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Rügen In 1000 Jahren von der Fürstenburg zur Stadt
Vorpommern Rügen In 1000 Jahren von der Fürstenburg zur Stadt
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14:06 22.02.2019
Das ist eine Ansicht auf den heutigen Bergener Markt. Quelle: Uwe Hinz
Bergen

Bergen besitzt ein stolzes Stadtwappen, das 1613 erstmals dargestellt wurde. Es zeigt drei grüne Hügel, die für die christliche Trinität stehen. Dahinter ragt ein geschlossener Turm in die Höhe, als Symbol der Selbstbestimmung. Auf den Zinnen steht der zweischwänzige, bewährte und gekrönte Löwe für die Hoheit und Wehrhaftigkeit. Der Löwe ist das Wappentier der dänischen Könige, der mit der Christianisierung 1168 im Fürstentum Rügen das heraldische Symbol wurde. Vor ihrer Unterwerfung führten die rügenschen Fürsten den Greifen als Wappentier. So prangt noch 2019 über den Balkon des zweiten Rathauses von 1878 das historische Stadtwappen. Übrigens war Bergen nie von einer Stadtmauer umgeben und mit der Erhebung zur Stadt am 19. Juni 1613 war die Militärtechnik soweit fortgeschritten, dass mittelalterliche Mauern keinen ausreichenden Schutz mehr boten.

In slawischen Zeiten wurde der Marktflecken Gora genannt. Wie stolz klang es für die Bewohner, auf einer Höhe 70 Meter über dem Meeresspiegel zu leben und das weite Land unter sich zu schauen. Auf dem noch unbewaldeten Rugard gab es zum Schutz der Menschen eine Fluchtburg, wenn Feinde nahten. Die rügenschen Fürsten, die sich auch Könige nannten, hielten hier zeitweilig Hof. Nach Osten, Süden und Westen ist das Land teilweise schroff bis mäßig abfallend. So bietet Bergen schon aus der Ferne einen erhabenen Anblick. Diese ungewöhnlich prägnante Landschaftsgestaltung, vor circa 10 000 Jahren entstanden, verdanken wir der letzten jüngsten Eiszeit (Würm-Eiszeit). Die höchsten Erhebung, der Rugard (90 Meter überm Meeresspiegel), malte Karl Friedrich Schinkel 1821 in einem beeindruckenden Panoramagemälde. In einer Tagebuchaufzeichnung dazu heißt es: „Hier hat man nun die überraschendste und schönste Aussicht nach der offenen See..., Arkona ganz in der Ferne.“

Besiedlung ab dem 9. Jahrhundert

Den strategischen Vorteil machten sich die rügenschen Fürsten zu Eigen. Bereits in vorchristlicher Zeit war Rügen in neun Garde eingeteilt. Diese waren in späteren Zeiten der Wallgardbereich Rugard, Patzig, Gingst, Schaprode, Wittow, Jasmund, Streu, Garz und Rambin. Der oberste fürstliche Vertreter war der Landvogt und hatte seinen Sitz in Bergen. Archäologische Grabungen im Burgwall während der Errichtung des Ernst-Moritz-Arndt-Turmes zwischen 1872 und der Einweihung 1877 brachten Bestätigungen im Hauptwall und in der Vorburg für eine Besiedlung in der Zeit zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert (jungsteinzeitliche Werkzeuge, bronzezeitlicher Schmuck und arabische Münzen...). So diente der Burgwall als Fluchtburg und Verwaltungszentrum. Dass sich der Fürst vorübergehend hier aufhielt, ist sehr wahrscheinlich. Die Sicherheit war teuer erkauft, denn das benötigte Wasser wurde über die Fischersiedlung Gatemin zur Burg transportiert. Sie lag südöstlich im Tal an den Ausläufern des Kleinen Jasmunder Boddens und wurde erst im 19. Jahrhundert Bergen eingemeindet. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich am heutigen Goldenen Brinken ebenfalls eine kleine Siedlung befunden hat und weitere im Umfeld.

Uns soll nun wieder das Plateau interessieren. In der Nähe der Burg siedelten sich bereits in spätslawischer Zeit erste Handwerker und Krämer an. Schon vor 1200 befand sich am prägnanten Punkt (heute Markt 1) ein fürstlicher Krug, „ taberna in Gora“. Dieser wurde bei einer Rentenvergebung an das Kloster erstmalig erwähnt. Gora, aus dem slawischen Sprachgebrauch kommend, bedeutet Berg. Eine urkundliche Erwähnung datiert von 1232. 1250 sprach man bereits von diesem besiedelten Plateau, vom forum prinzipale, das die Bedeutung hervorhob. Anderenorts nahmen Besiedlungen einen ähnlichen Lauf. Fürstliche Krüge waren wichtige Anlaufpunkte und Zollstellen. So war es kaum verwunderlich, dass an einem so denkwürdigen Platz die Geschichte ihren Lauf nahm.

Rügens Fürstentum reichte bis Demmin

Der Sachsenkönig Heinrich der Löwe, wie auch der Dänenkönig Waldemar I. wollten sich die rügenschen Ranen untertan machen und in die christliche Kultur integrieren. Die rügenschen Fürsten Jaromar und Tezlaw waren beide im Juli 1163 bei der Weihe des Lübecker Dom zugegen. Das rügensche Fürstentum reichte territorial weit über die Insel hinaus. Nach 1128, zur Zeit des 2. Pommernfeldzuges Otto von Bambergs, reichte das Fürstentum bis zum Fluss Ryck, Gützkow, Demmin, die lutizischen Gebiete (heute Uckermark) und dem Land um Triebsees. Heinrich der Löwe konnte seine Option zur Eroberung des Ranenreiches nicht optimieren, da er ab 1158 in seiner Ostpolitik gegen den Obotriten-Fürsten Niklot kämpfte. Für den Dänenkönig Waldemar I. war die Eroberung des slawischen rügenschen Fürstenreichs 1168 eine politische Notwendigkeit um unter anderem die Kriegs- und Beutefahrten der rügenschen Ranen zu unterbinden und sie zu christianisieren. Er kam Heinrich dem Löwen zuvor und das rügensche Fürstentum gelangte unter dänische Hoheit und Jaromar I. wurde der erste christliche Fürst. Mit dem Niedergang der slawischen Priesterkaste gewann der Fürst Jaromar mehr Einfluss in seinem Reich.

Der Standort des Burgwalls konnte für christlich fürstliches Residieren als nicht mehr sonderlich geeignet angesehen werden und so begann Jaromar an heutiger Stelle mit dem Bau einer Pfalz mit Kirche. Beim Bau der Pfalz in Gora wird nicht nur das Wissen der dänischen Bauleute eingeflossen sein, sondern ebenso das der deutschen Bauleute. Als Beispiel können die beiden Aufgänge zur Empore im Westwerk zu St. Marien gesehen werden. Jaromar I. residierte ungebunden, hielt sich aber treu an die Vorgaben des dänischen Königs. 1189, nach dem Tode Bogislaws I., wurde Jaromar zum Vormund des jungen pommerschen Fürsten ernannt. Die herausgegebenen Münzen titulierten ihn als „rex Rugianorum“. Welch eine Wertschätzung. Sicherlich blieb der Verwaltungssitz des zuständigen Gardvogtes auf dem Rugard noch erhalten. Das belegte eine Urkunde Jaromar II. von 1258, die in Ruygart ausgestellt wurde. Es könnte aber auch eine Übernahme des Ortsnamens für den neuen Amtssitz gewesen sein. Die Vielfältigkeit der Ortsnamen lässt manchen Schluss zu. Hier einige historische Beispiele für Bergen: 1242 Monte in Rvjua, 1278 erstmals Erwähnung als Berghe, 1283 Montibus, 1291 ecclesie montis, 1297 Berchten, 1310 monte Ruya, 1314 villa montis und erstmals finden wir 1331 die heutige Schreibweise Bergen. Anhand der Namen erkennen wir die Entwicklung dieses Gemeinwesens von der wendischen Siedlung zum deutschen Marktflecken.

Kloster startete mit zwölf Nonnen

Warum Jaromar I. die Bergener Pfalz nicht vollendete, ist heute nicht mehr erkennbar. In der Regel waren es politische Beweggründe. Es könnte auch mit einer größeren weiteren Belehnung der Gebiete Triebsees und Wusterhusen zusammenhängen die der Fürst 1194 auf dem Hoftag zu Vordingborg für seine Treue zur dänischen Krone erhielt. Der Fürst übergab jedenfalls erst nach der Weihe der Kirche „Der heiligen Maria“ diese an das Kloster. Zwölf Nonnen aus dem Mutterkloster Roskilde waren zugegen als aus seinem Bistum der Bischof Peter von Roskilde die Kirche weihte. Ganz bewusst hatte Jaromar ein Nonnenkloster auserwählt, da sich der Wirkungskreis gegenüber einem Mönchskloster beschränkte. Die Aufgaben des Nonnenklosters bezogen sich auf gottesdienstliche Pflichten, Schreib- und Handarbeiten, die kulturelle Entwicklung, Hof- und Gartenarbeiten und die Repräsentanz der fürstlichen Hofhaltung. Eine Rolle spielte dabei wohl auch eine spätere Versorgung der Töchter des rügenschen Adels. Zuerst folgte das Kloster den Benediktinerregeln, ging dann zwischen 1200 und 1215 zu den Regeln der Zisterzienser über. Jaromar I. gründete ebenfalls das Mönchskloster Eldena bei Greifswald, welches das Kloster in Bergen mit betreute, visitierte und den Vater Abt stellte. Jaromar I. selbst hat bis zum Lebensende die Entwicklung des Klosters unterstützt und hier 1218 in der Kirche wohl seine letzte Ruhestätte gefunden (laut Chronist Thomas Kantzow 1505-1542). So hat der Fürst mit seiner Politik und der Gründung des Nonnenklosters die Grundlage für eine Entwicklung des späteren Bergen gelegt.

Kehren wir nun zum eigentlichen Kerngebiet dem „forum prizipale“ zurück. Mit dem Bau der Kirche siedelte sich eine Bauhütte an. Sie wird zuerst aus dänischen Bauleuten bestanden haben, denn nur diese beherrschten das Brennen des Backsteines im Klosterformat und den Bau einer Backsteinkirche mit den symbolischen Botschaften. Die Einheimischen werden Handlangerarbeiten ausgeführt haben und erst nach und nach zu qualifizierteren Arbeiten herangezogen worden sein. Die wendische Siedlung Gora wuchs durch Zuzug von Handwerkern und Krämern aus deutschen Gebieten nachhaltig. Die Bewohner mussten ihren Tribut den „Bischofsroggen“ entrichten. Die sich erweiternde Macht des Klosters wurde ersichtlich durch zunehmenden eigenen Besitz an Grund und Boden. Ansiedler erwarben Eigentum und zahlten für Häuser, Äcker und weiteren Besitz Steuern an das Kloster. Dem gehörten unter anderem die Braugerechtigkeit und die Mühlen. Das gemahlene Korn war Lebensgrundlage und das Kloster übte den Mahlzwang aus. Selbst die Zunftprivilegien stellte die Priorin des Klosters zu Bergen aus, so für die Schumacher 1355 und für die Pelzer und Kürschner 1384. Andere Zünfte erhielten ihre Privilegien, wie die Gewandschneider, die Leineweber, die Schmiede und die Krämer. Die Bergener Zünfte fanden Akzeptanz durch die Stralsunder, Wismarer und weiterer städtischer Zünfte. Die Bergener Schuhmacherzunft bildete 1553 eine Gemeinschaft der „sechs wendischen Städte“.

Bergen entwickelte sich, ausgehend von der Marktsiedlung, vergleichsweise gut. Der Klosterkonvent konnte über gute Einnahmen verfügen, auch wenn Bergen kein Stadtrecht mit Mauern besaß. Dieser setzte zur Verwaltung und Ordnung vier Quartiermeister ein. Der in Bergen residierende königliche Landvogt übte von hier die höhere Gerichtsbarkeit, das Halsgericht für ganz Rügen aus, während die niedere Gerichtsbarkeit dem Kloster unterstand. Karitative Dienste wurden in den Spitälern „St. Jürgen“ für die Armen, Alten und Gebrechlichen ausgeführt, während „St. Gertruden“ erste Anlaufstelle für Reisende und Pilger war. Der Bergener Marktbereich entwickelte sich durch die Jahrhunderte zum Handelszentrum für Rügen. Das Kloster gab dem pommerschen Herzog die Siedlung als Lehen und ermöglichte ihr dadurch noch bessere Entwicklungschancen. Am 19. Juni 1613 erkaufte sich das erstarkte Bürgertum von Bergen städtische Rechte von dem pommerschen Herzog Philipp Julius und dieser erbaute sich zuvor sein Jagdschloss (1605-11) in Bergen. Das Kloster war natürlich nicht interessiert an einem Bergener Stadtrecht, denn es hätte die klösterlichen Pfründe geschmälert. So wurde der Weg erst nach der Säkularisierung 1539 frei. Im Gegensatz zu Garz, das 1319 Stadtrecht erhielt, entwickelte sich Bergen trotz Krieg und Feuersbrünste weitgehend kontinuierlich.

Uwe Hinz

Trotzdem nimmt dieses Thema wieder Fahrt auf. Die Verwaltung hat für die Konzeption wieder Geld zur Verfügung.

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