel in Höhe von einer halben Million Euro in ihren Doppelhaushalt eingestellt, um Fördergeld für den rund zwei Millionen Euro teuren Umbau beantragen zu können. Angesichts der Haushaltslage hatte die Kommunalaufsicht beim Landkreis diese Summe aus dem Papier gestrichen (die OZ berichtete).

Arbeitsgruppe soll sich gründen

Dieses kulturelles Angebot ist aus Sicht von Andreas Pfaffe vom Vorstand des Fördervereins des Museums enorm wichtig für die Touristen. Im Hafen müsse dauerhaft ein Angebot in dieser Form vorhanden sein. „Wir würden das Museum weiter betreuen, wenn es die Stadt so will. Dafür müsste aber Geld in den Doppelhaushalt der Stadt eingestellt werden. Ansonsten ist das Museum geschlossen. Die Sassnitzer Geschichte, die im Museum gezeigt wird, wird es dann nicht mehr geben“, sagt er.

Verein existiert seit 1993

Im März 1993 ergriffen Bürger die Initiative zur Gründung eines gemeinnützigen Vereins, des Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseums. Dieser hat das Ziel, die Geschichte von Sassnitz als Stadt der Fischerei und Fischverarbeitung, des Fährschiffs- und Bäderschiffsverkehrs und der Seetouristik darzustellen. Das Museum eröffnete seine Ausstellung im Mai 1996 und ist seitdem ständig erweitert und gestalterisch bearbeitet worden. Wichtigstes Exponat des Museums ist das Museumsschiff „Havel“.

2010 wurde mit Beschluss der Mitgliederversammlung des Vereins das Museum der Stadt Sassnitz zum Erhalt und weiteren Betrieb übergeben.

80 000 Euro überweist die Stadt jährlich an das Museum. Dieses Geld wurde unter anderem für Personal und Miete ausgegeben.

Der Förderverein ist deshalb bestrebt, sein Projekt fortzuführen. Eine Möglichkeit brachte Vorstandskollege Karl-Friedrich Lindmayer ins Gespräch: eine Reduzierung des Zuschusses der Stadt. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dieses große Stück Stadtgeschichte zu erhalten.“ Eine Arbeitsgruppe soll gegründet werden, in der Vertreter des Fördervereins, des Aufsichtsrates der Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft, der Stadt sowie der Stadtvertretung diskutieren, ob eine Weiterführung auch mit weniger Geld von der Stadt sinnvoll sein kann.

Havel“ ist Besuchermagnet

„Der Förderverein ist nicht schuld, dass wir dieses Ergebnis haben, er hat seine Aufgabe erfüllt. Das Museum kann geändert oder geschlossen werden oder sich künftig in einer ganz anderen Art präsentieren. Dies ist Gegenstand der aktuellen Diskussion“, betont Leon Kräusche. In diesem Zusammenhang muss auch der zugehörige Museumskutter „Havel“, der Besuchermagnet bei den Urlaubern, Erwähnung finden. 11 000 Euro sind im Zuge der „Sturmgespräche“ in den vergangenen Jahren zusammengekommen. Dieses Geld soll für eine Beplankung der „Havel“ eingesetzt werden. Der Verein kann sich vorstellen, dieses alte Schiff aus dem Wasser zu holen, an Land zu bringen und es prominent neben dem Museum zu platzieren.

Der ehemalige Sassnitzer Fischkutter „Havel“ gilt als der Besuchermagnet des Museums. Quelle: Maik Trettin

Diesen Vorschlag unterstützt auch Leon Kräusche: „Im schlimmsten Fall öffnet sich ein Ventil oder etwas anderes und die ‚Havel‘ sinkt. Die Stadt wäre hierfür verantwortlich.“ Bei einer Entsorgung des größten Exponates des Museums würden sich schnell 400 000 Euro anhäufen, prognostiziert er. Für ihn ist es deshalb so wichtig, dass sich zeitnah eine Arbeitsgruppe bildet, die auch Entscheidungen fällen kann und der man auch Vertrauen entgegenbringen muss. „Wir haben viel diskutiert bis hierher, entschieden haben wir aber noch nichts“, sagt er.

Als Arbeitsgrundlage für künftige Diskussionen wollen die Ausschussmitglieder wie folgt vorgehen: Die „Havel“ aus dem Wasser heben lassen und eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Bekennt sie sich zum Museum und legt ein entsprechendes Konzept vor, soll städtisches Geld über den Nachtragshaushalt fließen.

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Von Mathias Otto

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