Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Königsstuhl für Insulaner kostenlos
Vorpommern Rügen Königsstuhl für Insulaner kostenlos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:24 25.08.2018
Mitglieder von Fischerei- und Hafenmuseum und Feuerwehr kamen als erste in den Genuss der neuen Regelung. Quelle: Uwe Driest
Sassnitz

Mit einer Charme-Offensive überraschte Mark Ehlers gestern Nachmittag die Öffentlichkeit der Insel. „Ab sofort und mit keiner zeitlichen Beschränkung gilt, dass Einheimische mit Hauptwohnsitz auf der Insel Rügen gegen Vorlage eines gültigen amtlichen Personalausweises freien Eintritt zu allen Angeboten des Nationalpark-Zentrums Königsstuhl erhalten“, offenbarte der Geschäftsführer der Einrichtung rund zwei Dutzend geladenen Mitgliedern Sassnitzer Vereine. Neben Vertretern des Fischerei- und Hafenmuseums kamen auch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr der Hafenstadt als erste in den Genuss der neuen Regelung. Sie waren von Ehlers und Ingolf Stodian vom Nationalparkamt eingeladen worden, erfuhren aber erst vor Ort von der dauerhaften Regelung.

„Wir gingen zunächst davon aus, dass das nur für heute gilt und sind jetzt positiv überrascht“, sagt Peter Klemm vom Museumsverein. „Das wird sicherlich bedeuten, dass die Besucherzahlen künftig steigen werden.“ Sein Kollege Bernd Nöll ergänzt: „Wir sind ja alle schon mehrfach hier gewesen und wenn wir Besuch bekamen, haben wir uns den erneuten Eintritt erspart und lieber durch den Hafen geführt.“

Regelung ist Antwort auf Diskussion um Abstieg

„Das ist eine feine Sache“, findet auch Feuerwehrmann Henry Musch und Kameradin Cecile Krüger (16) glaubt, „dass wir künftig öfter Veranstaltungen im Infozentrum besuchen werden“. Dem stimmt auch Vanessa Meschge (14) von der Jugendfeuerwehr zu, die bereits von der Ausstellung beeindruckt war, als sie diese mit ihrer sechsten Klasse besucht hatte.

„Wir haben verstanden, dass die Insulaner den Königsstuhl kostenfrei erleben möchten. Bislang war das nur durch den Abstieg zum Strand möglich. Durch fortschreitende Uferabbrüche und die damit verbundenen Gefahren ist diese Möglichkeit den Insulanern nun leider genommen. Das führt zu Unverständnis bei vielen Bürgern, die sich beim Erleben ihrer Heimat eingeschränkt sehen. Nach Schließung des Abstiegs standen wir als Nationalpark-Zentrum vor der Frage, welchen Beitrag wir leisten können, um der allgemeinen Enttäuschung entgegenzutreten“, erläuterte Ehlers die Initiative, für die er zunächst bei die Zustimmung der Teilhaber der Trägergesellschaft seiner Einrichtung eingeholt habe.

Küstendynamik wird hier besonders deutlich

Mit der heutigen Entscheidung einer kostenlosen Öffnung der Königsstuhl-Besuchereinrichtung für alle Insulaner hoffen wir, dass nicht nur der Königsstuhl, sondern auch die Erlebnisausstellung, mit Filmen, Führungen und sonstigen vielfältigen Angeboten verstärkt von den Bürgerinnen und Bürgern der Insel angenommen werden.“ Die neue Regelung gilt auch für die monatlich stattfindenden Vorträge sowie Veranstaltungen und Sonderausstellungen wie die aktuelle zum Thema „200 Jahre Caspar David Friedrich“.

Ingolf Stodian erläuterte nochmals die Hintergründe für die Diskussionen der jüngsten Vergangenheit: „Die Küstendynamik wird an kaum einer anderen Stelle so deutlich, wie hier im Nationalpark an der Kreideküste. Die Erosion wird unaufhörlich weiterarbeiten und die Landschaft formen. Wir möchten den Gästen des Nationalparks vermitteln, dass diese Prozesse keine Bedrohung darstellen, selbst wenn liebgewonnene Plätze verlorengehen. Mit unseren Rangern informieren wir am Königsstuhl Einheimische wie Urlauber gleichermaßen über die Faszination der Wildnis.“

Die neue Regelung sei eine Antwort auf die Debatte um den Abstieg, betonte auch Ehlers. Kurzfristig würden die Einnahmen womöglich etwas absinken, aber langfristig würden alle gewinnen, weil die Insulaner als Multiplikatoren wirken. Damit Einheimische den Nationalpark und seine Einrichtungen ihren Gästen empfehlen können, müssten sie ihn selber kennen. Ehlers: „Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl.“

Driest Uwe