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Rügen In Lauterbach erinnern Friedhof und Denkmal an Schicksale
Vorpommern Rügen In Lauterbach erinnern Friedhof und Denkmal an Schicksale
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17:21 03.11.2017
Der kleine Friedhof am Rande der Goor erinnert an Flüchtlinge, die zu Kriegsende umkamen.
Der kleine Friedhof am Rande der Goor erinnert an Flüchtlinge, die zu Kriegsende umkamen. Quelle: Uwe Driest
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Putbus

Auf dem unscheinbaren Friedhof liegen 99 an Hunger und Typhus verstorbene Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Die waren zu tausenden 1945 in Lauterbach angelandet und wurden in Barackenlagern untergebracht. Während dieser Gemeinschaftsunterbringung wurden die geschwächten Menschen dann teilweise Opfer einer Typhus-Epidemie. Darunter die vierköpfige Familie Beyer. Der älteste Verstorbene ist der 1854 geborene Kurt Löchel. Drei kleine Jungen wurden erst ein Jahr zuvor geboren. „Das muss wohl eine sehr tragische Situation für die Flüchtlinge gewesen sein, mitzuerleben, wie einige von ihnen Opfer der Epidemie wurden“, bedankten sich die Bleickers für die Auskunft.

Aufstand von Häftlingen

Ein weiterer Hinweis auf tragische Schicksale befindet sich vor dem Badehaus an der Fürst-Malte-Allee. „Menschen, ich hatte euch lieb, seid wachsam“, steht auf dem am 1. Juli 1978 gesetzten Gedenkstein für die Opfer des Faschismus. Mit dem Ausspruch des tschechischen Kommunisten Julius Fucík soll an die Ereignisse des 30. April 1945 erinnert werden. Damals waren zwei offene Kähne mit Häftlingen des Konzentrationslagers Stutthof am Strand von Lauterbach unter scharfer Bewachung ausgeladen worden. Als die Frau eines Putbusser Bäckers Brot an die entkräfteten Häftlinge verteilen wollte, soll es zu Tumulten gekommen sein. Wachleute der SS eröffnet das Feuer. Einige Häftlinge wurden getötet, anderen gelang die Flucht. Das KZ Stutthof war das erste KZ außerhalb der deutschen Grenzen und diente kurz nach dem Überfall auf Polen der Internierung polnischer Intellektueller durch die Danziger Gestapo. Gegen Kriegsende waren überwiegend Juden unter den Häftlingen.

Uwe Driest