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Rügen Kiten vor Ummanz: Mit der Gebärdensprache ans Ziel
Vorpommern Rügen Kiten vor Ummanz: Mit der Gebärdensprache ans Ziel
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06:00 23.05.2019
Konstantin Begesow (30) aus Neuwied wird von Kite-Lehrerin Pia Boni (l.) und Gebärdensprachdolmetscherin Marie Kohlen ausgebildet. Quelle: Mathias Otto
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Ummanz

 Kein Problem für Konstantin Begesow, sich mit dem Kite-Equipment an Land für Trockenübungen auszuprobieren. Wenn es aber mit dem Board über das Wasser vor der Insel Ummanz geht oder er Anweisungen im seichten Wasser von Kite-Lehrerin Pia Boni (28) entgegennimmt, wird es schwieriger. Denn hier muss der 30-Jährige sein Kochlea-Implantat abnehmen. Marie Kohlen kommt dann ins Spiel. Die 27-Jährige ist Gebärdensprachdolmetscherin und übersetzt mit ihren Händen.

Pia und Marie haben sich ihren Traum erfüllt. Nachdem die beiden Kite-Fans das Unternehmen „DeafVentures“ gegründet haben und seitdem Kurse für Gehörlose auf der Insel Ummanz anbieten, gehen sie jetzt einen Schritt weiter. Sie bilden Gehörlose aus, damit sie die international anerkannte Kitelehrer-Lizenz erhalten und später selbst unterrichten.

Modellprojekt „LandAufSchwung

Angefangen haben die beiden Frauen 2018 klein – mit wenig Geld und zum Teil ausgeliehenem Material. Gehörlose Menschen zu Trainern auszubilden, das war ein Ziel, dass sie sich erst für die nächsten Jahre gesteckt haben. „Durch Zufall sind wir im vergangenen Jahr auf das Projekt des Landwirtschaftsministeriums des Bundes gestoßen – das Modellprojekt ,LandAufSchwung’“, sagt Pia Boni. Damit sollen wirtschaftsschwache und demografisch benachteiligte Regionen wirtschaftlich gestärkt und wettbewerbsfähiger gemacht werden. Auch der Kreis Vorpommern-Rügen gehört als Modellregion dazu und fördert verschiedene Projekte.

Mit einem Zuschuss von knapp 44 000 Euro konnten die beiden jungen Frauen loslegen – fehlten nur noch gehörlose oder hörbehinderte Menschen, die Spaß am Kite-Sport haben. „Die Welt der Gehörlosen in Deutschland ist klein. So bin ich im Internet schnell auf das Angebot aufmerksam geworden“, sagt Konstantin Begesow aus Neuwied, der dort als selbstständiger Physiotherapeut arbeitet. Mit dem Wassersport ist er eng verbunden. Vor acht Jahren wurde sein Interesse zum Wassersport in einem Surfcamp in Frankreich geweckt. „Seitdem kann ich von den verschiedenen Wassersportarten nicht genug bekommen. Die Chance, auf Ummanz Kiten zu lernen, will ich mir natürlich nicht entgehen lassen“, sagt er.

Der zweite Teilnehmer ist Patrick Bauer (30 ) aus Köln. Er ist seit Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig und als Kind zweier tauber Eltern und einem tauben Bruder mit der deutschen Gebärdensprache aufgewachsen. Für den IT-Berater war Sport schon immer ein wichtiger Teil seines Lebens. Als sich die Möglichkeit bot, auf Ummanz als einer der ersten Deutschen-Gebärden-Muttersprachler die Kitesurf-Lizenz zu erwerben, habe er nicht lange gezögert.

Patrick Bauer (32) aus Köln ist der zweite Gehörlose, der auf der Insel Ummanz zum Kite-Lehrer ausgebildet wird. Quelle: Pia Boni

Wohnen im Wohnwagen

Pia und Marie üben jetzt jeden Tag mit Konstantin und Patrick. „Im Juni, wenn unsere regulären Kurse losgehen, werden sie hospitieren und uns unterstützen“, sagt Marie Kohlen. Den Weg zum Wasser haben sie nicht weit, denn durch das Projekt wurden zwei Wohnwagen angeschafft – mit Blick auf den Schaproder Bodden. Hier wohnen sie in den nächsten Wochen.

Der Plan ist es, sie nach ihrer erfolgreich abgelegten Prüfung als Lehrer einzusetzen. Pia und Marie wollen dafür Kurse an die beiden Männer abgeben. „Sie beherrschen die Gebärdensprache als Muttersprache und können so noch gezielter auf die Bedürfnisse und Anforderungen von Gehörlosen eingehen“, sagt Pia Boni.

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Mathias Otto

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