Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Klimastreik in Bergen: „Jeder kann selbst aktiv werden“
Vorpommern Rügen Klimastreik in Bergen: „Jeder kann selbst aktiv werden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:00 20.09.2019
Thurid Otto (v. l.), Jutta Stadler, Kathrin Heinicke, Livia von Wersebe und Hanna Dobelstein kamen zur Demo mit Schildern. Quelle: Mathias Otto
Anzeige
Bergen

„Mehr tun für das Klima“, „Ihr zerstört was uns allen gehört“: Die Leute kamen mit ganz unterschiedlichen Botschaften auf ihren Transparenten zum Bergener Marktplatz. Alle mit einem Ziel: Sie wollten Teil des globalen Streiks für mehr Klimaschutz sein. Menschen hielten Schilder in die Höhe. Einige schnappten sich auch das Mikrofon und sendeten ihre Botschaften an die Politiker, um ihnen zu zeigen, was ihnen wichtig ist.

Da Rügen bisher noch keine eigene Ortsgruppe der „Friday-for-Future-Bewegung“ hat, veranstaltete kurzerhand die Gruppe „#Aufstehen“ die Demo auf dem Marktplatz. Eine Gruppe, die eine neue Friedenspolitik, soziale Gerechtigkeit und eine bessere Umweltpolitik fordert und von der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht initiiert wurde. „Ich bin überwältigt, was ich hier sehe. 50 Leute habe ich angemeldet. Jetzt stehen hier 150, wenn nicht sogar 200 Menschen und setzen sich für das Klima ein“, sagt der Sprecher Hans Joachim Haase.

„Wir sind nicht alle gleichermaßen schuld für das, was auf der Welt passiert“, sagt er. Niemand der Anwesenden in Bergen hätte Statistiken gefälscht, um schöne Diesel-Werte vorzutäuschen. „Niemand von uns hat das Geschäftsmodell Kohle-Strom zu verantworten“, sagt er. „Es sind die Konzerne und die müssen zur Verantwortung gezogen werden.“

Bürger äußerten ihre Meinung am Mikrofon

Hans Joachim Haase forderte die Menschen auf, sein Mikrofon zu nehmen und selbst Botschaften in die Öffentlichkeit zu senden. So sah der nächste Redner die Landwirtschaft als einen der größten Umweltsünder. „50 Prozent der Verschmutzung stammt aus der Landwirtschaft. Ändert etwas daran. Fleisch muss nicht sein. Es gibt viele gute Lebensmittel, die die Umwelt nicht so zu belasten“, sagt Gerald Gärtner, der seit zehn Jahren auf der Insel Rügen wohnt. Andere forderten mehr Achtsamkeit auf die Natur an den Stränden. „Ich habe innerhalb kurzer Zeit gleich zehn Zigarettenstummel gesehen, obwohl Mülleimer daneben aufgestellt waren“, sagt eine Urlauberin. Eine andere Frau stört sich daran, dass an vielen Obstbäumen auf der Insel Früchte wachsen und sie nicht geerntet werden. Auch die Feuerwerke, die im Sommer mindestens einmal pro Woche irgendwo auf der Insel in die Luft geschossen werden, war Thema in Bergen.

Das System, in dem wir leben, sei ein System, dass das Klima gefährdet, sagt Ottopeter Flettner. Er gehört zur Neubrandenburger Gruppierung „#Aufstehen“. „Wir müssen etwas tun, um das Klima in den Griff zu bekommen. Deshalb bin ich froh, dass so viele Leute heute auf die Straße gehen, denen das nicht egal ist und die etwas ändern möchten“, sagt er.

„5 vor 12“ am 4. Oktober

Tipps hatte Hans Joachim Haase viele. „Jeder von uns kann einen Beitrag leisten. Zum Beispiel im Straßenverkehr. Wir leben in einer ländlichen Region und sind auf Autos angewiesen. Es muss aber nicht der SUV sein. Kleinwagen mit 70 PS reichen vollkommen aus“, sagt er. Er selbst gehe mit bestem Beispiel voran und fährt ein kleines Auto. Mit einer Begrenzung von 6000 Kilometern pro Jahr. „Somit kann ich mein Fahrverhalten gut steuern.“ Eier schon ins kalte Wasser legen und dann kochen lassen, Stoßlüften, statt stundenlang das Fenster offen stehen lassen. Er brachte einige Tipps für den Alltag. „Und vieles, was wir kaufen, brauchen wir nicht. Wir kaufen es, um den Nachbarn zu beeindrucken, den wir eh nicht leiden können.“

Ideen hatte auch Boris Hruschka. Er ist Vorsitzender des Vereins Hinterlandbühne in Schweikvitz. Der Mann wünscht sich, dass in einer Region, wo Landwirtschaft und Tourismus dominieren, beide Sachen enger miteinander verbunden werden. „Die Touristen werden mit Sachen versorgt, die von sonst woher kommen. Warum greift man nicht auf diese Dinge zurück, die auf der Insel vorhanden sind?“

Die Bergener Pastorin Friederike Tauscher lud die Teilnehmer im Anschluss zu einer Andacht unter dem Motto „5 vor 12“ ein. Auf eine Aktion am 4. Oktober um 11.55 Uhr machte auch Bergens Stadtpräsidentin Kerstin Kassner (Linke) aufmerksam. Dann wird sich in Rotensee am Kinderspielplatz getroffen und Müll gesammelt. „Wir können ein Beispiel für andere Regionen der Welt sein. Jeder kann selbst aktiv werden“, sagt sie. In der kommenden Woche am Freitag wollen Bergener Schüler wieder für den Umweltschutz auf die Straße gehen. Getroffen wird sich um 10 Uhr am Markt.

Lesen Sie auch hier:

Sorge um das Klima

Tausende in MV auf der Straße: Schülerstreik sorgt für Streit

Fridays for Future: Das war der Klimastreik auf Rügen

Mehr zum Autor

Von Mathias Otto

Oliver Schmidt führt in dieser Legislaturperiode die Regie im Betriebsausschuss der Stadtvertretung. Ihm zur Seite stehen sein Vize Thomas Kruse und die fünf weiteren Mitglieder des Gremiums.

20.09.2019

Die Binzer Gemeindevertreter haben sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Pläne für den Bau einer Marina im Ortsteil Prora nicht weiterzuverfolgen. Dabei stehen die weiterführenden Ergebnisse der vom Wirtschaftsministerium geförderten Machbarkeitsstudie für einen Wasserwanderrastplatz noch aus. Warum es jetzt zur Kursänderung kam.

24.09.2019

Die Kurverwaltung in Binz widmet dem Hyparschalen-Spezialisten und Sohn des Ostseebades eine ganze Themenwoche. Am Sonnabend gibt es den knalligen Auftakt am als „Ufo“ bekannten Rettungsturm am Strand.

20.09.2019