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Hiddensee und Mönchgut erhalten moderne Arztpraxen

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16:40 21.01.2020
Der Jugendclub in Thiessow wird zu einer modernen Kinderarztpraxis umgebaut. Quelle: KV Mönchgut
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Vitte/Thiessow

Gute Nachrichten für die Gemeinde Hiddensee und Thiessow auf Mönchgut. Ihre Projekte gehören zu den Gewinnern des Landeswettbewerbs „Best-Practice-Beispiele zur Ergänzung und Sicherstellung der ambulanten haus- und kinderärztlichen Versorgung im ländlichen Raum“, den die Landesregierung ausgeschrieben hatte. Für Rügen schafften es die beiden von der lokalen Aktionsgruppe des Förderprogramms Leader ausgewählten Projekte unter die ersten zehn. Auf der Insel Hiddensee soll das Arzthaus Vitte saniert und um weitere Gesundheitsdienstleistungen erweitert werden. Die Gemeinde Mönchgut möchte den ehemaligen Jugendclub in Thiessow zu einer Kinderarztpraxis umbauen.

„Es gibt bisher in den acht ehemaligen Mönchguter Gemeinden zwischen Reddevitz und Klein Zicker keinen niedergelassenen Arzt“, sagt Detlef Besch. Für den Bürgermeister der Gemeinde Mönchgut geht es dabei um ein Herzensprojekt. „Das Fehlen eines Arztes schlägt sich auch im Tourismus nieder und die Bevölkerung nimmt das Projekt ebenfalls sehr gut auf.“ Der Jugendclub werde kaum noch nachgefragt, weil sich die Kinder und Jugendlichen zunehmend nach Göhren orientieren würden, „was wir weiterhin unterstützen wollen“. Zunächst soll ein Teil der Einrichtung, beispielsweise eine Tischtennisplatte, nach Göhren wechseln.

Gemeinde will Infrastruktur erhalten

Mit der Bereitstellung der Immobilie ist es allerdings noch nicht getan. Inzwischen erteilte auch die Kassenärztliche Vereinigung ihre Genehmigung für den Standort und ein motivierter Kinderarzt habe sich gefunden, der bereit sei, in der Gemeinde eine Praxis für Pädiatrie zu eröffnen. „Uns fehlt eine Arztpraxis, nicht zuletzt für unsere Prädikatisierung als Tourismusort“, freut sich Franziska Lichtenauer von der Kurverwaltung über die Zuwendung von 100 000 Euro. Damit könne die Gemeinde nun die nötigen Voraussetzungen schaffen. „Das Gebäude soll entsprechend den vorgeschriebenen Anforderung umgebaut und saniert werden.“ Der Bürgermeister hält das Projekt auch politisch für notwendig. „Das Wegbrechen der kommunalen Infrastruktur im ländlichen Raum ist fatal. Da wollen wir gegensteuern und hoffen, dass sich das langfristig auszahlt“, sagt Detlef Besch.

Aus dem Arzthaus in Vitte soll ein Gesundheitszentrum werden. Quelle: Gemeinde Hiddensee

In Vitte freut sich Thomas Gens über den Zuschlag. „Mit dem Projekt möchten wir die medizinische Grundversorgung auf der Insel Hiddensee sichern und erweitern“, sagt der Bürgermeister des söten Lännekens. Das denkmalgeschützte Arzthaus wurde 1913 erbaut und wird seitdem ohne Unterbrechung für die ärztliche Versorgung von Einheimischen und Gästen genutzt. Fassade, Dach und Nebengebäude seien baufällig, die Heizungsanlage reparaturanfällig und der Zugang ins Gebäude nicht barrierefrei. „Im Erdgeschoss befindet sich die Arztpraxis, im Obergeschoss ist eine Ärztewohnung, die aber nach dem Wegzug des Ärzteehepaares Jens und Ute Karweck vor fünf Jahren nicht mehr genutzt wurde.“

Ärztliche Unterversorgung drohte

Seither betreibt Inselarzt Ulf Müller seine Praxis, der zugleich als Notfallarzt fungiert. Aufgrund fehlender Vertretungsmöglichkeiten bedeute dies einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst. Deswegen freue sich der Arzt über kollegiale Unterstützung. Immerhin sei die Hälfte der rund tausend Einwohner der Insel älter als 50 Jahre und auch Urlauber müssen medizinisch versorgt werden. Zwar ist seit einigen Jahren in Vitte ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet, um Patienten in umliegende Krankenhäuser zu bringen, aber auf der Insel selbst gibt es nicht einmal eine Apotheke. Lediglich eine Rezeptausgabestelle, die voraussichtlich Ende 2020 schließen werde, so Gens. Daher sollen im Arzthaus sowohl eine Rezeptsammelstelle als auch eine Außenstelle für Augenoptik und Hörgeräteakustik entstehen.

Beantragt werden konnte beim Wettbewerb die Errichtung von Praxen für niedergelassene Ärzte, der Aufbau von Gesundheitszentren oder Gemeindepraxen. Eine Zuwendung von bis zu 750 000 Euro mit einer 90-prozentigen Förderung ist möglich. Voraussetzung war eine drohende hausärztliche Unterversorgung im Bereich, die per Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung bestätigt werden muss. Zur Förderung der Vorhaben wurden für MV sechs Millionen Euro bereitgestellt.

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