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09:29 08.12.2018
Die Insel Vilm liegt vor der Südküste der Insel Rügen und steht unter Naturschutz.
Die Insel Vilm liegt vor der Südküste der Insel Rügen und steht unter Naturschutz. Quelle: Uwe Driest
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Putbus

Wer die Insel Vilm mit dem Boot des Bundesamts für Naturschutz besucht, findet sich vielleicht in der Gesellschaft von Kartoffeln, Tomaten und Paletten mit laktosefreier H-Bio-Alpenmilch wieder. Die zehnminütige Überfahrt bietet einen schönen Blick zurück auf Hafen und Marina von Lauterbach, Badehaus Goor und die im Bereich der Gemeinde Putbus liegende Küste. Die kleine Insel selber blickt auf eine lange von Kultur und Politik geprägte Geschichte zurück. Die zeugt von früher Besiedelung in der Steinzeit, von Vilm als heiligem Ort der Slawen, als christlichem Wallfahrtsort und Einsiedelei im Mittelalter, als fürstlichem Sommersitz zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Treffpunkt von Landschaftsmalern und von 1960 bis zur Wende als Regierungsgästeheim der DDR.

Entstanden vor 12 000 Jahren durch eiszeitliche Gletscher, konnte sich die Natur so unberührt wie nur an wenigen Orten Deutschlands entwickeln. Eine Bestandsaufnahme erstellten der langjährige Leiter der Akademie, Hanns Dieter Knapp und Ralf Grunewald unter dem Titel „Die Insel Vilm – Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Südostrügen – Kulturgeschichte und Naturerbe“. Eine alte Eiche wurde auf dem Vilm rund 900 Jahre alt, bis sie 1994 starb. Sie begann in der Zeit der ersten Kreuzzüge zu wachsen und war bereits 400 Jahre alt, als Kolumbus Amerika entdeckte.

Ein Rundgang über die Insel Vilm verschafft Eindrücke von unberührter Natur

Ebenfalls 1994 gründeten der damals auf Vilm beschäftigte Biologe Reinhard Piechocki und seine Frau Katrin Eigenfeld gemeinsam mit anderen den „Verein zur Pflege der Natur- und Kulturgeschichte der Insel Vilm“. Anlass war der 500. Jahrestag der Weihe einer kleinen Kapelle gewesen, die sich auf Vilm siedelnde Mönche einst erbaut hatten. „Wir ließen aus den Bohlen des alten Anlegers der Insel ein Holzkreuz bauen, das vom Bischof geweiht wurde und noch heute an die mittelalterliche Kapelle erinnert“, erzählt Katrin Eigenfeld. Die etwa 80 Mitglieder des Vereins treffen sich einmal jährlich zu thematischen Abenden. Katrin Eigenfeld war es auch, die in mühevoller Arbeit das Vilm-Archiv erarbeitete, das sie auf Nachfrage gern zugänglich macht. Dort finden sich Daten und Fakten rund um den Vilm von der Historie der Insel über Schiffsunglücke bis zu Literatur-Hinweisen. Die besten Geschichten gab sie unter dem Titel „Die Insel Vilm – ein Lesebuch“ heraus. Jeweils zum Wechsel der Jahreszeiten lädt der Verein überdies zu Konzerten in Kooperation mit der Rostocker Musikhochschule. In diesem Jahr gibt es zwar keines mehr, dafür gibt es aber im Rahmen des „Lebendigen Adventskalenders“ der Stadt Putbus eine Sonder-Führung auf der Insel. In jedem Sommer findet zudem das sportliche Großereignis Vilm-Schwimmen statt. Dann starten hunderte Schwimmer vom drei Kilometer entfernten Vilm zurück in den Hafen von Lauterbach.

Im Verlauf der vergangenen 200 Jahre wurde Vilm von über 350 Landschaftsmalern seit Caspar David Friedrich besucht. Die bedeutendsten davon stellt Reinhard Piechocki in seinem Buch „Die Malerinseln Rügen, Vilm und Hiddensee“ vor. In dieser Region begann die Landschaftsmalerei bereits hundert Jahre früher als im Rest Deutschlands. Der Tradition folgend sind auf der Insel auch Plastiken und Skulpturen der Rügener Künstler Hans Werner Kratzsch und Bernhard Misgajski zu sehen. Das ehemalige Generatorhaus wurde zur Galerie, in der Fotoarbeiten von Volkmar Herre unter dem Titel „Der Baum und ich“ zu sehen sind und auch der Putbusser Maler Egon Arnold ist regelmäßig auf dem Vilm unterwegs. Ab 1819 war der Hof auf Vilm vom Haus Putbus als Meierei verpachtet, bis der Fürst 1945 enteignet wurde. Bis zur Sperrung der Insel 1959 verkehrten dort täglich etwa 700 Touristen. Dann wurde sie zum Urlaubsdomizil für den Ministerrat der DDR. Seit der Wende ist der Vilm Sitz der Internationalen Naturschutz-Akademie des Bundesamtes für Naturschutz. „Zehn Prozent unseres Strombedarfs deckt eine Photovoltaik-Anlage und für warmes Wasser sorgt eine Solarthermie-Anlage“, sagt Leiterin Gisela Stolpe. Heute ist die Insel wieder eingeschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich. Täglich können bis zu 30 Besucher unter autorisierter Führung die Insel betreten.

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Uwe Driest