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Rügen Binzer Hoteliers drohen mit spektakulärer Aktion auf A 20
Vorpommern Rügen Binzer Hoteliers drohen mit spektakulärer Aktion auf A 20
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20:19 05.06.2019
Staufalle in der Saison – die Behelfsbrücke über dem A-20-Loch Quelle: JULIANE SCHULTZ
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Binz

Derzeit ist es noch ein so genannter Brandbrief, mit dem die Interessengemeinschaft Binzer Hotels und Unternehmer (IBHU) das Land auffordert, die prekäre Verkehrssituation am A-20-Havarie-Nadelöhr bei Tribsees zu entspannen. Sollte dieses Schreiben aber zu nichts führen, droht Vorstandsmitglied und Generaldirektorin der Rügener Hutter-Hotels, Birte Löhr, mit einer spektakulären Aktion.

„Wenn sich nichts tut, wären wir bereit, zu drastischen Mitteln zu greifen“, sagt Löhr. „Wir werden uns nicht davor scheuen, an der betreffenden Baustelle eine Großdemo zu veranstalten und für eine bestimmte Zeit die Autobahn zu blockieren.“ Zusätzlich sollen Plakate mit den Konterfeis von Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) inklusive Kontaktdaten ausgerollt werden, damit die Kraftfahrer sehen könnten, wem sie die ständigen Staus auf ihrem Weg in den Urlaub zu verdanken hätten.

Das A-20-Loch bei Tribsees und auch die Behelfsbrücke haben zwei Jahre lang für Negativschlagzeilen gesorgt. Nun beginnt der Wiederaufbau.

Katastrophale Situation

Und genau das ist das Problem der Interessengemeinschaft, die neben Löhr auch von den Vorstandsmitgliedern Harald Schewe und Mario Kurowski als Unterzeichner des Briefes repräsentiert wird. „Die katastrophale Verkehrssituation des letzten Jahres, gerade auf der A 20 an der Baustelle Höhe Tribsees sowie auf der Insel Rügen an den verschiedensten Knotenpunkten, auf der neuen B96 vor Bergen, die ewige Baustelle zwischen Bergen und Ralswiek sind immer wieder deutliche Kritikpunkte unserer Gäste“, heißt es in dem Schreiben, das direkt an den Landesverkehrsminister Christian Pegel gerichtet ist.

Kritisiert wird von den Hoteliers und Unternehmern auch ein „grottenschlechtes Krisenmanagement“. Sperrungen würden zu kurzfristig angekündigt, Bautätigkeiten am A-20-Nadelöhr Tribsees kämen nicht in Gang und mitten in Vorbereitungen auf Baumaßnahmen sei das zuständige Planungsbüro ausgetauscht worden. In diesem Zusammenhang davon zu sprechen, der Wechsel würde zu keinen weiteren Verzögerungen führen, werfe die Frage auf, „ob man uns als gestandene Unternehmer ... nur noch für dumm verkaufen möchte“.

Die Geschichte des A20-Lochs

Der Bau der Autobahn 20 von der A1 zur A11 ist die Nummer 10 der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. Sie wurde 2005 fertiggestellt.

Die ersten Setzungen des Damms sollen schon 2014 festgestellt worden sein. Sie wurden dann durch die Autobahnmeisterei regelmäßig überwacht.

Am 9. Oktober 2017 wurde ein sogenannter Grundbruch festgestellt. Sie A20 brach auf 40 Meter Länge, später etwa 100 Meter, ein. Zunächst war eine Spur noch befahrbar. Nachdem auch hier Sackungen auftraten wurde die A20 zwischen den Anschlussstellen Tribsees und Bad Sülze am 27. Oktober 2017 voll gesperrt.

Nach Ostern 2018 begann der Rückbau des Straßendammes für etwa 1,5 Millionen Euro. Die Behelfsbrücke, die am 12. Dezember in Betrieb genommen wird, ist 773 Meter lang und schließt an die vorhandene Brücke an. Die Kosten liegen bei etwa 50 Millionen Euro.

Frühestens 2021 soll die neue Betonbrücke stehen, die an die vorhandene anschließt. Die Baukostenschätzung liegt bei 100 Millionen Euro für den Bund. Das Land muss die Planungskosten (18 Millionen Euro) tragen.

In Zukunft noch mehr Einbußen

Birte Löhr beklagt zum Beispiel, dass der unerhebliche Anstieg von Übernachtungen von einem Prozent für 2018 im Vergleich zu 2017 eine Stagnation sei, die für den Jahrhundertsommer im vergangenen Jahr für Rügen eigentlich nicht hätte eintreten dürfen. „Andere Tourismusstandorte, die nicht inter dem A-20-Loch liegen, haben enorme Wachstumsraten zu verzeichnen gehabt“, sagt die Generaldirektorin. „Und da die besagte Stelle, wo jetzt schon ständige Staus für Frust unter Urlaubern sorgen, erst in fünf Jahren repariert sein soll, müssen wir in Zukunft noch mit deutlich stärkeren Einbußen rechnen.“

Mana Peter, Geschäftsführerin der Tourismuszentrale Rügen (TZR), will das nicht so dramatisch sehen. „Ich möchte den Hoteliers nicht absprechen, dass sie die richtigen Schlüsse ziehen, sind sie doch näher dran an den Gästen – allerdings hat Rügen seit Jahren eine hohe Intensität bei der Wachstumsrate gehabt“, sagt Peter. „Vielmehr ist bald nicht möglich.“ Sie kenne zwar auch kritische Stimmen zu den Baumaßnahmen, weiß aber auch von Urlaubern, die das Ganze eher gelassen nehmen.

Die IBHU will Antworten, wie es auf der A 20 weitergeht und wie die Arbeiten dort beschleunigt werden können. „Wir erwarten, dass Herr Pegel bis spätestens zum 15. Juni auf unser Schreiben reagiert hat.“

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