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Rügen Alltagsgegenstände im Fokus der Kunst
Vorpommern Rügen Alltagsgegenstände im Fokus der Kunst
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15:12 15.05.2019
Jorinde Gustavs vor ihrer Installation „Die Flucht“ in der Orangerie Putbus. Bis zum 9. Juni läuft dort die Schau „Grosze Geschwister" mit Arbeiten von Jorinde Gustavs und Walter Goes. Quelle: Stefanie Büssing
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Putbus

Ein gynäkologischer Stuhl mit blutbefleckten Laken, alte Holzschlitten mit roten Kissen, die sich an der Wand scheinbar den Weg Richtung Decke bahnen oder Gedankenexperimente, die sich in liebevoll zusammengetragenen Fundstücken manifestieren – die Schau „Grosze Geschwister“ mit Arbeiten von Jorinde Gustavs und Walter G. Goes rückt Alltagsgegenstände in den Fokus des Betrachters. Bis zum 9. Juni ist die Hommage an Dadaismus und Surrealismus in der Orangerie Putbus zu sehen.

Auf den Spuren des Dadaismus

Die Arbeiten des Rügener Künstlers Walter G. Goes wirken auf den ersten Blick spielerisch. Ein Plastikpolizist in schwerer Montur, bewaffnet mit überdimensionalen Mikado-Stäben. Davor eine Münze, ein Pinsel und ein Türschloss mit dem Schiller-Zitat: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.“ Goes’ Arbeiten lassen Spielraum für Interpretation: der Polizist als Kontrapunkt zur Freiheit, Geld als mögliche Ursache für Kriege, der Pinsel als Metapher für die Kunst, das Schloss als Symbol für den Zugang zum Kunstwerk. Oft sind es hintergründige Botschaften, die der Besucher den Werken entlocken kann. Inspiriert wird Goes vom Zeitgeschehen – vom Dinosaurierabdruck über Adolf Hitler bis hin zu Donald Trump reichen seine kleinteiligen, liebevoll zusammengetragenen Arbeiten. Aus Fundstücken, Texten, Fotos und Versen entstehen Objekte und Bilder. Als Vorbild für den Ansatz, Alltagsgegenstände in einen neuen Kontext zu setzen, um Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und den gängigen Kunstbegriff aufzubrechen, dienen Walter Goes und Jorinde Gustavs namhafte Vertreter von Dadaismus und Surrealismus.

Seit den 80er Jahren arbeitet Jorinde Gustavs mit Textil-Objekten aus dem Alltag und greift damit den Impuls der „Ready-mades“ von Marcel Duchamp auf, Alltagsgegenstände zur Kunst zu erklären. „Auch die Arbeiten von Joseph Beuys haben mich damals sehr begeistert und mir geholfen, mich freizumachen und die gängigen Regeln der Kunst aufzubrechen“, sagt die Stralsunderin. Für die künstlerischen Vorbilder steht auch der Titel der Ausstellung „Grosze Geschwister“. „Damit ist gemeint, dass wir uns als Mitglied im Kreis dieser Künstler fühlen, egal ob vor 100 Jahren oder heute“, so Gustavs. Ihr Schwerpunkt, Text auf Textil, hat seinen Ursprung ebenfalls bei den Dadaisten, die Kunstformen wie die Literatur zur bildenden Kunst hinzuzogen und Zeichen zu Bildern werden ließen. Kleidung, Schürzen, Deckchen, Taschentücher oder Kissen bedruckt Gustavs mit kontrastierenden Texten wie: „Es ist schön, wieder mal zu gehorchen.“ „Mit dem Lob des bürgerlichen Spießertums stelle ich es gleichzeitig infrage“, sagt Gustavs. Mit dem Ausdruck „politische Botschaften“ tut sich die Künstlerin allerdings schwer: „Das klingt so nach erhobenem Zeigefinger. Es sind eher gesellschaftliche, private und künstlerische Statements“, sagt sie.

Mit Tierblut getränkte Tücher und ein gynäkologischer Stuhl

Ihre Installationen sind so ungewöhnlich wie aufsehenerregend: Ihre 15 Schlitten für die Installation „Die Flucht“ hat die Künstlerin mit Ketten an der Wand angebracht. „Die Ketten sind ein Symbol für den Zwang, dem wir im Geschichtsfluss ausgeliefert sind“, sagt Gustavs. Dementsprechend steht ihre Installation für viele Arten von Flucht. „Aus Ostpreußen, aus der DDR, aber auch aus Afrika übers Mittelmeer“, erklärt die Künstlerin. Ihre Installation „Befund“ – rostrote, mit Tierblut getränkte Tücher und ein gynäkologischer Stuhl – stellt die Symbiose von Wissenschaft, Medizin und die Auswirkung auf das eigene Lebensgefühl dar. „Mir geht es um den Heilvorgang“, sagt Gustavs. „Trotzdem ist die Medizin in der Gesellschaft oft sehr stark mit Angst behaftet.“

Wie breit das Spektrum in der Kunst ist, zeigt sich nur wenige Meter entfernt, im Circus Eins. Dort sind unter dem Titel „Seesaw“ die großformatigen Arbeiten der Kölnerin Britta Bogers zu sehen. Auf Papier, Hartfaser oder Leinwand arbeitet sie mit Stempeln und Schablonen und erzeugt so mit Formen, Linien und Flächen einen Bild-Rhythmus, der immer wieder durch einzelne Elemente aufgebrochen wird. „Mit ihren Arbeiten sucht sie nicht das Gleichgewicht, sondern das Potenzial zur Veränderung“, sagt Galeristin Susanne Burmester. „Damit schafft sie Denkstrukturen, in denen man sich genauso frei bewegen kann wie in ihren Bildern.“

Autonome Bildwelten

Mit den Formen und Linien, die sich überlagern, wiederholen oder berühren, schafft Bogers verschränkte Bildwelten, die über den Bildrand hinaus und in den Raum hineinzuführen scheinen. „Eine autonome Bildwelt hat mich schon immer fasziniert“, sagt Bogers, die an der Kunstakademie Münster „Freie Kunst“ studiert hat. Nach ihrem Studium habe sie angefangen, Druckstöcke zu bauen. „Mich hat einfach interessiert, wie die Farbe aufs Papier kommt. Die Stellen, die die Farbe nicht so gut abbilden, sind mein Grundstock, der weiter überarbeitet wird.“ Bogers’ Arbeiten entstehen oft in langwierigen Prozessen: Mal werden Streifen abgeklebt, so dass mit Farbe und Lasur eine membranartige Oberfläche entsteht. Dann wieder erzeugt Bogers durch das Abkleben bestimmter Stellen und das Ansetzen des Tintenrollers Bilder, die anmuten wie ein Flickenteppich. „Mir geht es vor allem um die Komposition“, sagt die Künstlerin, „aber auch um Haptik und Sinnlichkeit.“

Stefanie Büssing

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