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Rügen Härtetest für Mensch und Maschinen
Vorpommern Rügen Härtetest für Mensch und Maschinen
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11:04 28.12.2018
Im Superwinter 1978/79 war Hermann Wendel als Lokführer im Einsatz. Der Sassnitzer blieb in Bergen mit seiner Lok stecken. Daneben steht die Dampfschneeschleuder, die aus Karl-Marx-Stadt zur Unterstützung angefordert wurde. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Sassnitz

Mit Halbschuhen begab sich Hermann Wendel am Morgen des 28. Dezember 1978 zum Dienst. Der Lokführer befand sich mit seinem Personenzug auf dem Weg nach Rostock, als es hinter Stralsund anfing zu schneien. „Es ging alles ganz schnell. In Bentwisch musste dann schon kehrt gemacht werden“, sagt der 80-Jährige. Zu rapide fielen an diesem Tag die Temperaturen und der Schneeregen machte eine Weiterfahrt unmöglich. Doch auch die Rücktour fand dann durch die Schneemassen in Bergen ihre Endstation. „Wir standen dort mit drei Loks und haben entweder auf der Lok oder in der Bahnmeisterei geschlafen. Aber da habe ich dann erstmal Filzschuhe und eine Wattejacke bekommen“, sagt Wendel, der von seiner Rostock-Route erst am 3. oder 4. Januar zurückkehrte.

So manche Lokführer gerieten in ähnliche Situationen. Während der Fahrt gelöste Eisklötze flogen in die Scheiben und Scheinwerfer der Lok und zerstörten diese. „Ein Kollege kam von Richtung Bergen nach Sassnitz. Bei der Rückwärtsfahrt kam zu viel Schnee in den Aschkasten. Er musste zu Fuß weiter. Die Lok blieb ein paar Tage allein im Schnee und nichts ist kaputt gefroren“, berichtet Hermann Wendel. Erst nach 80 Stunden konnte die Lok in eine Werkstatt gebracht und dort langsam aufgetaut werden.

Zwei Tage gab es Tee

Seine Kollegen Volker Brandt und Fritz Witt blieben mit ihrem Güterzug auf dem Weg von Stralsund nach Sassnitz kurz vor Saiser in einer Kurve stecken. „Damit die Lok nicht kalt wird und kaputtfriert, blieben sie, um zu heizen. Zwei Tage lang bekamen sie Tee vom Vorsteher in Lietzow und wurden von Anwohnern eines naheliegenden Gehöftes versorgt“, so Wendel.

Hermann Wendel war im Superwinter 1978/79 als Lokführer im Einsatz. Quelle: Wenke Büssow-Krämer

Auch bei Kubbelkow fand ein Zug seine unplanmäßige Endstation. „Ein Wagon ist entgleist. Das war in den Schneemassen aber nicht zu erkennen. Vier Loks – zwei vorn, zwei hinten – konnten den Zug nicht wegbekommen. Die Fahrgäste sind zur Straße und von dort mit dem Bus weiter. Der Lokführer ist zu Fuß nach Bergen gegangen.“ Erst nach einigen Tagen machte sich ein Schneeflug auf den Weg zum Zug und auch Soldaten halfen hier beim Freischaufeln, sodass der Wagon wieder aufgegleist werden konnten. „Was die armen Soldaten hier geleistet haben, war zu bewundern“, betont Hermann Wendel.

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Seine Fotosammlung macht die Probleme von damals deutlich. Teilweise so hoch wie die Loks oder sogar darüber hinaus lag die Schneemasse auf der Strecke, sodass auch ein Schneeflug vorweg nichts bewegen konnte. Neben der Bahnstrecke haben die Soldaten Löcher in den Schnee geschaufelt, um die Dichte aufzulockern und ein Schneeschieben zu ermöglichen. „Zwei Männer konnten darin übereinander stehen und teilweise dann noch nicht rübersehen“, erinnert sich Hermann Wendel.

Hilfe kam da aus dem entfernten Karl-Marx-Stadt. Die Dampfschneeschleuder, die im Winter 78/79 Rügens Schienen befreite, hat heute im Eisenbahn- und Technik-Museum Prora ihre letzte Heimstätte gefunden. Doch auch dieser Maschine flogen erstmal die Blätter der Turbine davon. „Das haben die Kollegen aus Karl-Marx-Stadt nicht erwartet. Aber der Schneeregen hat auf der Schneemasse eine 50-Zentimeter-Eisschicht hinterlassen.“ Nach einer Reparatur in der Werft war die Dampfschneeschleuder besser gerüstet.

Die Schneemassen sorgten damals für spektakuläre Motive in ganz MV. Klicken Sie sich hier durch die Bildergalerie:

Im Rückblick glaubt Hermann Wendel, dass solch ein Winter für die Bahn heutzutage nicht mehr zu packen sei. „Damals hatte man noch überall Loks und auch einen Schneeflug zu stehen. Heute ist nicht mehr vorhanden als unbedingt notwendig ist“, so Wendel.

Zu Hause lief bei seiner Frau und den drei Kindern in den Tagen hingegen alles problemlos. „Wir hatten eine Schwerkraftheizung und nebenan bei Oma Scheel konnte gekocht werden, da sie einen Gasherd hatte. Wir haben nichts vermisst“, sagt Ehefrau Monika. In anderen Wohnblöcken mit Forsterheizung und Elektroherd wurde es dagegen ungemütlich als tagelang der Strom ausfiel. „Es war gemütlich zu Hause mit den Kindern. Früher hatte man ja mehr Vorräte, daher hat so schnell nichts gefehlt. Es gab hier in der Gegend aber keine Flaschenmilch mehr, dafür bekam man die Milch direkt aus der Nachbarschaft. Den Unterschied schmeckten auch die Kinder. Ich habe noch nie so viel Pudding kochen müssen“, erinnert sich Monika Wendel.

Wenke Büssow-Krämer

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