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Rügen Landesmutter beim „produktiven Einsatz“
Vorpommern Rügen Landesmutter beim „produktiven Einsatz“
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00:00 18.08.2017
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Gustow/Poseritz/Rothenkirchen/Neklade

Als Manuela Schwesig den idyllischen Platz der Kaffeetafel unter einer 150 Jahre alten Eiche lobt, lassen Claudia und Axel Kajahn die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen. Die Betreiber des Landgasthofs in Prosnitz werben für eine Anwendung des Alleenerlasses der Landesregierung, „die den Erhalt der grünen Tunnel auf der Insel Rügen möglich macht“. Die frischgebackene Ministerpräsidentin punktet mit dem Bekenntnis: „Unsere Alleen sind etwas ganz Besonderes. Wir Autofahrer müssen uns an die Alleen anpassen und nicht umgekehrt.“

Ihr erster Besuch als Landesmutter führte Manuela Schwesig am Donnerstag im Rahmen einer „Erntebereisung“ an vier Orte der Insel. Bei einem Zwischenstopp auf freier Fläche überließ Michael Holz von der Agrargesellschaft Gustow der Regierungschefin vorübergehend das Steuer seines Mähdreschers. Das weckte Erinnerungen an deren Studienzeit: „Früher hatten wir ja den ’produktiven Einsatz’ in der Landwirtschaft zu leisten und mussten Tomaten und Rüben ernten. So einen schönen Mähdrescher hatten wir da aber noch nicht.“

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Warum während des Besuchs der Ministerpräsidentin die Arbeit nicht unterbrochen werden konnte, erklärte Peter Geißler, Bürgermeister von Gustow und Vorsitzender der dortigen Agrargesellschaft: „Man kriegt zur Zeit keinen Mähdrescher gemietet, weil die Zeitfenster ohne Regen in diesem Sommer so knapp sind.“ Auch, dass er froh sei, auf die Produktion von Zuckerrüben gesetzt zu haben, lässt er Schwesig wissen, „weil der Raps uns Probleme macht“. Die Ausbreitung der hübsch in gelb blühenden Pflanze würde immer größer und die zeitlichen Abstände, in der sie angebaut werden, immer kleiner.

„Das führt dazu, dass auch Krankheiten und Schädlinge zunehmen“, so Geissler.

Und die dürfen heute nicht mehr mit Neonicotinoiden bekämpft werden, weiß Rico Remien, Chef der Agrar-Produktions- und Vertriebsgemeinschaft in Rothenkirchen, einer weiteren Station von Manuela Schwesig. Sein Landhandel hat sich auf die Produktion von kaltgepresstem Rapsöl spezialisiert.

Durch die Poseritzer Molkerei führt Geschäftsführerin Sylva Rahm-Präger. Dort arbeitet in seinen Ferien auch Ole Kircher (16), der erst am selben Tag von dem hohen Besuch erfuhr. Seine Landesmutter findet er „auf jeden Fall nett“. Anders, als man schon mal höre, „hat sie interessiert zugehört und klang doch alles, was sie sagte, sehr echt“. Während des Besuchs in der Molkerei wird eine weitere Spezialität von der Insel zum Thema. „Wer, wenn nicht das Deutsche Milchkontor, Deutschlands größte Molkerei, könnte es sich leisten, ein Label wie den ’Rügener Badejungen’ am Leben zu erhalten?“, fragt Landesbauernpräsident Detlef Kurreck, der Schwesig ebenfalls begleitet.

Die Tradition der jährlichen Erntebereisung führte Ministerpräsident Erwin Sellering ein und Schwesig möchte daran festhalten. Der direkte Kontakt zur Regierungschefin ist dem obersten Bauernfunktionär jedenfalls sehr willkommen. „Heutzutage erhält derjenige Gehör, der am lautesten ist“, glaubt er. „ Wenn Schäfer sich über den Wolf beschweren, beklagen sich die Fischer darüber, dass der Kormoran kein Thema mehr ist.“ „Gut, dass Ihnen das genauso geht“, entgegnet Schwesig vielleicht mit Blick auf die abschließende Auswertung in den Räumen der Agrargenossenschaft von Neklade.

Dort soll sie auf den gesamten Landesvorstand sowie die Vorsitzenden der Kreisbauernverbände treffen. Unter anderem wollen Rügens Bauernchef Walter Lonskowski und Karin Pisch, Geschäftsführerin des Bauernverbands der Insel, ihr dort Listen mit gegen die Ausgleichspläne von NordStream gesammelten Unterschriften übergeben. Von denen wären Landwirte vor allem in den Bereichen von Poseritz und Putbus betroffen. „Rügen ist nicht nur die schönste, sondern auch die ertragreichste Region“, wärmt Detlef Kurreck das Thema schon einmal an.

Uwe Driest

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