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Rügen Klirrende Waffen und historische Gewänder
Vorpommern Rügen Klirrende Waffen und historische Gewänder
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10:23 03.09.2018
Aus Berlin und Stralsund stammen die Gruppen, die am Strand den historischen Freikampf demonstrieren. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
Göhren

Händler bieten an der Promenade ihre Waren feil, Wirte buhlen auf dem Kurplatz um Kundschaft und am Strand stellen die Krieger ihre Kampfkunst zur Schau.Zahlreiche Besucher wurden da gerne zum Augenzeugen und Verkoster. Michael Rietschel ist sich sicher: „Anhand der Reaktionen können wir jetzt schon sagen, dass wir wiederkommen werden“, sagt der Initiator über das erste Wikingerstrandfest.

Das erste Wikingerstrandfest in Göhren fand seine Anhänger.

Mit reichlich Erfahrung in der Organisation solcher Wikingerfeste konnte er auf einen großen Fundus an Mitwirkenden zurückgreifen. „Ich habe dabei viel Wert auf Vielfalt gelegt, sodass für Augen, Gaumen und Seele was dabei ist“, meint Michael Rietschel. Für ihn war solch eine Veranstaltung auf Rügen längst überfällig. Das zeigte sich auch an den Besuchern, die eigens dafür auf die Insel kamen. „Wir haben uns dafür vorher selbst Kostüme gebastelt und ziehen damit alle Blicke auf uns“, berichtet Ines Kraft aus Gützkow. „Wir sind positiv überrascht, dass wir als bloße Besucher von so viel anderen Besuchern angesprochen werden. Die Stimmung ist phantastisch hier, wir haben unseren Spaß.“

Mittelalterliches Handwerk fand man an den zahlreichen Ständen, an denen Glasperlen, Schmuck, Leder, Schmiedekunst oder auch Felle angeboten wurden. In einer Holzkohle-Esse, die mit einem Blasebalg angetrieben wird, arbeitet Sylvia Hildebrandt auch im 21. Jahrhundert noch an ihren Glasperlen. „Seit Glas erfunden wurde, wurde es auch zu Schmuck verarbeitet. Es ist eine schöne Mischung zwischen Handwerk und auch Kopfarbeit. Es wird nie langweilig“, sagt sie über ihre Kunst, die sie in ihrer Werkstatt bei Fürstenwalde seit 14 Jahren ausübt. Marko Wehner, der in Buschenhagen eine Schmiede betreibt, war hier mit Holz- und anderen Schnitzarbeiten dabei. Die Gäste konnten über die Schulter schauen während er Schneidebretter bearbeitete. „Da sind Motive dabei, die schon Harald Blauzahn verwendete“, erklärt der Schmied, der auch Trinkhörner aus importierten Rinderhorn schnitzt und verziert.

„Total begeistert“, vom ersten Göhrener Wikingerstrandfest waren auch die historischen Musiker von Fabula, die an allen drei Tagen von der Bühne aus die Parkgäste unterhielten. „Das ist genau zum richtigen Zeitpunkt kurz vor Ende der Saison“, meint Steffano Di Pannoptico. „Das Thema Wikinger ist doch für Rügen prädestiniert. Dass da noch niemand früher drauf gekommen ist“, so Di Pannoptico.

Ihre Künstlernamen dürfen sich die mittelalterlichen Spielmänner übrigens nicht selbst aussuchen, sondern bekommen sie verliehen.

Neben der Bühne kamen Wildschwein, Fisch oder Kartoffeln auf den Grill. „Das ist hier ein geiles Ambiente. Sonst haben wir meist Burgen zum Mittelaltermarkt. Die Meereskulisse ist da etwas Besonderes“, meint Sven Schulz, der die Besucher am Kartoffelhaus verköstigte, das seinen Platz schon auf vielen derartigen Veranstaltungen in Deutschland gefunden hat. „Wir haben hier schon sehr viele positive Reaktionen auf das Wikingerfest bekommen. Außerdem zeigen sich die Leute hier auch sehr spendabel“, so Schulz. Klingelt es im Sparschwein lässt der Ruf „Trinkgeld“ alle benachbarten Wirte in den Jubel miteinfallen. „Solche historischen Feste lieben wir. Schön, wie auch der Kurplatz für diese Veranstaltung mit genutzt wird“, lobt Angelika Blaschke aus Dresden, die hier öfter den Urlaub verbringt.

Im Lager der Krieger am Strand lässt sich die Rollenverteilung anno dazumal genau verfolgen. Während ein paar Meter weiter der Kampf noch in vollem Gange ist, sitzt vor dem Zelt die Frau, die sich um die Zubereitung des Abendmahls kümmert. Natürlich über offenem Feuer kommen dann Gemüse und Fleisch für den Kesselgulasch in den Topf. „Ich koche gerne und es ist entspannend hier draußen“, meint Lina Kutschke. Die 20-Jährige, die hier für die Krieger im Nachbarzelt mitkocht, kam durch ihren Freund zu den Wikingerfreunden. Paul Maczey trainiert jeden Sonntag in Stralsund mit Gleichgesinnten die historische Kampfeskunst.

„Von der Freikampfgruppe kam man dann über die Jahre zum Zelt und irgendwann sind dann auch Bänke und Tisch selbst gebaut“, erklärt der 23-Jährige, der auch sein Kettenhemd aus 30000 Ringen selbst gefertigt hat. So finden nach Möglichkeit immer mehr historische Feste den Weg in den Jahreskalender. Der Strand von Göhren wird in Erinnerung bleiben. „In der ersten Nacht kamen die Wellen bis ans Zelt heran und der Wind warf das Regal um, so dass zwei Krüge kaputt gingen“, berichtet Paul Maczey aus dem Lagerleben. Beliebt gemacht hat sich das Wikingerstrandfest bei den Kriegern jedoch durch das anschließende kühlende Bad in der Ostsee. Die Wikinger-Ära Mit dem Überfall auf das englische Kloster Lindisfarne im Jahr 793 wird der Beginn der Wikingerzeit angesetzt, deren Grobdatierung in die Zeit zwischen 800 und 1050 fällt.

Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich vom altnordischen Substantiv vikingr ab, was „Seekrieger“ bedeutet.

Wenke Büssow-Krämer

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