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Rügen „Chaos lässt sich nicht mehr heilen“
Vorpommern Rügen „Chaos lässt sich nicht mehr heilen“
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10:27 11.04.2019
Große Teile von Rügens kleine Schwester Ummanz gehören der Hansestadt Stralsund. Quelle: Uwe Driest
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Ummanz

Muss das Verfahren zur Restitution von Flächen der Gemeinde Ummanz, die nach der Wende der Hansestadt Stralsund zufielen, neu eröffnet werden? Das könnten sich zumindest einige Einwohner von Rügens kleiner Schwester aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Kerstin Kassner (Linke) erhoffen. Rügens ehemalige Landrätin hatte 16 Fragen zur „Zuordnung ehemaliger volkseigener Güter auf der Insel Ummanz“ gestellt, um die komplizierten Vermögensverhältnisse auf Ummanz und die Restitutionsprozesse nach der Wende aufzuklären. „In der Wendezeit wurde politisch entschieden, die Bodenreform teilweise rückgängig zu machen. Das führte dazu, dass auf Ummanz das merkwürdige Konstrukt entstand, dass die Gemeinde an einigen Grundstücken Verwaltungs- aber kein Finanzvermögen besitzt. Dieses Chaos wurde ohne Not herbeigeführt und lässt sich heute nicht mehr heilen“, so Kassner.

Nach der Wende hatte die Hansestadt Stralsund auf zahlreiche Flächen auch im Gemeindegebiet von Ummanz Anspruch erhoben, weil sie sich als Rechtsnachfolger des ehemaligen Klosters zum Heiligen Geist sah. Die Auffassung hatte zwar den damaligen Bürgermeister Olaf Mühsebeck, der heute Klut heißt, nicht überzeugt, „aber Stralsund verfügte über die besten Anwälte und offenbar auch die besseren Beziehungen“. Um Bewegung in die Angelegenheit zu bringen, habe die Gemeinde deswegen aus pragmatischen Gründen einer Vereinbarung zugestimmt, welche die Flächen der Hansestadt zuordnete, die sich im Gegenzug am Ausbau der Infrastruktur der Gemeinde Ummanz hätte beteiligen wollen. Ob diese vertraglichen Vereinbarungen jemals umgesetzt worden seien, wäre heute nur noch schwer nachvollziehbar.

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Diese Vereinbarungen hätten zudem beinhaltet, dass Stralsund verpachtete Liegenschaften an die Bewohner verkaufen oder ihnen lebenslange Wohnrechte einräumen sollte, meint Kassner. „Das ist nur zum Teil passiert.“ Stattdessen sähen sich die Mieter mit regelmäßigen Pachterhöhungen konfrontiert. „Auf keinen Fall dürfen aber nun Diejenigen darunter leiden, die auf Ummanz Häuser besitzen, die sich auf Stralsunder Grundstücken befinden“, meint die Politikerin. „Die Hansestadt sollte unbedingt auf die Erhöhung der Pachtgebühren verzichten."

Dabei weiß sie die Opposition in der Gemeindevertretung an ihrer Seite. „Die Verhandlungen zur Restitution sind in der wilden Zeit Mitte der Neunziger Jahre geführt worden“, sagt Dani Neubeck von der Wählergruppe Region Ummanz (WRU). Die Zuordnungsvereinbarung habe dann geregelt, dass die lukrativen Flächen an Stralsund gegangen seien. Deren Fernziel wäre eine Pacht von fünf Euro je Quadratmeter, habe es seinerzeit hinter vorgehaltener Hand aus dem Stralsunder Liegenschaftsamt geheißen. Vor etwa zwei Jahren habe die WRU daher angeregt, die Pachten auf das ortsübliche Maß zu orientieren.

Auf der anderen Seite des Strelasunds versteht man die Aufregung nicht. „Die Hansestadt Stralsund hat auf Ummanz aktuell die Pachten nicht erhöht, es herrscht kein ’Chaos’, niemand ist von stark erhöhten Pachtgebühren bedroht, zudem gibt es derzeit keinen aktuellen Streitfall wegen einer Pachthöhe“, teilt Peter Koslik, Sprecher von Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) mit. Dass ähnliche Probleme auch auf der Nachbarinsel Hiddensee bestehen, wo Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) unlängst den Versuch einer Moderation unternahm, kommentiert Koslik etwas nebulös: „Stadt und Ministerium stehen zur Thematik in Kontakt.“

Wie eine Einigung zwischen Pächtern, Hansestadt und den Gemeinden Ummanz und Hiddensee aussehen könnte, bleibt vor diesem Hintergrund unklar. „Meines Wissens sind die Vereinbarungen alle längst rechtskräftig“, sagt Rainer Schultz, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Westrügen und fragt sich, ob es Sinn machen könne, die Rechtsnachfolge gegebenenfalls rückwirkend bis zur Reformation neu aufzuschlüsseln.

Der Ummanzer Bürgermeister Holger Kliewe (CDU) äußerte sich zum Thema nicht gegenüber der OZ. Kerstin Kassner möchte sich nun Anfang Mai mit betroffenen Ummanzer Bürgern zusammensetzen.

Stralsunder Grundbesitz auf Rügen und Hiddensee

Südwest-Rügen: Gurvitz, Breesen, Grabitz, Rambin, Drammendorf, Rothenkirchen, Altefähr, Gustowerhöfen, Groß Bandelvitz, Grahlhof, Jarkvitz, Nesebanz, Sellentin, Warksow, Benz, Teschenhagen, Groß Kubbelkow, Stönkvitz, Bietegast, Strachtitz, Freesenort, Wusse, Mursewiek, Suhrendorf, Waase, Ummanz, Markow, Tankow.

West-Rügen: Bakenberg, Starrvitz, Fernlüttkevitz, Mattchow, Zühlitz, Altenkirchen, Presenske, Breege, Lobkevitz, Schmantevitz.

Hiddensee: Kloster, Vitte, Neuendorf, Grieben.

Uwe Driest

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