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Rügen Kein Bürgerentscheid: Bergener Bürger sind enttäuscht
Vorpommern Rügen Kein Bürgerentscheid: Bergener Bürger sind enttäuscht
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06:00 23.02.2019
In Bergen findet am 26. Mai die Kommunal- und Europawahl statt. Einen Bürgerentscheid zur geplanten Schwimmhalle wird es nicht geben. Quelle: picture-alliance/ dpa
Bergen

Die Stadtvertreter haben sich gegen einen Bürgerentscheid zum Neubau einer Schwimmhalle entschieden. Obwohl diese Entscheidung knapp ausgefallen ist, den Bürgern gefällt sie nicht. Gestimmt wurde mit drei Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen.

Das Thema Schwimmhalle hätte Ende Januar erledigt sein können. Damals haben die Stadtvertreter ein Schwimmhallenbau mehrheitlich abgelehnt. „Ich weiß aber, dass viele Bürger eine Schwimmhalle haben möchten, deshalb habe ich für die jüngste Sitzung eine Beschlussvorlage für einen Bürgerentscheid eingebracht. Ich finde es richtig, die Bürger bei solch einer Entscheidung ins Boot zu holen“, sagt Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos).

In der Stadt kursieren Unterschriftenlisten

Nach Informationen der OSTSEE-ZEITUNG haben sich bereits Menschen in Bergen gefunden, die sich für ein Bürgerbegehren zur Schwimmhalle stark machen. Ziel eines solchen Bürgerbegehrens ist, dass eine von den Stadtvertretern beschlossene Maßnahme verhindert oder eine neue Maßnahme durchgesetzt wird. Allerdings könne bei positivem Ausgang ein Bürgerentscheid erst nach der Kommunal- und Europawahl stattfinden, da die Zeit der Vorbereitung zu knapp ist.

In der Stadt kursieren derzeit zusätzlich Unterschriftenlisten, auf denen die Unterzeichner die Durchführung eines Bürgerentscheids fordern. Stadtvertreterin Carmen Kannengießer fand Listen im Briefkasten, die sie in ihrer Praxis auslegte. „Meine Patienten finden das gut. Sogar eine Lehrerin aus Dranske würde sich über eine Schwimmhalle freuen, weil die umliegenden Hotels die Kinder ihrer Schule nicht gern in ihren Schwimmhallen dulden würden“, sagt die Zahnärztin.

„Bürger sollen gefragt werden“

„Ich finde nicht gut, dass die Stadtvertretung gegen die Schwimmhalle und einen Bürgerentscheid stimmte und bin damit nicht einverstanden. Jetzt, wo endlich Gelder bewilligt sind, geht das Hickhack zwischen Verwaltung und Parlament trotzdem immer weiter. Dabei könnte eine Schwimmhalle sowohl den Einheimischen nützen, als auch Urlauber in die Stadt ziehen, die auch mal länger als eine Stunde hier bleiben“, sagt Manfred Dylsing aus Bergen.

„Die Bürger nicht zu fragen, kann nie das richtige Verhalten sein“, findet Caroline Eichhorn (32) und Dagmar Isik pflichtet bei: „Wenn Bürger sich äußern wollen, sollten sie auch gehört werden.“

„Eine Schwimmhalle würden viele Menschen nutzen und deswegen sollten die Bürger auch gefragt werden, ob sie eine solche Halle in ihrer Stadt haben möchten“, sagt Hans-Werner Käfer (70) aus Karow.

„Kinder und Enkel würden davon profitieren“

Fritz Barthel (81), ehemaliger Vorsitzender des Rügener Seniorenbeirates äußert sich zugunsten einer Schwimmhalle: „Auch wenn wir selber vom Bau einer Schwimmhalle nichts mehr haben sollten, würden unsere Nachfolger, Kinder und Enkel davon profitieren. Ich machte deswegen den Vorschlag, den Betrieb der Halle durch eine Spendenaktion sicherzustellen“, sagt er. Dieser Beirat organisiert seit 15 Jahren den Seniorensport in der Schwimmhalle von Samtens. Da kommen immer etwa 30 Personen, die meisten davon aus Bergen. Wenn keine lange Anfahrt nötig wäre, würden das bestimmt noch mehr.

„Meine Frau und ich wären auf jeden Fall für einen Bürgerentscheid. Die Ablehnung durch die Stadtvertretung dürfte wohl parteitaktischen Motiven geschuldet sein“, glaubt der Bergener Günter Rönsch (77).

„Entscheidung ist nicht nachvollziehbar“

„Ich finde, dass Bürger ihre Meinung ausdrücken können sollten, wenn sie das wollen“, findet auch Susann Triloff und Ursula Müller urteilt: „Die Entscheidung ist nicht nachvollziehbar. Vielleicht haben die Stadtvertreter Angst vor der Meinung der Bürger?“

Die Stadt plant weiterhin mit den Einwohnerversammlungen, um bei der Aufklärung über das Für und Wider eines Schwimmhallenbaus so viele Bürger wie möglich zu erreichen. Rotensee soll mit einem Termin in der Schule am Grünen Berg am 27. Februar um 18 Uhr bedacht werden. Eine weitere Versammlung ist am 12. März um 18 Uhr in der Aula der Grundschule Altstadt in Bergen vorgesehen.

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