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Rügen Junge Rügener stellen sich zur Wahl
Vorpommern Rügen Junge Rügener stellen sich zur Wahl
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11:41 24.05.2019
Marvin Müller (SPD), Christin Schröder (CDU), Kevin Zenker (Linke). Quelle: Uwe Driest
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Bergen

An den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag dürfen sich jungen Leute ab 16 Jahren beteiligen. Dennoch zieht es gerade junge Leute oft nicht an die Wahlurne. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit jungen Vertretern dreier Parteien, die nicht nur zur aufrufen, sich zu beteiligen, sondern sich selber zur Wahl stellen. Das passive Wahlrecht gilt ab 18 Jahren und Marvin Müller hat es gerade erreicht. Marvin ist Milleniumsjahrgang und kandidiert für Gemeindevertretung Binz und Kreistag zugleich. Der Student der Geschichte und Philosophie ist auf Rügen aufgewachsen und seit drei Jahren politisch in der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) aktiv. „Damals hatte die 'Flüchtlingskrise' ihren Höhepunkt erreicht und der Wind im Land drehte sich nach rechts. Es wurde rauer und kälter und das hat mich sehr beschäftigt. Das Deutschland was die immer stärker werdende AfD wollte, wollte ich nicht“, beschreibt er seinen Entschluss.

Wer sich beklagt, sollte auch etwas tun

Christin Schröder ist ein Jahr älter. Ihre Kandidatur möchte sie auf die Stadtvertretung ihrer Geburtsstadt Bergen beschränken. Vor zwei Jahren machte sie ihren Abschluss an der Regionalen Schule in Göhren „mit sehr gut“ und besucht nun die Grone Schule, wo sie sich zur Ergotherapeutin ausbilden lässt. Vor zwei Jahren trat sie in die Junge Union, die Jugendorganisation der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU), ein. „Ich kandidiere, weil ich der Meinung bin, dass die jungen Leute hier in unserer Stadt eine Stimme brauchen.“

Oldie in dem Trio ist mit 25 Jahren Kevin Zenker, der „Die Linke“ in Bergener Stadtvertretung und Kreistag vertreten möchte. Kevin begann nach dem Abitur eine Lehre als Fertigungsmechaniker, wurde vorübergehend arbeitslos, jobbte ein Jahr lang als Leiharbeiter in der Montage von Windenergieanlagen, absolvierte eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und arbeitet heute in der Werkstattabteilung von Mukran Port. „Das hat mir sehr deutlich aufgezeigt, wie hoch sich der Wert als junger, arbeitssuchender Mensch in diesem System bemisst“, sagt er. „Diese Erfahrung wurde zur ersten Initialzündung für mein politisches Engagement.“ Dass Altersgenossen nicht denselben Schluss ziehen, findet er inkonsequent. „Ich kenne Leute, die sich beispielsweise über weite Wege zur Berufsschule beklagen, aber nichts dagegen tun. Denen muss man erklären, dass ihre Stimme wichtig ist.“

Platzhirsche fühlen sich bedroht

Die geringe Wahlbeteiligung habe aber auch formale Gründe, glaubt Christin Schröder. Wahlverfahren seien zu unübersichtlich und der Staat solle Wahlen mehr bewerben. Christin möchte zudem den Schülerbeirat der Stadt bekannter machen. Der allerdings ist für Marvin Müller ein Papiertiger, der weder Antrags- noch Rederecht habe. Gleichwohl sollte es solche Einrichtungen in mehr Gemeinden geben, ist sich das Trio einig. Während die Einrichtung von Seniorenbeiräten in Gemeinden mit mehr als 5000 üblich sein, bilden Jugendbeiräte die Ausnahme.

Ein Teil der Schuld trügen aber die Parteien selber, meint Marvin Müller. Nicht immer sei der Zugang für junge Leute innerhalb der Parteien einfach. „Zwar freuen sich Parteien über neue Mitglieder, aber Platzhirsche könnten sich schon mal bedroht fühlen“, so Marvin. Manchmal hieße es dann: „Du machst erst mal Wahlkampf.“ Wegen der Arroganz gegenüber jungen Leuten hätten viele davon das Gefühl, auf der Straße mehr bewirken zu können, und schlössen sich Aktionen wie „Fridays for Future“ an. Auf Rügener Straßen macht Christin Schröder ein weiteres Problem für junge Leute aus: „Zu einer Party oder zur Disco in Teschenhagen kommt man allenfalls hin, nicht aber zurück.“ Eine verbesserte Mobilität und schnelles Internet könnte die Region gerade auch für junge Leute attraktiv machen, glauben alle drei.

Wahlrecht und Beteiligung

Aktiv wahlberechtigt ist jeder EU-Bürger, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens drei Monaten seinen (Haupt-)Wohnsitz im Wahlgebiet hat.

Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.

Viele junge Leute werden am Sonntag nicht wählen gehen. Stattdessen entscheiden die Älteren die Wahl.

Die meisten Nichtwähler sind im Alter zwischen 21 und 25 Jahren. Erstwähler nutzen ihr Recht häufiger.

Uwe Driest

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