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Rügen Sassnitz: Auf Shoppingtour für den Nachbarn
Vorpommern Rügen

Jugendliche übernehmen Einkaufsdienst

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08:17 14.02.2020
Bufdi Daniela Eggert (v. l.) begleitet die Jugendlichen Domenik Dombrowski und Letizia Kolberg bei ihrem Einkauf für die nicht mehr so mobilen Sassnitzer. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Sassnitz

Zwei randvoll gefüllte Einkaufswagen sind es dieses Mal, die die Freiwilligen vom Supermarkt in die Wohngruppe manövrieren. Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass der Jugendbeirat mit dem Einkauf für Senioren und andere Hilfebedürftige einen neuen Service anbietet.

„Als der Netto-Markt am Rügener Ring geschlossen wurde, wollten wir die Anwohner – vor allem Ältere und Kranke – unterstützen. So wurde die Idee geboren und seit September hat es sich langsam eingespielt“, sagt Daniela Eggert, die ihren Bundesfreiwilligendienst beim Jugendbeirat absolviert. Sie begleitet die Jugendlichen, die zurzeit montags und donnerstags die Wunschlisten ihrer Kunden abarbeiten.

Während sich donnerstags inzwischen mehrere Privatpersonen ihren Wochenvorrat liefern lassen, wird montags eine Wohngruppe versorgt, in der Pflegebedürftige unter einem Dach leben. Obwohl Ferien sind, sind die 15-jährigen Domenik Dombrowski und Letizia Kolberg mit Eifer dabei, im nahe gelegenen Supermarkt Wasserflaschen, Kartoffeln und Milch in den Korb zu laden.

Jugendliche, die sich lieber nützlich machen

„Ich habe doch lieber ne Beschäftigung, als zu Hause rumzusitzen und nichts Produktives zu tun“, meint Domenik. In der Familie haben beide Jugendlichen bisher noch nie den Einkauf übernommen. „Da war ich immer erst gefragt, wenn der Einkauf ins Haus getragen werden soll“, sagt der Schüler der Regionalen Schule Sassnitz.

Jugendbeirat Sassnitz

Im Jugendbeirat Sassnitz ist in den Winterferien eine Menge Betrieb. In dieser Woche haben die Kinder und Jugendlichen sich getroffen, um gemeinsam Marmelade einzukochen, T-Shirts zu gestalten, mit Modelliermasse oder in der Holzwerkstatt tätig zu werden. Auch zu Spiel und Spaß in der Turnhalle oder zum gemeinsamen Filmnachmittag kommt man hier zusammen.

Ein Trommelkurs, Bowlingnachmittag, das Gestalten von Laternen mit folgender Wanderung oder das Bauen einer Futterstation für die beheimateten Vögel steht in der nächsten Woche auf dem Plan.

Auch die Jugendweihe liegt in Sassnitz in der Hand des Jugendbeirates, der die Feier und verschiedenen Jugendweihestunden organisiert.

Dafür gehen beide Einkaufsneulinge mittlerweile mit offenen Augen durch die Märkte, vergleichen Produkte und Preise. Vor dem Gang in den Supermarkt holt sich das Team die Einkaufsliste aus der Wohngruppe. „Da bei uns immer selbst gekocht wird, haben wir uns immer direkt vom Markt beliefern lassen. Nun übernehmen das die Jugendlichen zweimal in der Woche, das passt ganz gut“, sagt Frank Krause, der die Wohngruppe betreut. Die Privatkunden, für die donnerstags eingekauft wird, geben ihre Wünsch vorher telefonisch oder per Mail durch.

Einige Stammkunden hat der Jugendbeirat mittlerweile auf seiner Liste. Manche melden sich alle zwei Wochen, wieder andere lassen sich alle drei Wochen den Großeinkauf nach Hause bringen. „Meistens sind es dann die schweren Sachen wie Getränke“, sagt Daniela Eggert. Welche Märkte sie für ihren Einkauf besuchen, wird oft spontan entschieden. „Wir versuchen, uns auf die Wünsche einzustellen. Ansonsten nehmen wir den Markt in der Nähe und achten dort einfach auf den Preis der einzelnen Produkte“, erklärt die 20-Jährige.

Dankbarkeit, Freude und Lerneffekt

„Viele sind einfach sehr dankbar und froh, dass es sowas gibt. Das zeigt uns auch, wie nötig es war, dies anzubieten“, so Eggert. Das erkennen auch die Jugendlichen. „Wenn man sieht, wie sehr sich die Menschen darüber freuen, ist das echt genial“, meint Letizia, die sich so langsam in den Supermarkt-Regalen auskennt. „Und auch wir lernen ja dazu“, sagt die 15-Jährige.

Zum Beispiel bei dem netten älteren Kunden, der die Schüler erstmal über die Geschichte des Hauses aufklärte, das heute den Jugendbeirat beherbergt. „Auf jeden Fall sind meist alle sehr nett. Schlechte Erfahrungen haben wir noch keine gemacht“, sagt Letizia. Auch ihrer eigenen Oma durfte sie auf diesem Wege schon den Einkauf abnehmen.

Den Dienst bietet der Jugendbeirat für fünf Euro an. Liegt der Einkaufswert über 50 Euro, werden zehn Prozent berechnet, die die Fahrkosten des Vereintransporters decken und die Arbeit des Jugendbeirats unterstützen.

Wenn die Jugendlichen nicht gerade Lebensmittel für andere Menschen besorgen, stellen sie sich auch gerne mal selbst gemeinsam hinter den Herd. Neben regulären Kochabenden stellen sich die Jungs und Mädchen dann auch mal Challenges, bei denen die Herausforderung darin besteht, ganz ohne Rezept etwas Leckeres auf den Tisch zu zaubern.

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Von Wenke Büssow-Krämer

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