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Rügen In Schnur verfangen: Kormoran hängt auf Rügen tot vom Ast
Vorpommern Rügen In Schnur verfangen: Kormoran hängt auf Rügen tot vom Ast
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20:00 20.11.2019
Ruth Reheuser hat auf Rügen einen toten Kormoran auf der Insel Rügen entdeckt. Quelle: Ruth Reheuser
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Mellnitz

Die Urlauberfamilie Reheuser aus Pretzfeld (Bayern) ist entsetzt über das, was sie vor wenigen Tagen im Süden der Insel Rügen entdeckt hatte. Zweimal pro Jahr ist das Paar hier, um sich zu erholen und Vögel zu beobachten. Doch an diesem Tag war alles anders. Sie sahen einen verendeten Vogel im Geäst eines Baumes hängen.

„Es begeistert uns immer wieder, jährlich mehrmals den Artenreichtum hier in Nordvorpommern und auf Rügen noch erleben zu dürfen. So auch, als wir bei Üselitz einen Seeadler bei der Gefiederpflege beobachten und fotografieren konnten“, sagt Ruth Reheuser. Auf dem Rückweg zum Ferienhaus hat sie direkt nach dem Sperrwerk Richtung Mellnitz ein weiteres Foto geschossen, das sie allerdings sehr traurig macht.

„Es muss grausam sein, so zu sterben“

Ein Kormoran hängt kopfunter im hohen Geäst eines Baumes am Ufer und ist tot. „Das Sichten der Fotos ergab, dass sich der Kormoran vermutlich in einem Stück Angelschnur verfangen hat und dann dort im Geäst unentwirrbar daran hängen geblieben ist. Es muss grausam sein, auf solche Weise sterben zu müssen“, sagt sie. Krähen machten sich hier ans Werk und fraßen das Aas auf.

„Es hätte auch einen Seeadler oder Fischadler treffen können, die ich allesamt dort bei der Üselitzer Wiek fotografieren konnte. Vielleicht hilft mein Foto, dass in Zukunft Angler mit wesentlich mehr Umsicht ihr Material wieder einsammeln, wenn ihnen etwas verloren gegangen ist. Es sind Lebewesen, die an unserem Abfall elendiglich verenden“, so die Urlauberin.

Strafe zwischen 30 und 500 Euro

Ermittlungen sind laut Kreissprecher Olaf Manzke schwierig, da es fast unmöglich ist, den Verursacher herauszufinden. Es gebe zu diesem Thema keine regelmäßigen Kontrollen. Es handelt sich um Einzelfälle, die angezeigt werden. „Stichprobenartig und in Zusammenarbeit mit dem Amt und der Wasserschutzpolizei wurde in der Vergangenheit insbesondere im Bereich Groß Stresow festgestellt, dass Angler Fischreste in Größenordnungen hinterlassen haben“, sagt er.

Sollte ein Verursacher erwischt und ihm Hinterlassenschaften zugeordnet werden, kann ein Verwarngeld ab 30 Euro erhoben werden. Je nach Umfang des Deliktes, sind für illegale Abfallentsorgung bis zu 500 Euro fällig. „Im genannten Einzelfall wäre denkbar, dass der Kormoran sich im Gewässer in den Angelschnüren verfangen hat. Ich gehe davon aus, dass niemand mit Absicht Kormorane angelt. Somit ist das auch kein Fall für das Veterinäramt“, sagt er.

250 0000 Stunden für den Naturschutz

Der Landesanglerverband MV reagiert auf diesen Vorfall. „Solche Vorkommnisse betrüben uns natürlich. Wir sind als größter Naturschutzverband unseres Landes mit der Natur eng verbunden“, sagt Sprecherin Claudia Thürmer und betont, dass der Verband viel unternimmt, um Müll zu vermeiden. Die Prävention nehme eine wichtige Stelle im Verband ein. „Rund eine viertel Million ehrenamtliche Arbeitsstunden jedes Jahr setzen unsere 44 000 Mitglieder für Gewässerpflege-, Fischhege- und Naturschutzarbeit ein. Bereits unseren Kindern wird am Angelplatz Ordnung und Sauberkeit vermittelt“, sagt sie.

In der Gewässerordnung des Verbandes ist ein Paragraf auf Müllbeseitigung ausgerichtet, Zuwiderhandlung wird geahndet. „Kaum ein Naturschutzthema ist politisch derzeit so gefragt. Jeder sollte sich angesprochen fühlen, seinen Angelplatz sauber zu hinterlassen“, so Alexander Seggelke, Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverbandes.

Kommentar von Mathias Otto

Ein Vogel hat sich in Angelsehne verfangen. Das ist in kurzer Zeit der zweite Fall in Vorpommern. Vor wenigen Tagen kämpfte eine Möwe im Wolgaster Hafen um ihr Leben. Retter konnten in diesem Fall die Schnur zerschneiden und so das Leben des Vogels retten. Hier steht der Angler im Fokus. Dabei zeigt eine aktuelle Studie vom Thünen-Institut für Ostseefischerei vom April dieses Jahres eine geringe Belastung durch Angelmüllrückstände, sowie eine verantwortungsvolle Haltung der Angler zu dem Thema. Laut Strandmüllmonitoring ließen sich an der Ostsee 0,6 Prozent der Müllbestandteile definitiv der Angelfischerei zuordnen. Fakt ist aber auch, dass 0,6 Prozent noch zuviel sind. Alexander Seggelke vom Deutschen Angelfischerverband sagte dazu: „Die aktuelle Studie lässt zwar ein wenig aufatmen, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.“ Gleiches gilt im Übrigen auch für Badegäste. Zigaretten, Einwegflaschen und Chipstüten liegen immer wieder in den Dünen oder sind im Sand verbuddelt. Wenn jeder seinen Müll ordnungsgemäß entsorgt, gibt es weniger solcher Vorfälle.

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Von Mathias Otto

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