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Rügen Nach A20-Brandbrief: Regierung weist Binzer Hoteliers zurecht
Vorpommern Rügen Nach A20-Brandbrief: Regierung weist Binzer Hoteliers zurecht
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18:24 07.06.2019
Nach der Ende 2018 errichteten Behelfsbrücke am A-20-Loch bei Tribsees sollen in den nächsten fünf Jahren vier weitere Brückenbauwerke für eine dauerhafte Lösung sorgen. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Binz/Schwerin

„Unsolidarisch“, nennt das Schweriner Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung die Ankündigung von Binzer Hoteliers und Unternehmer, die A 20 blockieren zu wollen. „Eine Blockade würde vermutlich der Insel Rügen weit mehr schaden als vielen anderen Orten im Land“, sagt dazu die Ministeriumssprecherin Renate Gundlach. „Zudem würde der Verkehr damit wieder durch Langsdorf verdrängt, was wir als außerordentlich unsolidarisch empfänden. Die Langsdorfer haben bis zur Fertigstellung der Behelfsbrücke viele der Binzer Gäste vor ihren Haustüren als Durchfahrende ertragen müssen und sich dabei sehr solidarisch mit den Urlaubsregionen in Vorpommern verhalten.“

Urlauberrückgang wegen Staus

Die Interessengemeinschaft Binzer Hoteliers und Unternehmer (IBHU) hatte sich mit einem so genannten Brandbrief an Minister Christian Pegel (SPD) gewandt und eine schnellere Baulösung am A-20-Havarie-Nadelöhr bei Tribsees gefordert. Staus auf der A 20 und an weiteren Straßenbaustellen auf der Insel machen die Touristiker dafür verantwortlich, dass die Urlauberzahl im vergangenen Jahr trotz Jahrhundertsommer auf der Insel stagnierte bzw. lediglich um ein Prozent anstieg.

Im Ministerium sieht man das völlig anders. „Ein Wachstum von mehr als einem Prozent ist keine Stagnation – schon gar nicht nach den hohen Steigerungsraten über viele Jahre zuvor“, sagt dazu Renate Gundlach. „Irgendwann ist ein Wachstum nach oben hin beschränkt, worauf ja auch die Geschäftsführerin der Tourismuszentrale Rügen hinweist. Gegebenenfalls individuelle Verluste einzelner Häuser lassen sich angesichts der landesweit überaus erfreulichen Auslastungszahlen im vergangenen Jahr auch auf Rügen und Usedom schwerlich der A 20 anlasten.“

Fass zum Überlaufen gebracht

Die Vorstandsmitglieder der IBHU, Birte Löhr, Harald Schewe und Mario Kurowski, sprechen allerdings davon, dass die „Dauerbaustelle das Fass zum Überlaufen gebracht“ habe. Den Bau einer so genannten Talbrücke bis mindestens ins Jahr 2023 zu datieren, sei eine Zumutung. Erst Recht, da sich derzeit an der betreffenden Stelle überhaupt nichts tue. „Wir fordern Sie auf“, heißt es in Richtung Minister Pegel, „dieses Thema mit höchster Priorität auf Ihre persönliche Agenda als zuständiger Fachminister zu setzen.“ Und das scheint Christian Pegel zu tun, hat er nach Erscheinen des Beitrags in der OSTSEE-ZEITUNG mit den Briefschreibern doch für den 13. Juni in Schwerin einen Termin vereinbaren lassen.

Was dort besprochen werden soll, hängt laut Ministeriumssprecherin Gundlach im Wesentlichen von Fragen der Protestler ab. „Die notwendigen Zeitläufe für die Planung und Errichtung eines solchen Brückenbauwerkes werden jedoch wenigstens dazugehören, weil hier nach diesseitiger Einschätzung eine Fehlvorstellung darüber vorherrscht, mit welchen Geschwindigkeiten ein solcher Bau fertiggestellt werden kann“, sagt sie. „Dazu werden sicherlich auch Hinweise gehören, weshalb aktuell keine Straßenarbeiten stattfinden können, weil die Planungen und danach folgend die Ausschreibungen der Bauleistungen erst abgeschlossen werden müssen. Zugleich werden wir sicherlich kurz darstellen, dass für die Richtungsfahrbahn gen Rostock das östliche Brückenbauwerk bereits mitten in der Ausschreibung für die Bauleistungen steckt.“ Das sei ein zeitlich „hervorragendes Ergebnis“, findet das Ministerium.

Komplexes Bauwerk braucht komplexe Planung

Eine Straffung der Bauarbeiten hält das Schweriner Infrastrukturministerium für eher unwahrscheinlich. „Die Straßenbauverwaltung MV hat sich diese Situation auf der A 20 nicht ausgesucht“, erklärt Renate Gundlach. „Es handelt sich um eine nicht vorhergesehene Notsituation, mit der die zuständigen Beteiligten seit ihrem Eintritt unter Hochdruck umgehen. Nur so ist die extrem schnelle Planung, Errichtung und Inbetriebnahme der Behelfsbrücke erklärlich.“ Bei dem bevorstehende Bau handele es sich praktisch um vier separate Brücken mit einer „anspruchsvollen Gründung unter Torfschichten zwischen 20 und 30 Metern Tiefe“. Allein die Bausumme von circa 100 Millionen Euro illustriere die Größe des Vorhabens. „Ein solch komplexes Bauwerk benötigt auch eine komplexe Planung, die ebenso wie der Bauauftrag an sich europaweit auszuschreiben ist“, sagt die Ministeriumssprecherin weiter. Die Straßenbauverwaltung habe bereits optimiert, wo immer es möglich gewesen sei.

Hoteliers sollen vor Stoßzeiten warnen

„Gern möchte ich anregen, dass die Binzer Hoteliers sich einmal vor Augen führen, wie lange dort der Bau jedes neuen Hotels inklusive Planung, Ausschreibung, Finanzierung und Bauzeit gedauert hat“, sagt Renate Gundlach. „Wenn sie das Ergebnis in Relation zum Umfang des Bauvorhabens A20-Brücke setzen, dürfte sich zeigen, dass jeder einzelne Hotelneubau im Verhältnis länger gedauert haben dürfte als die Brücke.“ Und schließlich gibt es noch einen Tipp aus dem Ministerium: „Wenn die Hoteliers ihre Gäste darauf hinweisen, möglichst nicht in den Stoßzeiten an- und abzureisen und eventuell eine Staffelung hinzubekommen, könnte dies deutlich zu weniger Staus in den Hauptreisezeiten beitragen.“

Jens-Uwe Berndt

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