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Rügen Bürgerinitiative bittet Schwesig um Hilfe
Vorpommern Rügen Bürgerinitiative bittet Schwesig um Hilfe
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07:59 10.11.2018
Der Königsstuhl auf Rügen, hier eine Animation mit der geplanten Aussichtsplattform.
Der Königsstuhl auf Rügen, hier eine Animation mit der geplanten Aussichtsplattform. Quelle: BIG Städtebau
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Sassnitz/Lohme

Mit einem offenen Brief haben sich Vertreter der Bürgerinitiative „Bewahrt Lohme“ an die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns gewandt. Darin kritisieren sie die Entwicklung am am Königsstuhl in den vergangenen Jahren und bitten Manuela Schwesig, „uns in unseren Bemühungen zur nachhaltigen Verbesserung der Gesamtsituation im Bereich Stubbenkammer/Königsstuhl zu unterstützen“. Man wolle mit der Ministerpräsidentin und allen zuständigen Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen. Ziel sollte es nach dem Willen der Initiative unter anderem sein, dass der Königsstuhl nicht mehr ausschließlich über das Gelände des Nationalparkzentrums zu erreichen ist, sondern wieder einen separaten Zugang bekommt. Aktuell gibt es für den Besuch der Ausstellung und des Kreidefelsens ein gemeinsames Ticket. Die Lohmer Initiative plädiert dafür, beide Angebote zu „entkoppeln“, also eine Eintrittskarte für das Zentrum und eine für den Königsstuhl anzubieten. Lediglich die Hälfte der Nationalparkgäste gehe auch ins Zentrum. Das zeige, „dass ein großer Teil der Besucher dieses aufgezwungene Paketangebot nicht akzeptiert.“

„Sieben-Millionen-Projekt löst das Problem nicht“

Derzeit wird über eine neue Zuwegung über das bronzezeitliche Königsgrab nachgedacht (die OZ berichtete). Auch diese Idee stößt bei der Initiative auf Skepsis: „Der am Königsstuhl geplante Königsweg für zirka sieben Millionen Euro kann das Grundproblem nicht lösen“, heißt es in dem offenen Brief, den außerdem der Landwirtschafts- und der Wirtschaftsminister sowie der Landrat und der Sassnitzer Bürgermeister erhalten haben. „Neben der Verschandelung des Wahrzeichens würde die geplante Streckenführung des Königsweges einen separaten Zugang zum Königsstuhl für immer verhindern. Die Lohmer hätten an dieser Stelle lieber eine kleinere und preisgünstigere Brücke parallel zum derzeitigen Zugang. „Vielleicht eine in Strukturleichtbauweise als Wabenkonstruktion?“, präzisiert Burkhard Rahn, der den Brief gemeinsam mit Jörg Burwitz unterzeichnet hat.

Wie viele Besucher warten auch die Lohmer auf eine Verbindung vom Königsstuhl zum Strand. Die Treppe war 2016 gesperrt worden, nachdem sie im unteren Bereich durch einen Baum in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Zu allen vom Umweltministerium bisher geäußerten Bedenken gibt es fraglos Lösungen, wenn es denn politisch gewollt wäre“, sagen die Verfasser des Briefes. Unter anderem könnte man den Hangfuß und den Strand in diesem Bereich durch eine Steinpackung schützen. „Wir begrüßen die Bereitschaft der Landesregierung, sieben Millionen Euro am Königsstuhl zu investieren“, schreiben Burkhard Rahn und Jörg Burwitz im Namen der Initiative. „Eine weit geringere Summe würde ausreichen, um nicht nur eine neue Brücke auf den Königsstuhl, sondern auch einen neuen Abstieg – inklusive aller dafür erforderlichen baulichen Maßnahmen im Hangfußbereich – zu realisieren.“

Nationalpark ist mehr als der Blick vom Kreidefelsen

Das Nationalparkzentrum und den Königsstuhl als zwei getrennte Ausflugsziele zu präsentieren – der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft hält überhaupt nichts davon. „Wir haben diese Kombination ganz bewusst gewählt“, sagt Mark Ehlers. Er spricht dabei nicht von finanziellen Zwängen, sondern vom Informationsauftrag. „Die Menschen sollen wissen, dass es hier neben diesen imposanten Naturbildern noch viel mehr zu entdecken gibt“, sagt er. „Der Nationalpark ist mehr als der Blick vom Königsstuhl. Er ist ein Lebensraum.“ Das könne man aber nur in der Ausstellung erklären, die der Besucher des Rügener Wahrzeichens sozusagen im Paket mitbekomme. Das funktioniere auch, meint Ehlers. „Viele, die nur vom Königsstuhl gucken wollten, sind vom Besuch im Zentrum begeistert.“ Er verweist auf eine Befragung von rund 1000 Gästen. Auch im Internet habe es für das Angebot in den vergangenen Monaten mehr als 150 Fünf-Sterne-Bewertungen gegeben. Für die Insulaner sei der Besuch ohnehin gratis, Gäste zahlen 9,50 Euro, etwa soviel wie für eine Eintrittskarte im Kino. Außerhalb der Öffnungszeiten sei der Königsstuhl für alle frei zugänglich. Ehlers stimmt den Kritikern zu, dass öffentliche Toiletten an dieser Stelle ein Manko seien. Zumindest beim Umbau der Waldhalle zum Welterbeforum sei daran gedacht worden.

Maik Trettin