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Rügen „Hier bekommt mich niemand weg!“
Vorpommern Rügen „Hier bekommt mich niemand weg!“
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00:00 05.04.2013
Bob-Olympiasieger Meinhard Nehmer bleibt dem Wintersport treu. Mit seinen alten Langlaufskiern ist er noch häufig unterwegs. Quelle: Anne Ziebarth
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Varnkevitz

Kein anderes Zuhause als Varnkevitz kann sich Meinhard Nehmer vorstellen. Der mehrfache Olympiasieger im Zweier- und Viererbob ist durch seine sportliche Karriere weit in der Welt herum gekommen. Ein anderer Wohnort als das Dorf im äußersten Nordosten Rügens, kam für ihn aber nie in Frage. „Hier bin ich aufgewachsen und habe eine wundervolle Kindheit verlebt“, erzählt Nehmer. „Damals haben wir noch im alten Gutshaus gewohnt.“ Dort seien nach dem zweiten Weltkrieg insgesamt 24 Familien untergebracht gewesen, überwiegend Flüchtlinge aus der Region Stettin, berichtet er. „Alle Familien hatten viele Kinder. Das war für uns natürlich toll damals, gemeinsam durch den Park und die Ställe zu streifen und Verstecken zu spielen“, erinnert sich Nehmer.

Heute wohnt Meinhard Nehmer mit seiner Frau Renate, Hütehund Leopold und vielen Zwerghühnern in einem verwinkelten Haus direkt am Ortseingang. Die Hühner wuseln eifrig über den Hof und picken an der Futterstelle. „Die hier sind vom Nachbarn — glaube ich zumindest“, stellt der 72-Jährige fest und schiebt vorsichtig ein dickes, rotbraunes Huhn beiseite.

Im Dörfchen Varnkevitz lernte Nehmer nicht nur den Beruf des Landwirts von seinem Vater, hier wurden auch die ersten Schritte für seine sportliche Karriere gelegt. Damals hatte der Mann, dessen sportliche Erfolge ihn später einmal weit über die Grenzen Deutschlands berühmt machen sollten, vom Bobsport noch nie etwas gehört. „Werfen war damals meine Leidenschaft!“ erzählt er und zeigt aus dem Wohnzimmerfenster auf die verschneiten Felder. „Hier habe ich als Junge mit Speerwerfen begonnen. Genau genommen mit Steinewerfen, der Speer kam erst etwas später“.

Schnell merkte Nehmer, dass er nicht nur Spaß am Sport hatte, sondern auch außergewöhnlich gut war. „Bei Kreismeisterschaften und Bezirksmeisterschaften war ich immer der Exot“, sagt er lachend. „Ich war zwar der Beste, hatte aber von ausgefeilter Speerwurftechnik keine Ahnung. Außerdem wollte ich immer Neues ausprobieren!“ Das hat ihn in seiner Jugend einmal bereits fast den Kopf gekostet.

„Wir haben eine hervorragende Steilküste, da kann man auch im Winter einiges anstellen“, erzählt er mit einem Leuchten in den Augen. Eine Skisprungschanze habe er sich dort aus Brettern zusammengenagelt, zusätzlichen Schwung ermöglichte der erhöhte Start von einem Schuppen. Herausgekommen sind passable Sprungweiten von bis zu 15 Metern. „Das würde ich natürlich niemandem zum Nachmachen empfehlen“, beeilt sich Nehmer zu sagen, „aber Spaß gemacht hat es doch.“

Heute lässt er es ruhiger angehen und ist im Winter überwiegend auf Langlaufskiern zwischen Varnkevitz und dem Kap Arkona unterwegs. Herkömmliche Langlaufskier kommen hierbei für Tüftler Nehmer nicht in Frage. „Für präparierte Loipen mögen die modernen Skier gehen — ich nehme lieber meine breiten Uraltmodelle, damit kommt man hier bei unseren Wegen einfach besser durch!“

Tägliche Streifzüge durch den nahen Wald gehören für Nehmer zum täglichen Programm, die Ostsee besucht er ebenfalls jeden Tag. „Das liegt in der Familie“, sagt Nehmer. „Unser Sohnemann hat ein Fischräuchergeschäft ein paar Dörfer weiter, eine Tochter ist in Greifswald, die andere in Flensburg. Offensichtlich können wir uns einfach nicht von der Küste trennen. Müssen wir zum Glück ja auch nicht!“

Serie

Dorfgeschichten Varnkevitz

Sechs Häuser und ein Gut
12 Einwohner verteilen sich auf sechs Häuser des Ortes Varnkevitz. Dazu kommen noch ein Gutshaus aus dem Jahre 1800 und eine Radarstation. Auch vier Dutzend Hühner leben in Varnkevitz, das zur Gemeinde Putgarten im Nordosten Rügens gehört. Urkundlich erwähnt wurde der Ort bereits im Jahr 1314.

Anne Ziebarth

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