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Rügen Keine neuen Windräder in Wiek
Vorpommern Rügen Keine neuen Windräder in Wiek
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16:47 26.04.2018
Die Gemeinde Wiek auf Rügen hat sich gegen die Ausweisung von Flächen zur Windenergienutzung ausgesprochen.
Die Gemeinde Wiek auf Rügen hat sich gegen die Ausweisung von Flächen zur Windenergienutzung ausgesprochen. Quelle: Jens Büttner
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Wiek

Die Pläne der Gemeinde Wiek, Gebiete zur Errichtung von Windenergieanlagen bereitszustellen, sind vom Tisch. Auf ihrer Sitzung am Mittwochabend fassten die Vertreter der Gemeinde eine ganze Reihe von Beschlüssen, die das Aus für neue Windenergieanlagen bedeuten.So werden weder auf der etwa 140 Hektar großen Fläche am Galgenberg neue Windräder entstehen, noch findet auf der etwa 35 Hektar großen Fläche in Bohlendorf ein Repowering (kleine Anlagen werden durch größere ersetzt) statt. Insgesamt war der Bau von sechs Windenergieanlagen angedacht. Die Planungen würden den Zielen der Raumordnung wiedersprechen, hieß es zur Begründung. Dies sei im März bei einem Termin mit Vertretern der Raumordnungsbehörde geklärt worden.

Touristiker begrüßen die Entscheidung

„Wir freuen uns natürlich sehr“, sagte Detlef Schulz, Vorsitzender des Tourismusvereins Nord-Rügen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ In der Vergangenheit war es immer wieder zu Protesten von Einwohnern gegen die Windenergieanlagen gekommen. Der Tourismusverein Nord-Rügen hatte im vergangenen Jahr in einem offenen Brief die Einstellung der Planungen gefordert. „Windkraft in diesem Ausmaß trifft alle touristischen Betriebe und Kleinvermieter“, hieß es dort. „Das schwächt die hiesige Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze auf Wittow.“ Auch eine Unterschriftensammlung an der sich knapp 500 Menschen aus der Region Wittow beteiligten, legten die Windenergiegegner den Gemeindevertretern vor. Die versicherten immer wieder, dass die Einwohner das letzte Wort in der Windenergie-Frage haben sollten, ein Bürgerentscheid sollte die Möglichkeit dazu geben. Es stellte sich aber später heraus, dass ein Bürgerentscheid, soweit er sich gegen Windenergieanlagen richte, mit der Raumordnung nicht kompatibel und somit nicht zulässig sei. Ein Grund, weshalb sich die Gemeinde so für die Windenergieanlagen eingesetzt hatte, ist die marode Finanzlage des 1000 Einwohner-Ortes. Im vergangenen Jahr war von 8 Millionen Euro Verbindlichkeiten die Rede. Steuereinnahmen durch den Betrieb der Windenergieanlagen würden dringend benötigt, um beispielsweise die kostenintensive und dringend benötigte Sanierung der Grundschule des Ortes voranzubringen.<Q

Wiek wird kein Bioenergiedorf

Mit der Entschiedung gegen den Bau neuer Windenergieanlagen gibt die Gemeinde auch den Plan auf, Bioenergiedorf mit Schwerpunkt Windenergie zu werden. Es wurde angestrebt, durch einen regionalen Wirtschaftskreislauf die Energiekosten für Einwohner und die Gemeinde zu senken . „Manchmal muss man eine Generation warten, um dann neu zu beginnen“, zitierte eine sichtlich enttäuschte Bürgermeisterin Petra Harder den SPD-Politiker Matthias Platzeck.

Abwahlantrag beim Amt Nord-Rügen gestellt

Die Bürgermeisterin war in den vergangenen Monaten immer häufiger kritisiert worden, am Mittwoch erreichten die Vorwürfe eine neue Stufe. Die Wiekerin Jutta Dittmann hat beim Amt Nord-Rügen einen Antrag auf Bürgerentscheid zur Abwahl der Bürgermeisterin gestellt.Pikant ist dies unter anderem deshalb, weil die Bürgermeisterin Wieks auch die Funktion der Amtsvorsteherin innehat. Unterschrieben haben den Antrag 108 Einwohner aus Wiek. „Ich möchte mit diesem Antrag ein Zeichen setzen“, sagt die 44-jährige Jutta Dittmann. „Persönlich habe ich nichts gegen Frau Harder, aber so geht es hier nicht weiter.“ Die Vorwürfe im Schreiben sind zahlreich. Mangelnde Sachkenntnis und Intransparenz sowie Verstöße gegen die Kommunalverfassung hätten dazu geführt, dass das Vertrauen der Wieker Bürger in die Bürgermeisterin zerstört sei. Über die Zulässigkeit des Antrages muss jetzt das Amt Nord Rügen befinden – ob es dann einen Bürgerentscheid zur Abwahl der Bürgermeisterin geben wird, entscheiden dann die Gemeindevertreter.

Ziebarth Anne Friederike

26.04.2018
26.04.2018