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Rügen Kritik: Keine Busse zum Kap und zum Jagdschloss
Vorpommern Rügen Kritik: Keine Busse zum Kap und zum Jagdschloss
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08:00 28.04.2018
Seit 27 Jahren fährt der Jagdschlossexpress durch die Granitz zum Schloss, seit einem Jahr mit einer E-Bahn. Quelle: Christian Rödel
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Binz

Der Nahverkehr will sein Angebot verbessern und baut sein Liniennetz aus. Dass die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) ab Mitte Mai mit Bussen bis zum Kap Arkona fährt, stößt im Inselnorden auf Entsetzen. „Wir haben seit 25 Jahren ein Verkehrssystem, das auf Verkehrsberuhigung ausgerichtet ist, was damit unterwandert wird“, ist Putgartens Bürgermeisterin Iris Möbius verärgert. Mit Arkonabahn, Kutschen, Fahrrädern und Fußgängern seien die engen Straßen ausgelastet,, sieht sie eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer. „Wir haben keine Bürgersteige, die Leute laufen auf der Straße.“

Um der Nachfrage von Einheimischen und Gästen gerecht zu werden, will die VVR neue Linien, kürzere Fahrtzeiten und verdichtete Taktzeiten anbieten (die OZ berichtete). Bisher stiegen die Fahrgäste in Putgarten aus dem Bus aus und in die Bahn ein, nun wird der Nahverkehr auf der Linie 14 bis zur neuen Haltestelle am Kap fahren. „Die Gemeinde hat dazu eine negative Stellungnahme im Straßenverkehrsamt des Landes abgegeben, die nicht zur Geltung gekommen ist. Wir werden nun weitere Schritte einleiten“, kündigt Möbius an.

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Auch dass ab Juni Busse zum Jagdschloss Granitz fahren sollen, findet das Biosphärenreservat kontraproduktiv. „Wir haben damit ein riesiges Problem“, sagt Amtsleiterin Cathrin Münster. „Wir sind hier im Naturschutzgebiet, da ist es mit Dieselbussen sehr problematisch.“ Bisher sei der Verkehr restriktiv, die Schranke nicht umsonst da. Jede Fahrt mit Auto oder Bus – zum Beispiel bei Veranstaltungen – bedarf einer Genehmigung. Seit 20 Jahren fährt der Jagdschlossexpress mit Sondergenehmigung von der Gemeinde Binz die schmale und seinerzeit entwidmete Straße hoch zum Schloss, seit einem Jahr mit E-Bahnen. E-Mobilität sei das Zukunftsmodell. „Wir wollen das Thema Elektromobilität auf Rügen weiter vorantreiben, Modellregion sein. Das wäre jetzt eine Rolle rückwärts“, so Münster. Derzeit sei man mit der VVR und der Gemeinde Binz im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Welche? Cathrin Münster hat noch keine Antwort.

Das Thema Bus oder Bahn erhitzt seit Wochen in Binz die Gemüter. Mitte Mai startet die neue VVR-Linie 27, auf der ein Ortsbus zwischen Binz und Prora und bis zum Naturerbe Zentrum verkehrt. Den sollen Gäste und Binzer mit (Einwohner)-Kurkarte nutzen können. Über eine kurtaxfinanzierte Einbindung von OPNV-Orts- und Regionalverkehren des VVR wird gerade in den politischen Gremien beraten.

Im letzten Jahr hatte Kurdirektor Kai Gardeja die Erhöhung der Kurtaxe auf 2,85 Euro unter anderem auch damit begründet, dass die Kurkarteninhaber die kostenfreie Binzer Bäderbahn ab 2018 auch mit Anbindung von Prora, Naturerbe Zentrum und Jagdschloss nutzen können (die OZ berichtete). Geplant war dies langfristig mit einem elektrifizierten touristischen Bäderbahnbedarfsverkehr. Für den hatte es eine Ausschreibung der Kurverwaltung gegeben, bei der die Jagdschloss & Ausflugsfahrten GmbH die Zusage für das wirtschaftlichste Angebot erhielt. Er sei daraufhin in Vorleistung in Millionenhöhe gegangen und habe die Anschaffung von zwei E-Bahnen angeschoben, die vom Jagdschlossexpress-Tochterunternehmen Firma Sightseeing-Trains Rügen GmbH gebaut wurden und werden, so Inhaber Roger Pieniak, der zudem alle Genehmigungen vorweisen könne. Dann zog Binz für ihn unerwartet die Zusage zurück, weil ein Privatunternehmen die Tarife des öffentlichen Personenverkehrs nicht unterlaufen dürfe (die OZ berichtete). Dass auf Wunsch der Gemeinde auch Busse zum Jagdschloss fahren, ist für Pieniak ein Schock. Der Binzer Unternehmer sieht sich in seiner Existenz bedroht. Seine Fahrten zum Jagdschloss (Erwachsene 9 Euro) und nach Prora bis Naturerbe Zentrum betreibt er seit vielen Jahren privatwirtschaftlich. „Es wird keiner mehr einsteigen, wenn daneben der kostenlose Bus fährt. Dann kann ich Konkurs anmelden“, so Pieniak, der bisher auch die kurtaxefinanzierte Binzer Orts-Bäderbahn fahren lässt. Dieser Vertrag laufe Ende des Jahres aus.

„Es geht hier nicht um Personen, sondern um die Sache“, erklärt Betriebsausschussvorsitzender Ulf Dohrmann. Keiner wolle einem etwas wegnehmen. Es werde eine neue Ausschreibung geben. Busse und Bahn sollen vielmehr wie ein Zahnrad ineinandergreifen und nicht konkurrieren. Für Einheimische und Gäste sei das Angebot flexibler. „Je mehr man mit Kurkarte machen kann, also mit Bus und Bahn zu fahren, um so attraktiver wird die Kurkarte, insbesondere die Tageskurkarte“, so Dohrmann.

„Bis zu einer neuen Ausschreibung bin ich vielleicht nicht mehr da“, so Pieniak. Er hat gegen die Absage der Kurverwaltung Widerspruch eingelegt.

Herold Gerit

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