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Rügen Der steinige Weg zur Freien Schule Glowe
Vorpommern Rügen Der steinige Weg zur Freien Schule Glowe
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07:28 01.06.2019
Stück für Stück entsteht die Freie Schule Glowe – wie bei diesem Programmpunkt anlässlich des zehnjährigen Bestehens der privat geführten Einrichtung. Quelle: Maik Trettin
Glowe

Auf dem Gelände hinter dem Schulhof sprießen frische grüne Grashalme aus dem weichen Boden. Rund um die große Pappel haben Kinder Steine in eine Rinne gelegt. Sie gehen in die sechste Klasse und werden die Freie Schule Glowe in wenigen Wochen verlassen. Was ihnen an ihrer Schulzeit hier besonders gefallen hat und was nicht, was sie nie vergessen wollen, das haben sie einem der Steine anvertraut: ihrem Erinnerungsstein. Die Zettel mit ihren Gedanken haben sie in Beton gegossen und hoffen, dass es ihnen die Schüler der folgenden Abgangsklassen gleich tun. Nach und nach soll so ein Steinpfad an der Schule entstehen.

Eltern vom Jenaplan-Konzept überzeugt

Steinig war auch der Weg, den Eltern und Schüler gehen mussten, als sie vor zehn Jahren die Schule gründeten. Daran erinnerte Thomas Jäcker, Vorsitzender des Vereins „Rügener Schul(t)räume“, der die Einrichtung betreibt, auf einer Festveranstaltung in dieser Woche: „Im Jahre 2008 sollten in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 52 kleine Schulen dicht gemacht werden.“ Wo nicht zwei Jahre hintereinander wenigstens 20 Kinder eingeschult wurden, setzten Land und Kreis den Rotstift an. Das Glower Haus gehörte dazu. Um sich von anderen abzuheben und Schüler von der ganzen Insel anzulocken, hatte sich die damals noch staatliche Schule ein besonderes Profil gegeben: Die Glower Grundschüler wurden nach dem reformpädagogischen Jenaplan-Konzept unterrichtet. Thomas Jäcker wollte seine Tochter hier nicht nur unterrichten lassen, weil sich die Schule im Wohnort befand. Ihn überzeugte auch die Art des Unterrichts. „Dieser respektvolle Umgang der Kinder miteinander, das hat mich überzeugt.“ Für Jäcker und viele andere Eltern und Einwohner stand fest: Das musste erhalten bleiben.

Thomas Jäcker schneidet die Geburtstagstorte der Freien Schule in Glowe an. Quelle: Maik Trettin

Doch mit einer Änderung der Schuleinzugsbereiche wurde solchen kleinen Schulen auf dem Land das Überleben nahezu unmöglich gemacht. Die Glower Grundschüler sollten künftig in Sagard unterrichtet werden. Die Glower hatten nur noch eine Chance, wenn sie die Einrichtung in privater Trägerschaft weiterführten. Bei der Festveranstaltung in dieser Woche erinnerten die „Kugelfische“, eine Gruppe von Schülern unterschiedlichen Alters aus den Jahrgangsstufen ein bis drei, mit einem Theaterstück an die kämpferische Anfangszeit, als die Glower Kinder mit ihren Eltern und Lehrern vor dem Schweriner Schloss protestierten, Briefe schrieben und letztlich auch die Hilfe einer Rechtsanwältin in Anspruch nehmen mussten. „Erst ein paar Tage vor dem Schulbeginn kam die Genehmigung“, erinnert sich Anja Bähr. Nachdem ihr Sohn das Jenaplan-Konzept schon in der staatlichen Grundschule in Glowe kennengelernt hatte, sollte auch seine Schwester hier eingeschult werden. Sie war eines der fünf Kinder, die zu Beginn des Schuljahres 2008/2009 in die neu eröffnete Freie Schule Glowe kamen.

Unterricht anfangs mit pensionierten Lehrern

Unterrichtet wurden sie anfangs unter anderem von der bisherigen Schulleiterin Doris Baaske und Rita und Harald Rambow, Pädagogen, die eigentlich schon im Ruhestand waren. „Zuvor hatten wir den Laden mit den Eltern auf Vordermann gebracht“, erinnert sich Thomas Jäcker. Neben der Entrümpelung kümmerten sich die Mütter und Väter auch um die Betreuung und unterstützten beim Unterricht, zum Beispiel in den Arbeitsgemeinschaften. Geld aus den öffentlichen Kassen gab es anfangs nicht. Über die ersten drei Jahre musste der Schulbetrieb durch einen Kredit abgesichert werden. Einer der Väter hatte dem Verein ein Darlehen in Höhe von 200000 Euro besorgt.

Längere Schulwege nimmt man in Kauf

Mittlerweile finanziert die öffentliche Hand die Freie Schule bis zu einem gewissen Grad. Einen Teil der Kosten müssen die Eltern tragen, die ein monatliches Schulgeld für ihre Sprösslinge zahlen. Warum sich die Mütter und Väter trotz der Beiträge und der in der Regel längeren Schulwege für Glowe entscheiden? Für Familie Schwarz aus Sassnitz war der jahrgangsübergreifende Unterricht ausschlaggebend. „Unsere Tochter hat hier viel Kontakt zu älteren und jüngeren Mitschülern“, sagt Dr. Johanna Schwarz. Dabei lernten die Kinder sehr schnell, selbstständig zu arbeiten. „Die kleinen Klassen, die hier Stammgruppen heißen, sind für viele ein wichtiges Argument“, weiß Thomas Jäcker. Das Glower Konzept ziele darauf ab, den Kindern Kompetenzen zu vermitteln, die an anderen Schulen nicht so im Fokus stünden. „Das staatliche Bildungssystem der Bundesrepublik ist seit langem reformbedürftig“, sagt Jäcker. Im Vergleich dazu sei das der DDR um einiges besser gewesen. Deshalb suchen Eltern zunehmend nach Alternativen. Mit 77 Kindern hat die Freie Schule in Glowe ihre Kapazitätsgrenze fast erreicht. Im nächsten Schuljahr wird jeder Platz besetzt sein.

Die Sechstklässler verlassen die Freie Schule in Glowe demnächst. Ihre Erinnerungen haben sie in einem Stein auf dem Schulhof gespeichert. Quelle: Maik Trettin

Die, die hier zur Schule gingen, haben die Zeit meist in guter Erinnerung. Unterrichtet wird in Glowe nur bis zur Jahrgangsstufe sechs. Danach müssen die Kinder an eine andere Schule. „Wir waren neun Leute in einer Klasse. Das war gemütlich. Und wir konnten den Kleinen helfen“, schwärmt Theo, ein „Ehemaliger“, der jetzt in Sellin zur Schule geht. Die besondere Gemeinschaft in Glowe hat auch die ehemalige Schülerin Luise sehr geschätzt. „Wir hatten ein besseres Verhältnis zu den Lehrern. Das war persönlicher“, ergänzt Fiona. Theos jüngere Schwester jedenfalls freut sich schon auf ihre Einschulung. Warum sie unbedingt nach Glowe möchte? „Na weil Theo auch hier war.“ Und der hat ihr viel Gutes über die kleine Schule am Süßling erzählt.

An der Uni in Jena entwickelt

Entwickelt wurde das reformpädagogische Konzept „Jenaplan“ von Professor Peter Petersen um 1927 an der Universität Jena. An Jenaplan-Schulen wird vorwiegend jahrgangsübergreifend in so genannten Stammgruppen unterrichtet, aber auch in Klassen. Dabei geht es darum, dass die Kinder sich an den älteren Mitschülern orientieren und von ihnen lernen, gleichzeitig aber auch ihr Wissen an jüngere weitergeben und es dadurch noch einmal vertiefen. In den Niederlanden ist dieses Konzept in etwa 80 Prozent der Schulen Standard, sagt man in Glowe.

Maik Trettin

Ein hoher Musikanspruch ist sein Markenzeichen. Mit seiner Band hat Fritz Buschner jahrzehntelang die Tradition des berühmten Hansa Schauorchesters fortgesetzt und wurde selbst zur Showlegende auf Rügen. Freund und Puhdys-Urgestein Peter Meyer hielt die Laudatio.

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