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Rügen Handwerkszünfte beklagen fehlende Wertschätzung
Vorpommern Rügen Handwerkszünfte beklagen fehlende Wertschätzung
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11:24 28.01.2019
Uwe Ambrosat, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund-Nordvorpommern (l.), und Kreishandwerksmeister Martin Ratzke. Quelle: Gerit Herold
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Binz

Die wirtschaftliche Lage ist gut, das Handwerk gefragt wie lange nicht, die Auftragsbücher sind voll. Doch trotz dieser positiven Nachrichten: So richtig gute Stimmung wollte bei der Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund-Nordvorpommern am Sonnabend im Binzer Strandhotel „Arkona“ nicht aufkommen, zu der auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft gekommen waren. Geschäftsführer Uwe Ambrosat zählte kurz auf warum: Unrealistische Forderungen der Gewerkschaften nach steigenden Löhnen, ausbleibender Nachwuchs, die als ungerecht empfundene Tourismusabgabe, blühende Schwarzarbeit, die nicht geahndet werde. Zudem würde im Kreis nur noch für zwei Handwerksberufe – Friseur und Kfz-Mechatroniker – ausgebildet. Eine gefühlte Hilflosigkeit und Gleichgültigkeit mache sich breit.

Allergrößtes Ärgernis sei die geringe Wertschätzung des Handwerks, betonte auch Kreishandwerksmeister Martin Ratzke und fragte: „Was ist das Handwerk wert? Welchen Stellenwert hat es? Wer sind wir?“ Seine Antwort: „Wir sind nicht europäisch, sondern eine regionale, ortsgebundene Wirtschaft mit Tradition“. Diese sorge für gute Bezahlung und stoppe die Abwanderung des Nachwuchses. Doch das Handwerk leide unter einem enormen Imageproblem. Nicht flexibel, schlecht bezahlt, schlecht organisiert, nicht digital, seien die Denkweisen. Hinzu komme eine Gesellschaft, die dem Akademikerwahn verfallen sei – zum großen Schaden von Berufsreife und Berufsausbildung. „Wir verlangen von der Politik, dass der Realschulabschluss wieder einen Stellenwert bekommt“, so Ratzke. Gleichzeitig sollten die Zugangsvoraussetzungen zum Studium korrigiert werden. Dann gäbe es in Deutschland auch weniger Fachkräftemangel.

Das Handwerk ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor in MV. Immerhin zehn Prozent der Wertschöpfung werden durch das Handwerk erbracht. 25 Prozent der Ausbildungsplätze werden durch handwerkliche Betriebe bereitgestellt. „Das Handwerk in MV ist ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Qualitätsanker in guten und auch in schlechten Zeiten“, unterstrich Martin Ratzke und warnte vor einer Überhöhung einzelner Wirtschaftszweige. Mit Blick auf die Debatte um die Einführung einer Tourismusabgabe betonte er: „MV braucht den Tourismus, auch das Handwerk braucht den Tourismus. Wir leben aber nicht ausschließlich davon.“

Den Ball fing Gerd Lange, Fachreferatsleiter aus dem Schweriner Wirtschaftsministerium, auf. Er sieht große Schnittmengen zwischen beiden Bereichen. Im Tourismus würden die Dienstleistungen des Handwerks eine gewichtige Rolle spielen. Das Handwerk profitiere so auch vom Tourismus.

Landrat Stefan Kerth, selbst gelernter Augenoptiker, hakte beim Thema Wertschätzung der mittleren Reife und der Berufsausbildung ein. Beides müsse wieder mehr in den Fokus rücken. Das Handwerk müsse aber auch selbst aktiver und attraktiver für sich werben und dafür vor allem die sozialen Medien nutzen. Kerth kündigte an, dass der Landkreis in Stralsund einen Berufschul-Campus errichten will. 30 Millionen Euro werden dafür investiert. Damit würden die Außenstandorte wie die Berufsschule in Sassnitz nicht infrage gestellt. Eine Idee sei auch das Azubi-Ticket. „Doch das ist ein dickes Brett, das man bohren muss“, so Kerth.

Handwerksbetriebe mit rund 4500 Beschäftigten sind aktuell in 24 Innungen im Kreis organisiert. Gegenwärtig werden 800 Lehrlinge ausgebildet. Insgesamt zählt die Branche in der Region rund 7000 Beschäftigte, informierte Uwe Ambrosat. Im Durchschnitt haben die Firmen drei bis sieben Mitarbeiter.

Gerit Herold

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