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Rügen Hilfe für Opfer: Weißer Ring hat großes Netzwerk
Vorpommern Rügen Hilfe für Opfer: Weißer Ring hat großes Netzwerk
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17:01 07.12.2018
Sozialpädagogin Ina Pellehn (v. l.), Marianne Wallis und Gudrun Drahheim (r.) von der Beratungsstelle für Betroffene häuslicher Gewalt und Inge Höcker von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking (hinten). Quelle: Mathias Otto
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Putbus

 Es gibt Dinge, die hören sich grausam an, sind aber leider bittere Realität – auch hier auf der Insel Rügen. Martin Stemmler und seine Mitstreiter vom Weißen Ring in Putbus sind immer dann da, wenn Betroffene Opfer häuslicher Gewalt geworden sind.

Ein Fall am Weihnachtsfest vor drei Jahren: Eine Frau wurde von ihrem Mann so stark misshandelt, dass ein Sanitäter gerufen werden musste. Die Polizei wurde hinzugezogen. Noch am selben Tag hatte der Mann von der Polizei die Auflage bekommen, sich der Wohnung nicht mehr zu nähern. Das Gericht sorgte dann dafür, dass er seine Frau ein halbes Jahr nicht mehr zu Gesicht bekam.

Wenn Betroffene bei Null anfangen müssen, gibt es viele Einrichtungen, die eng mit dem Weißen Ring verbunden sind und schnellstmöglich handeln. Dazu gehören unter anderem die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking in Stralsund, die Beratungsstelle für Betroffene von häuslicher Gewalt in Bergen, die „Miss.“ Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt in Bergen und Stralsund und der Träger „fair –gewaltfrei und selbstbestimmt“ in Stralsund.

„Viele kommen zu uns und haben nur ihre Sachen am Körper. Ohne Papiere und ohne Geld“, sagt Marianne Wallis von der Beratungsstelle für Betroffene häuslicher Gewalt. Zwischen 70 und 80 Fälle pro Jahr landen hier auf dem Tisch. Fast jede zweite Klientin benötigt eine Langzeittherapie. Viele von ihnen würden noch nicht einmal eine Geldkarte besitzen. Diese Betroffenen haben jahrelang isoliert gelebt. Kontakte zur eigenen Familie und Freunden wurden nur selten bis nie vom Partner zugelassen. „Wenn die Frauen bei uns ankommen, sind sie am Ende ihrer Kräfte. Nicht selten sind wir ihre einzigen Bezugspersonen“, sagt ihre Kollegin Gudrun Draheim.

Deshalb beginnt schnellstmöglich die Arbeit mit entlastenden Gesprächen und Beratungen. Zweiter Schritt bei Personen, die großer Gewalt ausgesetzt waren: Sie werden in sogenannten Schutzwohnungen vorübergehend untergebracht. „Wir begleiten die Frauen aber auch zu Ämtern, Ärzten, Polizei oder Rechtsanwälten“, sagt Marianne Wallis. Gerade bei der Frage: „Welche rechtlichen Ansprüche stehen diesen Frauen zu?“ wissen viele Frauen keine Antwort. Es gibt Fälle, in denen Frauen in einer großen Abhängigkeit vom Partner standen. Etwa, wenn sie ohne Arbeitsvertrag im Geschäft des Partners gearbeitet haben.

„Wichtig ist, dass Betroffenen so schnell und so unkompliziert wie möglich geholfen wird. Sei es mit Sachen zum Anziehen, Bargeld, Umzug oder der Austausch des Türschlosses“, berichtet Ina Pellehn von der „Miss.“ Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt. Für viele Frauen würde es schlichtweg darum gehen, die ersten Tage und Wochen nach einem Martyrium zu überstehen.

Artet die Gewalt soweit aus, dass die Polizei hinzugezogen werden muss, sei nur die Unterbringung in einem Schutzhaus sinnvoll. Inge Höcker von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking: „In diesen Fällen gibt es eine Krisenberatung. Danach werden sie, je nach Fall, an unterschiedliche Institutionen weitergeleitet. Wir sind im Landkreis gut vernetzt, können in jeder Situation schnell und angemessen reagieren“, sagt sie.

Ihr liegen die Zahlen vom ersten Halbjahr 2018 vor. 200 Personen hat sie in diesem Zeitraum beraten. Hingegen würden noch zu viele Frauen, die Delikte von häuslicher Gewalt bei der Polizei anzeigen, sich danach keine professionelle Hilfe suchen. Die Scham sei oft sehr groß. „Unser Ziel ist es deshalb, 75 Prozent dieser Fälle zu erreichen“, so Inge Höcker. Trotzdem positiv: Immer mehr Frauen würden den Weg zur Polizei finden und die Taten in den eigenen vier Wänden anzeigen.

Es gibt aber auch Männer die psychisch und physisch unter Gewalt in der Partnerschaft leiden. Dies betrifft fünf Prozent und geht durch alle gesellschaftlichen Schichten: vom geistig behinderten Menschen bis hin zum Professor. „Hier geht es oft nicht um Sexualität, sondern um Macht“, sagt Ina Pellehn. Die Zahl liege hier tatsächlich darüber, doch hier ist das Schamgefühl nach solch einer Tat noch höher.

Mathias Otto

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