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Rügen Königsstuhl: Protest für die Treppe
Vorpommern Rügen Königsstuhl: Protest für die Treppe
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00:08 29.05.2018
Protestierende kamen mit selbst gemalten Schildern zur Veranstaltung. Quelle: Fotos: Christian Rödel (6), Udo Burwitz
Sassnitz

Ein Erhalt der Königsstuhl-Treppe liegt nicht nur vielen Rüganern am Herzen, sondern auch unzähligen Touristen: Dieser Eindruck drängte sich am Sonnabend in Sassnitz auf, wo sich am Molenfuß im Stadthafen ein unüberhörbarer Protest gegen die Sperrung der hölzernen Abstiegstreppe entlud. Es war starker Tobak, den einheimische und auswärtige Protestierer gegen Umweltminister Till Backhaus (SPD) und auch die Geschäftsführung des Nationalpark-Zentrums von einer Bühne auf einem Pkw-Anhänger per Mikrofon vorbrachten.

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„Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, lauteten die ersten selbst ermutigenden Begrüßungsworte von Burkhard Rahn aus Lohme, der die Protestveranstaltung gegen die Sperrung der Königsstuhltreppe als erster Redner eröffnete. Rahn und die Eheleute Ilona und Jörg Burwitz aus Lohme sind die Initiatoren des organisierten Widerstandes gegen die seit zwei Jahren währende Sperrung der Abstiegstreppe am Königsstuhl. Das Trio ist kampferprobt und hat bereits zweieinhalb Jahre lang das Rügen-Radio-Projekt Lohme kritisch begleitet. „Schaut nach Lohme, wo jetzt schon die ersten Häuser stehen sollten – es ist dort weder ein Eigenheim noch ein B-Plan zu sehen“, sagte Burkhard Rahn zur Erinnerung und wollte damit wohl verdeutlichen, dass von „oben“ getroffene Entscheidungen nicht „gottgegeben“ sind und nicht selten an der Lebenswirklichkeit scheitern.

In seiner analytischen Betrachtung der bisherigen Geschehnisse an der Königsstuhl-Treppe stellte Rahn schwerwiegende Ungereimtheiten fest. Bereits im Jahre 2005 wurde der separate Zugang zum Königsstuhl gesperrt, weil der damals günstige Eintrittspreis nur geringe Erlöse generierte, die nicht zur Deckung des aufgenommenen Drei-Millionen-Kredits ausreichten. Um den laufenden Betrieb zu gewährleisten und das Darlehen zu bedienen, wurde eine Mischkalkulation ersonnen, die sich in einem Eintrittspreis von 6,50 Euro widerspiegelte. Mittlerweile ist der Eintrittspreis von 6,50 Euro auf 9,50 Euro angestiegen. „Zu allem Überfluss musste man sich ja noch das Welterbe-Forum in der ehemaligen Waldhalle leisten, das in dieser Form sicherlich nicht kostendeckend betrieben werden kann“, monierte Rahn.

Nun setze nach seinen Worten das Nationalpark-Zentrum jedoch noch einen drauf und plane einen sogenannten „Königsweg“ als Stahlbetonrundweg, der etwa sieben Millionen Euro kosten solle. Eine landschaftsverträgliche und naturnahe Lösung sei das nicht. „Durch diesen Monumental-Bau, für den wahrscheinlich kein Umweltverträglichkeitsgutachten ins Auge gefasst wird, sollen steigende Besucherzahlen und höhere Einnahmen erzielt werden“, mutmaßte Rahn.

Diesen Gedanken nahm auch der Journalist Ulrich Gunka aus Münster auf, der seit 1991 mit seiner Frau jedes Jahr durch Rügens Natur wandert und den Verdacht hegt, dass nicht zahlende Besucher im Nationalpark als Störfaktor angesehen werden. Der Mensch dürfe aus seiner Sicht nicht ausgesperrt werden, wenn er auf den vorgeschriebenen Wegen bleibt. Was werde den Besuchern geboten für den aktuellen Eintrittspreis? Seine Antwort lautet: „Natur aus zweiter Hand durch eine Multivisionsschau und Stellwände.“ Der Journalist und seine Frau möchten die Natur im Nationalpark aus erster Hand erleben, denn sie wollen das Rauschen des Windes in den Buchen authentisch auf sich wirken lassen. Das virtuelle Naturerlebnis als Informationsmöglichkeit sei ja legitim, aber keiner solle sich gezwungen fühlen, diese Ausstellung als Eintrittskarte in den Nationalpark anzusehen.

Der Sassnitzer Norbert Dahms ging als letzter Redner an das Mikrofon und kritisierte die geplante Förderung der Betonplattform mit sieben Millionen Euro aus Steuermitteln: „Nein, ich bin nicht gegen Fördermittel, aber dieses Geld hätte Sassnitz dringend nötig, um die marode Mole endlich sanieren zu können, die hiesigen Sportstätten auf Vordermann zu bringen oder die verrottete Seebrücke wieder begehbar zu machen.“ Dafür bekam Dahms Applaus.

Etwas abseits der Protestierenden hörte ein dunkelbärtiger Mann aufmerksam zu. Es war Mark Ehlers, Geschäftsführer der Nationalpark-Zentrum Königsstuhl gGmbH.

Christian Rödel

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