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Rügen Kommunale Betreibergesellschaft für Mönchguter Museen?
Vorpommern Rügen Kommunale Betreibergesellschaft für Mönchguter Museen?
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07:46 09.05.2019
Vor dem Heimatmuseum liegen jetzt zwei Anker vom Museumsgelände am Südstrand. Wenn der große Stockanker restauriert wurde, soll er wieder hier seinen angestammten Platz haben. Quelle: Gerit Herold
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Göhren

Um die Mönchguter Museen zu erhalten und in eine sichere Zukunft zu führen, wollen die Gemeinden Göhren, Mönchgut und Baabe künftig zusammenarbeiten. Ziel ist die Gründung einer kommunalen Betreibergesellschaft. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss soll dazu in den politischen Gremien gefasst werden. Die Mitglieder des Göhrener Ausschusses für Finanzen und Tourismus haben sich am Montag bereits dafür ausgesprochen. Der nächste Schritt ist die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, über deren Mitglieder die neuen Gemeindevertretungen nach der Kommunalwahl befinden werden. Bis zum März nächsten Jahres soll zudem ein Konzept erarbeitet werden. In diesem soll geklärt sein, welche Unternehmensstruktur die beste und kommunalrechtlich sicherste ist, wie Betreibung und Finanzierung glücken, Fördermittel eingeworben und die Sammlung weiter aufgearbeitet werden können. „Wir wollen erst einmal auf Mönchgut einen Stamm aufbauen und später möglichst noch weitere Orte mit ins Boot holen“, so Bürgermeister Wolfgang Pester.

50000 Exponate

Denn klar ist: Göhren kann das Thema Mönchguter Museen nicht allein anpacken. Diese „freiwillige Aufgabe“ sei zu groß und zu teuer für den kleinen Ort, meint der Landesrechnungshof und rät sogar, die Einrichtungen am besten zu schließen und abzustoßen und den Fundus zu verschenken. In Göhren zählen zu den Mönchguter Museen das Heimatmuseum, der Museumshof, das Museumsschiff „Luise“ sowie das Rookhus und das Haus Damp. Die kulturhistorische Sammlung, mit der Museumsgründerin Ruth Bahls aus Göhren (1909 bis 1994) in den 50er Jahren begonnen hatte, umfasst weit über 50000 Exponate: Gemälde, Fotos, Bücher, Möbel, Spielzeug, Haushaltsgegenstände, Arbeitsgeräte, Kutschen, Textilien, Glas, Porzellan, Archivunterlagen.

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Landesrechnungshof macht Pläne zunichte

„Die Prüfer haben uns mit einer Heimatstube im Schwarzwald verglichen“, ist Kurdirektor Jörn Fenske erbost. Der Kommunale Eigenbetrieb Kurverwaltung (KEB) betreibt die Museen. Zahlen, Fakten und Investitionen für das geplante neue Konzept „Pommersches Trachtenmuseum“ als wissenschaftlich arbeitendes Museum seien genau geprüft worden. „Sie meinten, dass das Museum nicht laufen wird“, so Fenske. Für den Kurdirektor eine „Blutgrätsche“. Denn damit wurde von Behördenseite aus der Traum zerplatz, das vor über fünf Jahren angeschobene deutsch-polnische Projekt mit Leben zu füllen. Die inhaltliche Ausrichtung des Göhrener Museum sollte Bestandteil des Polnisch-Deutschen Geschichtsforums sein, für das die Mönchguter zusammen mit ihren Partnerstädten Karlino und Walcz (beide Polen) europäische Fördermittel in Höhe bis zu 1,74 Millionen Euro beantragt hatte. Diese wurden auch zugesagt. Allerdings hatte Göhren Probleme, den Eigenanteil zu finanzieren.

In die Sanierung des denkmalgeschützten Heimatmuseums und die Errichtung des modernen Anbaus für die Trachten sind bereits 700000 Euro investiert worden. Der Anbau steht nun im zweiten Jahr schon leer. Die im letzten Jahr extra neu eingestellte Museumsmitarbeiterin musste nach ihrer Probezeit wieder gehen, bedauert Fenske. Die neue Sachbearbeiterin sollte mithelfen, den Fundus aufzuarbeiten. Diese Vollzeitstelle war eigentlich auf drei Jahre befristet. Auch werden derzeit original Mönchguter Trachten aufwendig restauriert, die im nächsten Jahr im neuen Anbau ausgestellt werden sollen.

Denn Göhren will seinen Schatz bewahren, der Öffentlichkeit präsentieren und somit die Geschichte Mönchguts erzählen. Die Ausrichtung der Mönchguter Museen, zu denen auch Schulmuseum und Hallenhaus Middelhagen, Lotsenturm Thiessow, Pfarrwitwenhaus Groß Zicker, Küstenfischermuseum Baabe und Sturmwarnsignalmast Göhren gehören, soll kulturhistorisch und touristisch sein. Um nachhaltig Möglichkeiten für eine Betreibung zu finden, braucht man Partner und Unterstützer. Zur Beteiligung an einer Museumsgesellschaft fragte Göhren auch bei Unternehmen im Ort an. „Die Resonanz war sehr gering“, so Jörn Fenske. Die zweite Variante mit den Gemeinden sei der sichere Weg im Umgang mit dem kulturhistorischen Erbe der Region.

Neue Sonderausstellung im Heimatmuseum

Der KEB hatte 2014 die Regie für die musealen Einrichtungen in Göhren übernommen. Diese hatte zuvor der Museumsförderverein zwölf Jahre lang erfolgreich betrieben, hätte aber nicht mehr weiter die Kosten für Personal und Unterhaltung aufbringen können. Der Verein kümmert sich seither um das Rookhus und öffnet es auch in diesem Jahr wieder für Besucher – und zwar seit gestern bis Ende Oktober immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 16 Uhr.

Das Heimatmuseum startet am 19. Mai in die Saison mit der Sonderausstellung „Mit Pinsel und Farbe – Bilder der Insel Rügen.“ Zusehen sind Arbeiten von Tom Beyer, Elisabeth Büchsel, Erna Ottilie Bercht, Wilhelm Zimmer und Hans Porwoll. Geöffnet ist dienstags, donnerstags und sonnabends von 10 bis 16 Uhr.

Gerit Herold