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Rügen Junge Vietnamesen sollen Ausbildungsmarkt entlasten
Vorpommern Rügen Junge Vietnamesen sollen Ausbildungsmarkt entlasten
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10:11 06.07.2018
Das Projekt mit jungen Frauen und Männern aus Vietnam soll im Jahr 2020 starten. Quelle: Patrick Seeger/dpa
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Bergen

Keine Azubis in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie auf der Insel: Die Rügener Abteilung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) funkt SOS. Mit Stand vom 31. Mai gibt es im Landkreis noch 260 offene Stellen. Nachwuchs in diesen Bereichen kommt kaum noch nach. „Bei der Ausbildung müssen wir deshalb neue Wege gehen“, sagt Regionalverbandsvorsitzender Wolfgang Kannengießer. Mit einem neuen Projekt sollen junge Leute aus Vietnam nach Rügen kommen. In zwei Jahren soll gestartet werden.„Wir haben kein Personal mehr. Und es fängt schon bei den Auszubildenden an. Allgemein kann man sagen, dass dadurch die Qualität natürlich immer weiter abnimmt“, sagt Kannengießer. Dies bestätigt auch Dr. Jürgen Radloff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stralsund, der sagt, dass es vor zehn Jahren doppelt so viele Bewerber wie zum heutigen Zeitpunkt gegeben hat. „Grund hierfür sind die geburtenschwachen Jahrgänge der Nachwendezeit. Die Jugendlichen, die heute auf dem Arbeitsmarkt fehlen, sind damals nicht geboren worden“, fasst er zusammen. Ohne ausgebildetes und vorhandenes Personal können laut Wolfgang Kannengießer die Restaurants nur noch abends öffnen und Hotels nur noch Übernachtung mit Frühstück anbieten. „Zum Teil ist dieser Zustand schon heute erreicht. Das wird dauerhaft dazu führen, dass wir drastische Einbußen bei den Gästen hinnehmen müssen“, sagt er.

Der Dehoga ist deshalb schon seit Jahren auf der Suche nach Alternativen. Bestes Beispiel: der IFA Ferienpark in Binz. Hier absolvieren etwa neben deutschen Jugendlichen seit einigen Jahren auch junge Leute aus dem europäischen Ausland ihre Ausbildung. Aber auch in Asien wird nach jungen Leuten Ausschau gehalten. Fündig geworden ist der Dehoga dort durch die Arbeit von Dr. Matthias Schneider. Er hat bereits Vietnamesen erfolgreich für medizinische Berufe in Deutschland vermitteln können. Seit 2017 steht er zudem in engem Kontakt zum Dehoga-Verband Thüringen und stellt den Kontakt zwischen jungen Leuten aus Asien nach deutschen Gastronomen und Hoteliers her. Hier können die Frauen und Männer dann die dreijährigen dualen Ausbildungen zum Restaurantfachmann, Koch und Hotelfachmann machen. „Wir haben gehört, dass dieses Projekt in Thüringen funktioniert und angenommen wird. Deshalb planen wir es mit der Unterstützung von Matthias Schneider auch auf der Insel Rügen“, sagt Wolfgang Kannengießer.

Konkret sieht der Plan so aus, dass interessierte Vietnamesen im Goethe-Institut in Hanoi den Sprachkurs Deutsch B2 bestehen müssen, um überhaupt nach Deutschland reisen zu können. Im September 2020 würden sie ihre Lehrstellen antreten. „Wenn Rahmenbedingungen, speziell die Löhne, eingehalten werden, sehe ich darin keine Probleme“, so Wolfgang Kannengießer.

Die Bedingungen müssen sich generell für Auszubildende ändern, waren sich die Mitglieder des jüngsten Dehoga-Wirtestammtisches einig. Drei elementare Punkte dabei: Arbeitszeit, Kinderbetreuung und Unterbringung. Die Freizeit sei wichtig. „Und wie kann ich so viel verdienen, dass ich mir die Freizeit überhaupt leisten kann?“, fragte ein Mitglied. „Was zählt, sind gute Ausbildungsbedingungen“, so Dr. Jürgen Radloff. Dazu gehören auch Übernahmemöglichkeiten nach der Ausbildung, eine spätere ganzjährige Beschäftigung, aber auch Fortbildungsmöglichkeiten oder Aufstiegsmöglichkeiten.

„Wer gute Bedingungen bietet, wird weniger Schwierigkeiten haben, Azubis zu finden. Das betrifft im Übrigen auch die Anwerbung von Jugendlichen aus anderen Bundesländern. Denn die Situation am Ausbildungsmarkt ist nicht in allen Regionen der Bundesrepublik gleich“, sagt Radloff. In Nordrhein-Westfalen gebe es noch mehr Jugendliche als freie Lehrstellen. „Die Konkurrenz ist groß. Wer also einen Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen zu uns an die Küste holen möchte, braucht bessere Ausbildungsbedingungen als in anderen Bundesländern“, sagt Jürgen Radloff.

OZ

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