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Rügen Igitt: Pudding mit Hering und Taufe im stinkenden Quallenbad
Vorpommern Rügen Igitt: Pudding mit Hering und Taufe im stinkenden Quallenbad
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01:21 29.08.2014
So wurden die Täuflinge an den Strand geführt: gefesselt, mit stinkender Heringskopf-Kette. Quelle: privat
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Sellin

Es sah alles so harmlos aus, als Wachleiter Bernhard Theurer einige Tage mit begeisterten Urlauberkindern angespülte Quallen am Selliner Südstrand einsammelte. Doch als sie ins 60-Liter-Fass gekippt wurden, wo sie bereits nach dem dritten Tag mächtig stanken, ahnte Sandra Kaltenbach Schlimmes. Als die 19-Jährige, die bereits 13 Jahre Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist und nun ihre Premiere auf Rügen hat, dann noch sah, wie ihre Kollegen am Strand einen langen Tunnel buddelten, wusste sie, nun wird es ernst.

Vor ihr und sechs anderen jungen Wasserrettern lag die Taufe zum Einstand für den Rettungsdienst. Dafür standen einige unappetitliche Prüfungen auf dem Plan. Die hatte sich der Wachleiter ausgedacht und dabei aus eigenen Erfahrungen geschöpft.

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„Ich mache meinen Dienst erst fünf Jahre an der Ostseeküste und habe vor vier Jahren einen Wachleiter gehabt, der mich getauft hat. Nun habe ich diese Tradition beim Rettungsdienst an die jungen Rettungsschwimmer, die ihren Dienst in Sellin und Göhren erstmals versehen, weitergegeben“, erzählte Bernhard Theurer.

Die erste Hürde schien dabei noch einfach. Die Prüflinge mussten in einem fast dunklen Raum ein Gedicht lernen, das sie sich mit einem zerrissenen Zettel selbst zusammen puzzeln mussten. Und zwar bei dem Lärm, den die Rettungsschwimmer mit einem Megaphon vor der Tür machten. Als die Kandidaten aus dem Raum kamen, wurden ihnen die Augen verbunden, Fußfesseln angelegt und ein stinkender Heringskopf an einer Schnur um den Hals gehängt. So wurden sie zum Strand geführt und unterwegs mit einer kalten Wasserdusche überrascht.

Am Strand gab es die größte Mutprobe. Die Täuflinge mussten den besagten Tunnel, der mit nassem Seegras, Algen und vielen glitschigen Quallen bedeckt war, auf dem Bauch robbend passieren. Dabei wurden sie von oben durch ein Gitter mit eimerweise Wasser und stinkenden Quallen überschüttet. Am Ende des Parcours war ein Wasser-Quallen-Loch, in das sie schließlich hineinrutschten.

„Ich kann nur sagen, es war eklig, aber ich habe es mit Überwindung geschafft. Diese Taufe zum Rettungsschwimmer werde ich in meinem Leben nicht vergessen,“ meinte Sandra Kaltenbach. Das war aber noch nicht alles: Als Neptun mit dem Boot am Strand eintraf, sollten die Prüflinge ihr Gedicht vortragen. Bei jedem Fehler mussten sie eine „Gedächtnispille“ schlucken — in Form einer Gummitiermaus, die zuvor im Essigwasser überdimensioniert angeschwollen war. Danach lud der Meeresgott seine Untertanen zum Festessen ein. Zu dem wurden rote Zwiebelringe mit Tortenguss versüßt, Schokoladenpudding mit zerschnittenen Salzheringen, versalzener Reis in Essig mit Nutella und ein Cocktail aus Nektarinensaft, Zitronensaft, Essig, Tomatenketchup und Sauce hollandaise serviert. Und weiter: Die Prüflinge mussten noch etwa 150 Meter zu einem Kanister schwimmen, dort tauchen und eine Flaschenpost ans Ufer bringen. Nachdem sie alle Prüfungen bestanden hatten, erhielten sie von Neptun die Urkunde mit einem neuen Namen. Sandra Kaltenbach wurde auf „Nutellanaschender Piranha“ getauft, denn der Brotaufstrich steht bei ihr hoch im Kurs.

„Ich habe darauf geachtet, dass die Lebensmittel echt waren und ich nicht gegen meine Fürsorgepflicht gegenüber meinen Rettungsschwimmern verstoße. Großen Dank an Ilona Oergel, die ihren freien Tag opferte, so dass wir den Raum im Toilettentrakt für die eine Prüfung benutzen konnten“, sagt Wachleiter Theurer.

Die Rettungsschwimmer besetzten seit Mai die drei Selliner Wachtürme. Morgen verlassen sie sie.

Diese Taufe werde ich in meinem Leben nicht vergessen.“Sandra Kaltenbach



Dieter Lindemann

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