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Rügen Lancken-Granitz: Orgel erklingt wie vor 100 Jahren
Vorpommern Rügen Lancken-Granitz: Orgel erklingt wie vor 100 Jahren
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17:28 29.10.2019
Orgelbaumeister Rainer Wolter und Pastorin Christel Handt setzten die letzten Prospektpfeifen ein, die noch eine Schutzfolie haben. Quelle: Gerit Herold
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Lancken-Granitz

Die Orgel in der Kirche von Lancken-Granitz mochte Thomas Klee bisher gar nicht. „Der Klang war schlimm und verzögert. Man wusste nie, wie die Töne kommen“, meint der Binzer Kantor. Für den Gottesdienst war die Orgel zwar im Einsatz, aber als Konzertinstrument eher nicht zu gebrauchen. Umso gespannter ist er, wie das Instrument am Reformationstag erklingen wird. Dann soll die Grüneberg-Orgel nach ihrer Restaurierung beim Gottesdienst um 10 Uhr feierlich eingeweiht werden – und der historische Klang erstmals wieder zu hören sein.

Dass dies gelingt, dafür hat Orgelbaumeister Rainer Wolter das königliche Instrument in aufwendiger und akribischer Arbeit grundlegend repariert und gereinigt und somit wieder konzertfähig gemacht. Das Entscheidende dabei: Die 33 Prospektpfeifen, die im Orgelgehäuse zu sehen sind, wurden neu angefertigt und sind wieder aus Zinn.

Pfeifen aus Dachrinnenblech

Denn 1917 wurden die ursprünglichen zinnenen Pfeifen ausgebaut, weil Metall für den Ersten Weltkrieg benötigt wurde. Seinerzeit verschwanden deshalb vielerorts aus den Gotteshäusern Pfeifen und Kirchenglocken.

Die Lancken-Granitzer Zinn-Pfeifen wurden ein paar Jahre später durch welche aus Zink ersetzt. „Das war quasi Dachrinnenblech“, so Rainer Wolter. Der erfahrene Orgelbauer, der schon bei 90 Prozent der Orgeln auf der Insel Rügen einmal Hand angelegt hat, freut sich, dass nun wieder nach historischem Vorbild das Original-Metall eingesetzt werden konnte. „Der Klang war vorher kein Genuss und wird nun ein völlig neuer sein“, ist sich Wolter sicher.

Orgel wurde 1860 von Grüneberg gebaut

Die Orgel in der mittelalterlichen St.-Andreas-Kirche wurde 1860 von Barnim Grüneberg aus Stettin erbaut. Im Jahre 1909 erfolgte unter Einbeziehung einer älteren Orgel ein kompletter Umbau des Instrumentes durch die Firma Grüneberg. Dabei wurde das ursprünglich als rein mechanisch seitenspieliges Brüstungswerk erbaute Instrument auf pneumatische Kegelladen umgerüstet.

Für Rainer Wolter ist die Orgel im beschaulichen Lancken-Granitz keine unbekannte Arbeitsstelle. Schon im Jahre 2001 hatte er das Instrument repariert. Die jetzige Sanierung war lange geplant und hatte vor drei Wochen begonnen. Dabei hat Rainer Wolter die Orgel mit 405 Pfeifen komplett auseinandergebaut, repariert, gesäubert und gestimmt. Dabei erneuerte er kaputte Holzpfeifen oder deren verschlissene Füße sowie etliche Teile, die vom Holzwurm zerstört waren.

Einblicke in die Arbeit eines Orgelbauers

In der letzten Woche kamen dann die in einer Dresdener Werkstatt hergestellten Prospektpfeifen als „Rohlinge“ auf die Insel gereist. Jede einzelne Pfeife musste Rainer Wolter für ihre klangliche Optimalform „zurechtschnitzen“. „Neue Pfeifen sind ohne Ton. Jede Pfeife wird auf Ton geschnitten. Wir holen aus jeder Pfeife erst den richtigen Ton raus“, schmunzelt Wolter.

Einzige Orgelbauwerkstatt auf Rügen

Der Orgelspezialist, seit 1984 freiberuflich als Orgelbauer, Stimmer und Restaurator für Kirchen und Konzerthallen tätig, konnte dabei auf eine jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen. Er hat schon Arbeiten an mehr als 180 historischen Orgeln, vorwiegend im nord- und mitteldeutschen Raum, durchgeführt. Seine Orgelbau- und Restaurierungswerkstatt ist die erste und einzige auf Rügen. 1995 hat er sie in Zudar eröffnet, seit 2006 ist der Hauptsitz in Dresden.

Die Orgel-Restaurierung wurde mit 4200 Euro aus dem „Denkmalfonds der Nordkirche“ unterstützt, informiert die für die evangelischen Kirchengemeinden Binz, Zirkow und Lancken-Granitz zuständige Pastorin Christel Handt. Fast die gleiche Summe sei zudem durch Spenden hinzugekommen.

Orgelwein zur Weihe

Einer alten Handwerkstradition folgend, soll im Anschluss an den Gottesdienst am Donnerstag sogenannter Orgelwein fließen. Zur Orgelweihe wird dabei so viel Wein ausgeschenkt, wie Liter in die größte Orgelpfeife passen würden. Die größte Pfeife in Lancken-Granitz ist 2,40 Meter lang, was 60 Liter Wein bedeuten würde. Doch so ganz traditionell soll es dann doch nicht sein. Ein Weinhändler aus Radebeul, der einen Stand beim Weinfest in Binz hatte, habe zwei Kartons Saale-Unstrut-Wein zur Verfügung gestellt, so Christel Handt

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