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Rügen Havarie vor Rügen – alles, was bislang bekannt ist
Vorpommern Rügen Havarie vor Rügen – alles, was bislang bekannt ist
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10:27 20.02.2019
Der unter zypriotischer Flagge fahrende Frachter „Raba“ wurde an seiner rechten Seite getroffen. Quelle: Uwe Driest
Sassnitz

Wenige Stunden nach den dramatischen Ereignissen auf offener See lagen die beiden Schiffe gestern in den Häfen von Mukran und Sassnitz. Nur vereinzelte Schaulustige, welche von der Kollision aus dem Radio erfahren hatten, kamen noch in den Stadthafen, um ein Foto von der „World Bora“ zu machen.

Darunter ein junger Mann von der Freiwilligen Feuerwehr der Hafenstadt, der zwar morgens nicht im Einsatz war, aber über seinen Melder, den er am Gürtel trägt, von dem Notruf erfahren hatte. Gemeinsam mit seiner Mutter bestaunte er die unübersehbar eingedrückte Stelle am Bug des 30 Meter langen Personen-Transportschiffs. Zum Ausmaß der Schäden oder zum Hergang des Unfalls wollte keiner der Verantwortlichen etwas sagen.

Mehr lesen: Schweres Schiffsunglücke vor Rügen – 15 Verletzte

Massenanfall von Verletzten“

Eine Handvoll mit gelben Warnwesten bekleideter Männer hatte sich auf der Brücke des Schiffes versammelt. Zwei weitere Männer, die einem Auto mit Cuxhavener Kennzeichen entstiegen winkten im Vorbeigehen ab. „No comment“, hieß es auch hier. „Everything must be investigated“, alles müsse nun zunächst untersucht werden.

Die zunächst genannte Zahl von zehn Schwerverletzten korrigierten die Einsatzkräfte am Nachmittag nach unten. „Bei einer Kollision zweier Schiffe auf der Ostsee kam es zu einem Massenanfall von Verletzten“, hieß es von der Rettungsleitstelle des Landkreises. Die medizinische Erstversorgung hatte – Glück im Unglück – die Besatzung des in Sassnitz liegenden Seenotrettungskreuzer „Harro Koebke“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ (DgzRS) vornehmen können.

Auch Helfer wurden verletzt

Zwei Notärzte, vier Rettungstransportwagen sowie die in Grimmen stationierte schnelle Einsatzgruppe des Rettungsdienstes und zwei Rettungshubschrauber stießen bald darauf hinzu. Vier Schwerverletzte wurden in Krankenhäuser nach Stralsund und Greifswald gebracht. Leichtverletzte konnten vor Ort oder in umliegenden Arztpraxen versorgt werden. Einer der Helfer prellte sich den Ellenbogen, als er auf dem Schiff stürzte.

Auf der Ostsee vor Rügen hat es am Dienstag Morgen einen schweren See-Unfall gegeben. Zwei Schiffe sind gegen 8 Uhr etwa zweieinhalb Seemeilen östlich vor der Stubbenkammer Rügen kollidiert. Es gab mehrere Verletzte. Das unter dänischer Flagge fahrende Schiff „World Bora“ und das unter zypriotischer Flagge fahrende Frachtschiff „Raba“ stießen aus bislang noch unbekannter Ursache zusammen.

Während die im Fährhafen liegende „Raba“ mit einem Sachschaden an ihrer rechten Seite davonkam, wurden alle Passagiere des Personentransporters des dänischen Offshore-Dienstleisters World Marine Offshore verletzt, als der den 80 Meter langen Frachter rammte. Dennoch gelang es den vier Crew-Mitgliedern, ihren Katamaran in den Sassnitzer Hafen zu steuern, wo bereits Hilfe wartete. An Bord waren elf Techniker, die ihren Dienst auf der Offshore-Plattform des Windparks „Wikinger“ hätten antreten sollen.

„Wenn es nicht so reibungslos verlaufen wäre, wie es heute Morgen der Fall war, hätten wir eingreifen müssen“, sagt Michael Friedrich, vom Havarie-Kommando des Bundes. „In solchen großen Lagen müssen wir sehen, dass wir die Verletzten auf verschiedene Krankenhäuser und chirurgische Praxen verteilen“, hieß es aus der Rettungsleitstelle des Landkreises. Wegen ihrer großen Zahl konnten die Verletzten erst am späten Vormittag abtransportiert werden.

Karte von der Ostsee vor Rügen mit dem Ort der Schiffs-Kollision Quelle: Benjamin Barz

Ermittler gehen an Bord

Im Laufe des Tages gingen Experten der Seeunfalluntersuchung an Bord beider Schiffe, um die Unfallursache zu klären. „Die Ermittlungen können Wochen, wenn nicht Monate dauern“, weiß Robert Stahlberg, Sprecher der Wasserschutzpolizei. Mittels AIS-Tracking (Automatisches Identifizierungssystem) werden in solchen Fällen die exakten Routen der Schiffe nachvollzogen.

Weiterlesen: Themenseite zu Schiffsunglücken auf der Ostsee

Fest steht bisher nur, dass die „World Bora“, ein sogenanntes High Speed Craft, das Geschwindigkeiten von bis zu 36 Kilometern je Stunde erreicht, mit seiner linken Bugseite die 1984 gebaute „Raba“ rechts hinten traf. Die „World Marine Offshore“ sagte zu, eine gründliche Untersuchung in Kooperation mit lokalen und dänischen Behörden durchführen zu wollen. Keiner der Verletzten befindet sich in Lebensgefahr.

Klicken Sie hier, um eine Übersicht über Schiffsunglücke auf der Ostsee, die sich in den letzten Jahren ereignet haben, zu sehen.

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Uwe Driest

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