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Rügen Kracht mahnt: Tourismus-Aspekt nicht vernachlässigen
Vorpommern Rügen Kracht mahnt: Tourismus-Aspekt nicht vernachlässigen
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00:00 15.12.2017
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Lohme

/Sassnitz. Bisher waren es vor allem die Lohmer, die die Sperrung der Treppe am Königsstuhl nicht einfach hinnehmen wollten. Jetzt sieht man offenbar auch in Sassnitz weiteren Diskussionsbedarf. Die Stadt, auf deren Territorium sich das Rügener Wahrzeichen und der Abstieg befinden, hatte dem Land mit den in ihrer Stellungnahme geäußerten Sicherheitsbedenken eine Steilvorlage zur Sperrung des Abschnitts geliefert. Dieser Aspekt sei aber nur einer von vielen, sagt jetzt der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht. Er hatte sich mit Vertretern der Lohmer Initiative getroffen. Sein Fazit: „Wir sehen weiteren Redebedarf und möchten deshalb die Beteiligten zu einer Gesprächsrunde einladen.“ In dieser wollen die Sassnitzer und Lohmer mit Minister Backhaus und Vertretern des Nationalparkamtes das Für und Wider diskutieren.

Schließt Sassnitz sich dem Lohmer Protest an? So weit will Kracht in seiner Formulierung denn doch nicht gehen. Nach wie vor hege er Sicherheitsbedenken. Aber nach der Zusammenkunft mit den Vertretern der Nachbargemeinde gebe es neue Ansatzpunkte, die bisher vernachlässigt worden seien. „Angesichts der hohen Zahl der Besucher an dem Strandabschnitt dürfen wir das touristische Anliegen nicht unter den Tisch kehren“, sagt Kracht und verweist auf eine von Schwerin vorgenommene Schätzung: „Weit über 100000 Besucher nutzen jährlich den Abstieg zum Strand“, heißt es in der Antwort des Landes auf ein Schreiben, das der Gemeindevertreter Burkhard Rahn und andere Lohmer vor wenigen Wochen an den Landwirtschaftsminister geschickt hatten.

Damit bestätigt das Ministerium indirekt die Argumentation der Lohmer. Die hatten immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig der Abstieg für die Besucher der Insel, des Königsstuhls und des Nationalparkzentrums sei. Verlässliche Zahlen gab es dazu aber bislang nicht. Dem Land sind es einfach zu viele Menschen, die am Fuße des Königsstuhls wandern. „Mit zunehmender Besucherzahl steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Strandbesucher zu Schaden kommen“, heißt es in dem Brief. Aus Gründen der Sicherheit wolle man „das Besucheraufkommen zukünftig auf dem gesamten Strandabschnitt zwischen dem Abstieg am Kieler Bach und dem am Königsstuhl stark reduzieren“.

Die Sicherheit sei nur ein vorgeschobener Grund, vermutet Rahn. „In Wirklichkeit geht es denen darum, den Wartungsaufwand für eine Treppe einzusparen.“ Den Landesbediensteten könne es ja egal sein, schimpft er. „Die leben ja nicht von den Touristen, sondern von Steuergeldern.“ Als nicht schlüssig bezeichnet auch Guido Hoenig das Sicherheits-Argument. „Es ist viel gefährlicher, wenn die Leute gar nicht auf Wegen gehen, als wenn sie gefährliche Wege benutzen.“ Ein Abstieg sei die beste Form der Besucherlenkung.

„Wenn 100000 Menschen den Hochuferweg nehmen, ist das nicht weniger gefährlich als am Strand“ findet Jörg Burwitz. Auch seine Familie lebt vom Fremdenverkehr. Im Falle der Treppe am Königsstuhl kollidiert seiner Ansicht nach das Interesse der Tourismuswirtschaft mit dem des Naturschutzes: Die einen freuen sich über die Gäste, die anderen wollen sie möglichst raushalten. „Wenn die Tourismuszahlen bereits gesunken sind, ist es zu spät“, hat Sabine Korneli aus Hagen in einem Brief an den Sassnitzer Bürgermeister sowie an Umweltverbände und -behörden geschrieben. „Es dauert sehr lange und kostet viel Geld, verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen“, sagt sie und mahnt, die Wünsche der Gäste nicht aus den Augen zu verlieren.

Maik Trettin

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