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Rügen Herzschlagmusik: Juliusruh ist Rügens Country-Hochburg
Vorpommern Rügen Herzschlagmusik: Juliusruh ist Rügens Country-Hochburg
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00:00 11.08.2015
Teufelsgeiger Mr. Miller mischte die Session auf. Fotos (3): Uwe Driest
Teufelsgeiger Mr. Miller mischte die Session auf. Fotos (3): Uwe Driest
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Juliusruh

„In ehrlicher Handarbeit gespielte Country-Musik verdient sich die treuesten aller Fans“, sagt einer, der es wissen muss. Der Schweriner Harald Wilk ist über 70 Jahre alt, steht seit 30 Jahren mit seiner Formation „Wilk & Friends“ auf der Bühne und darf sich heute zu den Musiklegenden des Ostens zählen. „Juliusruh ist sowieso immer gut“, sagt der Gitarrist und Sänger sehr zum Wohlgefallen von Veranstalter Olaf Zunk. „Nach dem Aus von Neddesitz sind wir der Höhepunkt der Rügener Country-Szene“, freut der sich.

Sein „Countryfest an der Schaabe“ veranstaltete Zunk am Sonntag zum 20. Mal. Zwar sei das Budget für diese Veranstaltung limitiert, „aber wir sind mit den Besucherzahlen immer sehr zufrieden”. So etwa tausend Einheimische und Urlauber sahen sich auf dem Festplatz zwischen Wurst, Pilzpfanne und Kräuterbonbons, Schmuck, Namenskettchen und Tüchern um. Auch der Verkauf von Schildern mit Motiven rund um die Themen Auto und Bier scheint sich unter Western-Fans zu lohnen. Schließlich sind gerade auch die inzwischen zahlreichen deutschsprachigen Titel besonders unter Fernfahrern beliebt.

Der Klassiker aber sind und bleiben Cowboy-Hüte zu erschwinglichen Preisen. Auch Gerhard Wünsch aus Borne im Salzlandkreis erlag diesem archaischen Männertraum. Von Ehefrau Kathleen ließ er sich den ersten Hut seines Lebens anpassen, „den ich für den Garten brauche“, sagt er beinahe entschuldigend.

Der Traum vom freien Leben in der Wildnis sei in der DDR noch ausgeprägter gewesen als in der Bundesrepublik, glaubt Harald Wilk. „Es war ein Stück Freiheit für uns. Wir konnten nicht in den Wilden Westen reisen, also holten wir ihn uns hierher.“ Folgerichtig habe ihn seine erste Reise unmittelbar nach der Öffnung der Grenzen in die USA geführt, erzählt Wilk, der auch eine musikalische Erklärung für die Beliebtheit von Country-Musik über Generationengrenzen hinweg hat: „Die Musik im Rhythmus des Herzschlags macht keinen nervös, sondern alle fröhlich und nie haben wir Probleme mit Gewalt.“

Fünf Gruppen hatte der Organisator Olaf Zunk für den späten Sonntag engagiert, die sich ab 22 Uhr zur gemeinsamen Session auf der Bühne einfanden, zu der dann Mr. Zunk und der oft als „Teufelsgeiger“ bezeichnete Mr. Miller stießen. Klar, dass auch die „Two Country Men” schon in „Pullman City“ auftraten, dem Mekka der Country-Szene. Bei einem Besuch der im Harz erbauten Western-Erlebnisstadt begeben sich die Reisenden in die Zeit des „Wilden Westens“. Die Berliner Combo „Steigbügel“ ließ eine fast waschechte Squaw singen und tanzen und die österreichische Gruppe „Urgestein“ spielte zum ersten Mal auf Rügen.

Zwischen den Bands legten die Line Dancer „The Burning Boots“ aus Sassnitz eine flotte Sohle aufs Parkett. Christina Lehmann aus Garz nutzte die Gelegenheit, die Choreographie der erfahrenen Tänzerinnen mit ihrer Kamera festzuhalten. Die 15-Jährige ist Mitglied im Country Club Bergen und tanzt selber bei den dortigen Island Dancer. „Ich tanzte zum ersten Mal in der Grundschule und nahm mir vor, später damit weiterzumachen“, erzählt Christina. Ihre Island Dancer freuen sich immer über Gäste, die am Training in der Begegnungsstätte des DRK am Tilzower Weg teilnehmen möchten.

Um Nachwuchs muss sich also Harald Wilk, der so lange spielen will, bis er „tot umfalle“, keine Sorgen machen, wenn es denn irgendwann einmal soweit ist und er in den Stiefeln auf der Bühne das Zeitliche segnet. Howdy!

Country und Schlager
Country-Musik entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts aus Elementen der Volksmusik von europäischen Zuwanderern vor allem aus England und Irland in den USA. Daraus entwickelten sich Stilrichtungen wie Bluegrass, Honky Tonk, der Nashville-Sound oder der Country-Pop, den beispielsweise Dolly Parton und John Denver repräsentieren. Seit Mitte der 70er Jahre interpretiert eine Reihe von Künstlern in deutscher Sprache Country-Musik. Diese auch als Country- Schlager bezeichnete Richtung ist vor allem in der deutschen Fernfahrer- und Western-Szene beliebt.



Uwe Driest