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Rügen In Bergen wird nicht geschwommen
Vorpommern Rügen In Bergen wird nicht geschwommen
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19:10 31.01.2019
Es gab in den vergangenen Jahren mehrere Versuche, ein Schwimmbad in Bergen zu etablieren. Quelle: Frank Söllner
Bergen

Der Traum von einem Sportschwimmbad in Bergen ist geplatzt. Die Stadtvertreter haben am Mittwochabend nach langer Diskussion mit zwölf Nein-Stimmen und sechs Ja-Stimmen dagegen votiert. Die Stadt zeiht nach dieser Entscheidung aber keinen Schlussstrich. Die Einwohnerversammlungen zum Thema Schwimmhalle finden im Februar und März wie geplant statt.

Konkret geht es bei diesem Projekt um 9,1 Millionen Euro netto. Die Stadt müsste bei einer Förderung bis fünf Millionen Euro 4,1 Millionen Euro bereitstellen. Dies sei nach neuen Berechnungen nur mit einem Kredit von 3,6 Millionen Euro und 500 000 Euro aus liquiden Mitteln der Stadt möglich. Für den jährlichen Betrieb der Schwimmhalle wollten sich Stadt und die Bergener Wohnungsgesellschaft (BeWo) die Kosten in Höhe von 600 000 Euro teilen. Eine Bedarfsanalyse und Machbarkeitsstudie des städtischen Bauamtes war auch trotz der hohen Summe zu dem Ergebnis gekommen, dass sich eine Schwimmhalle für Bergen lohnen würde (die OZ berichtete).

„Geld in Wohnungen und Häuser stecken“

„Dieses Thema ist viel zu komplex, um sagen zu können, ob schwarz oder weiß“, sagt Eike Bunge (CDU/FDP-Fraktion), der gleichzeitig auch Mitglied des Aufsichtsrates der BeWo ist. 300 000 Euro pro Jahr von der BeWo als Zuschuss – für ihn ist es zu viel Geld. „Wir haben sieben Prozent Leerstand. Außerdem müssten viele Objekte saniert werden. In der nächsten Zeit müssen Häuser zunehmend mit Fahrstühlen ausgestattet und die Wohnungen altersgerecht umgebaut werden“, sagt er. Das Geld sollte aus seiner Sicht deshalb in Häuser und Wohnungen gesteckt werden. „Als Aufsichtsrat habe ich auch dafür zu sorgen, dass die BeWo auf gesunde Füße steht. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern“, so Eike Bunge.

„Wir haben mit der Schwimmhalle jetzt ein Projekt, was alle Bürger in Bergen in Wallung bringt. Doch wir sollten vorsichtig mit dem Geld umgehen“, sagt Kristine Kasten (SPD-Fraktion). Ihre Fragen am Mittwochabend: „Ist Bergen zukunftssicher aufgestellt? Wir haben den Kreissitz verloren, wir haben die Sparkasse verloren. Wie können wir Bergen attraktiver machen? Kann eine Schwimmhalle dazu beitragen?“

„Schaden von der Stadt abwenden“

Stadtvertreter Axel Thiede (CDU/FDP-Fraktion) ist gleichzeitig DLRG-Vize in Bergen, „deshalb schlagen zwei Herzen in meiner Brust“. Zum einen werden Schwimmhallen zum Unterricht benötigt, da in der heutigen Gesellschaft immer weniger Kinder schwimmen lernen. „Doch wie soll die Halle die nächsten zehn bis 15 Jahre betrieben werden? Wir sind als Stadtvertreter angetreten, um Schaden von der Stadt abzuwenden“, sagt er.

Die Stadt soll laut Peter Wendekamm (Fraktion Die Linke) den Schritt wagen und für den Förderantrag stimmen. „Statt immer wieder neue Argumente hervorzubringen, warum dieses Projekt nicht realisierbar ist, sollten wir daran denken, dass eine Sportschwimmhalle die Lebensqualität in Bergen enorm steigern würde. In der Machbarkeitsstudie wurde mit geringen Besucherzahlen und hohen Betriebskosten gerechnet“, sagt er vor der Abstimmung. Da Bergen finanziell gut aufgestellt sei, ist für ihn dieses Projekt realisierbar.

Ein Versuch

Mitte der 90er Jahre war der Hamburger Investor des Real-Marktes beauflagt worden, als Gegenleistung für den Zuschlag auf der freien Fläche gegenüber von famila eine Schwimmhalle zu bauen. Wie sich Stadthistoriker Uwe Hinz erinnert, war nach der Errichtung des Discounters von der Halle keine Rede mehr. Gegenüber Ex-Stadtvertretervorsteher Hinz soll der Investor Unrentabilität ins Feld geführt haben. Stattdessen entstand das Kino.

Obwohl gegen das Projekt gestimmt wurde, wird es seitens der Verwaltung nicht zu den Akten gelegt. Die geplanten Einwohnerversammlungen am 19. und 27. Februar sowie am 12. März finden laut Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) dennoch statt. Sie wird auch Widersprüche zu den gefassten Beschlüssen am Mittwoch einlegen, teilte sie mit. Zur nächsten Stadtvertretersitzung am 20. Februar wird sie die Beschlussvorlage für den geplanten Bürgerentscheid einreichen. „Dieser ist bereits erstellt und wird zum Landkreis geschickt. Wenn die Stellungnahme der Rechtsaufsichtsbehörde vorliegt, geht diese Vorlage direkt zu den Stadtvertretern“, sagt sie.

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