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Rügen Neue Farbgebung für Insel-Kapelle stößt auf Kritik
Vorpommern Rügen Neue Farbgebung für Insel-Kapelle stößt auf Kritik
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07:42 13.07.2017
Derzeit nur von weitem zu betrachten: Die Kapelle Vitt wird derzeit saniert und bekommt einen neuen Anstrich in einem hellen Terrakottaton. Quelle: Foto: Anne Ziebarth
Vitt

Die geplante Umgestaltung der kleinen Kapelle in Vitt ist derzeit das Gesprächsthema Nummer eins im Inselnorden. Bei Bauarbeiten an der 1816 fertiggestellten Kapelle war eine alte Farbschicht entdeckt worden, die darauf hindeutet, dass das Gotteshaus ursprünglich in einem hellen Terrakottaton gestrichen war. Nach einer Bauberatung hat jetzt der Kirchengemeinderat entschieden, die Kapelle zeitnah mit ihrer Ursprungsfarbe zu versehen.

Der Kirchengemeinderat hat sich für die Außengestaltung der Vitter Kapelle in Terrakottaton entschieden. Die Farbe soll die Ursprungsfarbe des Gotteshauses gewesen sein. Einwohner Vitts kritisieren die Pläne und wünschen sich die Beibehaltung der bisherigen schneeweißen Färbung.

Bei den Vittern stoßen die Gestaltungspläne der Kapelle, die nach den Entwürfen des Architekten Schinkel errichtet wurde, auf Widerstand. „Nie sprach einer der Vorfahren davon, die Kapelle sei mal farbig gewesen“, schreibt Rita Stahnke aus Vitt in einem Leserbrief im Namen aller Einwohner Vitts an die OZ. „Alte Fotos zeigen die Kapelle immer in strahlendem weiß.“ Es sei der Wunsch der Einwohner, dass die Kapelle wieder weiß gestrichen werde. „Egal, wie sie früher aussah – man kennt sie in weiß und so sollte sie meiner Meinung nach auch bleiben“, sagt OZ-Facebook-Leserin Ute Pomaska. „Fügt sich so besser ins Gesamtbild, als in Terrakotta.“

Maßgeblich für die Entscheidung der Kirchengemeinde sei letztendlich die Empfehlung des Denkmalschutzes gewesen. „Uns wurde nahegelegt, uns an die Originalfarbgebung zu halten“, erklärt Pfarrer Christian Ohm. „Sicherlich ist es schwierig, sich von liebgewonnenen Sehgewohnheiten zu verabschieden, aber die Tatsache, dass es sich wirklich um die unterste Farbschicht handelt, hat auch mich überzeugt.“ Zu diesem Ergebnis waren Experten des Denkmalschutzes gekommen, nachdem sie bei der Entfernung des Putzes der Kapelle winzige Farbreste entdeckt haben, die aus der untersten – also ältesten – Farbschicht des Gebäudes stammen.

Von diesem Ergebnis ist der Restaurator Klausdieter Moldenhauer nicht überzeugt. „Ich habe die Kapelle in den 1980er Jahren untersucht und wir haben keine Reste von Terrakottafarbe gefunden“, sagt er. „Ich denke, dass die Kapelle zur Bauzeit weiß war. Dafür spräche unter anderem der Kostenaspekt. „Kalk war preiswert und bereits seit dem 16. Jahrhundert genügend vorhanden. Schiffe aus Gotland, die hier Getreide einkauften, hatten als Ballast auf der Hinfahrt häufig Kalk geladen, den gibt es auf Gotland nämlich reichlich“, erzählt Moldenhauer. „Wenn die Schiffe dann beladen wurden, blieb der Kalk hier.“

In Kalkbrennereien, wie in Klementelvitz, wurde der Rohstoff aufbereitet, Fischer versetzten den Kalk dann noch mit Heringssud. „Durch das Eiweiß und Fett in dem Sud entsteht ein haltbarer Anstrich, der für Außenfassaden in Fischerdörfern, aber auch in der Bäderarchitektur typisch ist“, erklärt der Restaurator, der auch schon mit Arbeiten im Jagdschloss Granitz und im Schloss Spyker betraut war.

„Ein farbiger Anstrich der Außenfassade sei außerdem viel zu teuer gewesen.“ Nicht ausschließen könne er, dass die Kapelle in ihrer Geschichte einmal terrakottafarben gewesen sei. „Es gibt Kaufbelege des Fürsten Malte zu Putbus für Farbe, die mit pulverisierten Ziegeln versetzt ist“, weiß er. „Die Farbe wurde aus Schweden importiert. Der Zeitraum, in dem diese Farbe Verwendung fand, liegt allerdings deutlich später als die Bauzeit der Kapelle.“

Derzeit ist die kleine Kapelle eingerüstet, es werden dringend notwendige Sanierungsarbeiten unter anderem am Fundament und den Fenstern ausgeführt. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten fertiggestellt werden. „Leider haben wir noch größere Schäden, zum Beispiel an den Fensterkreuzen, feststellen müssen, als kalkuliert. Jetzt liegen wir bei Gesamtkosten von rund 200 000 Euro“, informiert Ohm. „In diesem Jahr wollen wir die Außensanierung fertigstellen. Die kostet etwa 150 000 Euro.“

Der Pfarrer hofft auf mehr Akzeptanz, wenn die neue Farbe angebracht ist: „Ich denke, man wird sich schnell daran gewöhnen.“

Kapelle Vitt

Die Kapelle Vitt feierte im vergangenen Jahr ihr 200. Jubiläum, sie entstand zwischen 1806 und 1816 am Hochufer des Fischerdorfes Vitt nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel. Errichtet wurde die achteckige Kapelle auf Anregung des Altenkirchener Pastors Ludwig Gotthard Kosegarten, der auch für die Seelsorge der Fischer in Vitt zuständig war. Derzeit wird die Kapelle saniert, die Außenarbeiten sollen 2017 abgeschlossen sein.

Anne Ziebarth

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