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Rügen Königsstuhl: Treppe ja, Plattform nein?
Vorpommern Rügen Königsstuhl: Treppe ja, Plattform nein?
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18:30 25.05.2018
So soll der neue Weg zum Königsstuhl mit Plattform aussehen Quelle: Big Städtebau
Sassnitz

Mark Ehlers wirkt genervt. Zwei Mitarbeiter postiert der Geschäftsführer des Nationalparkzentrums täglich auf dem Areal vor dem Eingangsbereich. Sie sollen die Besucher der Stubnitz über das Schutzgebiet informieren. „Die Hälfte der Zeit müssen sie erklären, dass der Abstieg zum Strand versperrt ist und sich deswegen beschimpfen lassen.“ Seit bekannt wurde, dass das Land die im unteren Bereich zerstörte Treppe nicht reparieren und wieder öffnen will, hagelt es Proteste von Besuchern und Rüganern. Lässt sich die berühmte Rügener Kreideküste künftig noch erleben? Darum ging es am Mittwochabend bei einem Bürgerforum in Sassnitz, das der frühere Bürgermeister Dieter Holtz moderierte.

Gescheitert an bürokratischen Hürden

„Wir waren willens und wir hatten das Geld.“ Schon vor Jahren, versichert der Dezernent und Leiter des Nationalparkamtes Jasmund, Dr. Ingolf Stodian, habe man die Erneuerung der Treppe vorbereitet und dafür rund zwei Millionen Euro eingeplant. Als ein Teil der Treppe dann 2016 durch einen Rutsch zerstört wurde, breiteten sich in den Ministeriumsstuben Unruhe und Skepsis aus. Immer öfter wurden Sicherheitsbedenken geäußert. 300000 Euro hätte die Reparatur gekostet. „Aber da müssen ganz viele ihre Unterschrift geben“, beschreibt Stodian den bürokratischen Weg, an dem es letztlich gescheitert sei. Die Verantwortung wolle niemand übernehmen. Zu den verwaltungsrechtlichen Schwierigkeiten komme dann noch das fehlende politische Interesse, warf Burkhard Rahn von der Bürgerinitiative „Bewahrt Lohme“ den Verantwortlichen vor Ort und im Land vor. Selbst beim Tourismusverband der Insel formuliert man den Bedarf eines Abstiegs an dem wichtigsten Wahrzeichen des Landes eher zaghaft als Wunsch denn als forsche Forderung. Der Vorsitzende Knut Schäfer fürchtet um das Image der Insel, das unter Meldungen über mögliche Unfälle und Gefahren leiden würde. Man müsse auch mal nachdenken, ob man „weiterhin alles zulassen“ könne. „Vielleicht muss man dann auch mal einen Strandabschnitt sperren, wenn er zu schmal ist.“

Freier Zugang zum Strand in Gefahr

Genau das ist es, was die Kritiker befürchten. Torsten Rollin, Geschäftsführer der kommunalen Touristik Lohme GmbH, erinnerte an die so genannte Wendezeit. 1989 hätten auch die Insulaner ihre Freiheit erkämpft. „Man wurde nicht mehr verhaftet, wenn man nachts am Strand unterwegs war.“ Die Landesregierung habe damals zugesichert, dass die Strände öffentlich zugänglich bleiben sollten. „Ich habe das Gefühl, jetzt machen wir eine Rolle rückwärts.“ Unter dem Vorwand der Sicherheit versuche man, die Menschen von den Küsten fernzuhalten. „Wenn der nächste Herbststurm den Abstieg am Kieler Bach zerstört, ist dann auch dieser Zugang Geschichte?“ Ihn beunruhige die derzeitige Entwicklung. Das Naturerlebnis auf Rügen sei weitgehend gratis. „Aber wenn wir so weitermachen, gibt es bald keine kostenfreien Alternativangebote mehr.“

Um tagsüber auf den Königsstuhl zu gelangen, muss man ein Ticket für das Nationalparkzentrum lösen. Der Zugang zu dem Kreidefelsen ist langfristig gefährdet. Eine Plattform, die dicht über dem Wahrzeichen schwebt, soll für sieben Millionen Euro gebaut werden. Dagegen kommt Protest von anderer Seite. Sassnitzer Einwohner fürchten um den Anblick des Königsstuhls von der Seeseite und sammeln Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Sie wollen den Bau durch einen Bürgerentscheid verhindern. Gegen einen Neubau beziehungsweise Reparatur der Treppe haben nsie nichts einzuwenden.

Kritik an der Basta-Politik des Landes

Moderator Dieter Holtz forderte mehr Engagement von den Verantwortlichen. „Bei allen sachlichen Erwägungen müssen die Dinge auch bis zum Schluss untersucht werden.“ Einfach „geht nicht“ zu sagen, reiche nicht. Genau das hatte zuvor auch Jörg Burwitz von der Lohmer Bürgerinitiative kritisiert. „Die Argumente des Landes konnten uns nicht überzeugen.“ 1936 sei zuletzt ein Mensch an der Jasmunder Kreideküste zu Tode gekommen. „Wie sieht es denn in den Alpen oder anderen Gebirgen mit der Sicherheit aus? Wer übernimmt da die Haftung auf den Wegen und Abstiegen?“ Burwitz kritisierte die „Diktatur der Verwaltung“: „Will man eine Lösung oder macht man mit dieser Basta-Politik weiter?“, fragte er verärgert.

Antworten darauf gab es kaum. Der zuständige Ministeriumsmitarbeiter war bereits vor Beginn der Debatte wieder abgereist. Beendet ist die Diskussion noch lange nicht. Am Sonnabend wird es im Sassnitzer Hafen eine Demonstration zur Wiedereröffnung des Abstiegs geben. Und auch der Bürgerbeauftragte des Landes hat sich auf Bitten von Hagener Einwohnern des Themas angenommen.

Maik Trettin

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