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Rügen Nach der Wahl: Welche Rügen-Themen nehmen die SPD-Kandidaten mit in den Landtag?
Vorpommern Rügen

Landtagswahl: Diese Themen will die SPD für Rügen vertreten

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09:12 28.09.2021
Sylva Rahm-Präger und Heiko Miraß wurden von den Rüganern als Direktkandiaten gewählt.
Sylva Rahm-Präger und Heiko Miraß wurden von den Rüganern als Direktkandiaten gewählt. Quelle: Christian Rödel
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Insel Rügen

Zwei Politiker von der Insel Rügen werden künftig im Landtag vertreten sein, beide von der SPD. Heiko Miraß und Sylva Rahm Präger machten das Rennen in der Direktwahl gegen die CDU-Kandidaten Holger Kliewe und Julia Präkel und Thomas Naulin von der AfD. Doch mit was kann der Rügener jetzt rechnen? Welche Insel-Themen nehmen die Kandidaten mit nach Schwerin? Wir haben nachgefragt.

Heiko Miraß: Tourismusgesetz als Lösung

„Wir müssen uns dringend mit dem Thema befassen, was die Menschen hier umtreibt – nämlich der nachhaltigen Entwicklung des Tourismus auf der Insel“, so Heiko Miraß. „Wie kann man Konflikte zwischen Wirtschaft und Umwelt vermeiden? Welche Tourismusstruktur wollen wir?“ Dafür sei es in Heiko Miraß’ Augen nötig, einen Rahmen auf Landesebene zu setzen. „Die Weiterentwicklung des kommunalen Abgabengesetzes im Juni war ein guter Schritt, aber wir müssen überlegen, ob MV nicht ein Tourismusgesetz braucht in denen auch Entwicklungsziele festgelegt werden.“

Lücke der Kreisgebietsreform schließen

Ein anderes wichtiges Thema ist für Miraß die verwaltungsräumliche Lücke, die die Kreisgebietsreform hinterlässt. „Das ist keine Diskussion für den Landtag, aber eine Entwicklung, die ich gern moderieren möchte“, so der gebürtige Greifswalder, der auf der Insel Rügen wohnt. „Es gibt viele Ideen im Raum, die „Stadt Rügen“, der „Rügen-Rat“ oder die Einbeziehung des Landschaftspflegeverbandes. Jetzt muss es weitergehen mit den Überlegungen, wie man so etwas auf die Beine stellt und wer zum Beispiel Rügen-Rat wählen soll.“

Derzeit arbeitet Miraß noch als Staatssekretär im Finanzministerium, von der Tätigkeit wird er sich als Landtagsabgeordneter aber verabschieden müssen. „Es war eine spannende Zeit. Im Finanzministerium sitzt man ja sozusagen wie die Spinne im Netz, man erfährt viel über die finanziellen Sorgen und Nöte aus unterschiedlichen Bereichen und hat ein riesiges Netzwerk“, so der 54-Jährige. „Manchmal ist es aber etwas abstrakt. Ich habe den Weg der Landespolitik eingeschlagen, auch weil ich so die Themen in meiner Umgebung direkter angehen kann.“

Stärkung der Kommunen durch know-how

Auch Sylva Rahm-Präger hat einige Rügen-Themen, die sie in Schwerin einbringen will. „Wir müssen die Kommunen stärken hinsichtlich der Entwicklung von Investitions- und Bauprojekten“, sagt sie. „Damit so etwas wie in Göhren nicht nochmal passiert.“ Wissensbasierte Kompetenz sei nötig, um die Kommunen fit zu machen. „Investoren können juristisch große Geschütze auffahren, um ihre Ziele zu erreichen. Gemeinden nicht“, so Rahm Präger. „Wir brauchen eine Struktur, die als Korrektiv dient. Die Planungshoheit soll nicht angetastet werden, aber es braucht eine Struktur, die eingreifen kann und Informieren.“

Ankauf von Bundesflächen durch das Land

Weiteres Herzensthema der 60-jährigen Unternehmerin ist der Ankauf von BVVG-Flächen (Anm.: Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, in staatlichem Besitz) durch das Land. „Wir sollten so viel Fläche wie möglich kaufen und in die Landgesellschaft überführen“, so die Agrarwissenschaftlerin. „Nur so können wir bestimmen, was auf diesen Flächen passieren soll, Programme für Junglandwirte zum Beispiel.“

Junge Landwirte sollen auch Chancen haben

Die Bedeutung des Bodens werde unterschätzt. „Wir haben so gute klimatische Bedingungen hier, wir werden auch noch wirtschaften können, wenn Mitteldeutschland weiter versteppt“, sagt sie. „Wir beobachten, dass immer mehr große Agrarunternehmen sich hier einkaufen. Junglandwirte können Summen von 23.000 Hektar nicht aufrufen.“

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Auch noch auf ihrem Zettel steht das Kommunale Abgabengesetz. „Es kann nicht sein, dass Gemeinden kein Geld mehr haben, weil alles an die kommunalen Eigenbetriebe in Form von Kurabgabe für den eigenen Ort abgeführt wird“, meint sie. „Da muss man noch mal ran.“ Kurzum: Motivation und Stimmung steigen stündlich bei der SPD.

„Fairer und guter Wahlkampf“

Bis zum Schluss der Auszählung musste Holger Kliewe (CDU) nicht warten, er wusste schon gegen Mitternacht, dass es für ihn nicht reichen wird. Heiko Miraß hatte er schon gratuliert, „wir haben beiden einen fairen und guten Wahlkampf gemacht“, sagt er.

CDU Holger Kliewe am Wahlabend in Stralsund. Zu diesem Zeitpunkt lag er noch knapp vorn. Quelle: Christian Roedel

Jetzt möchte er seine Prioritäten neu ordnen. Familie, sein Bauernhof und auch sein ehrenamtliches Engagement als Bürgermeister von Ummanz sollen nun in den Fokus rücken. Von allen politischen Ämter sei es diese Tätigkeit gewesen, die ihn ohnehin am meisten Spaß gemacht hatte. „Ich habe viele Ideen im Kopf für Ummanz, die ich nun auf regionaler Ebene anpacken möchte“, sagt er.

Merkel-Wahlkreisbüro schließt Ende Oktober

Für Julia Präkel, die im Wahlkreis 34 Zweite hinter Sylva Rahm-Präger wurde, ist das Ergebnis der CDU auf Landes- und Bundesebene eine große Enttäuschung. Sie hatte gehofft, mit der Erststimme in den Landtag einziehen zu können, denn der Listenplatz 15 reichte nicht aus. „Man sieht, wie schwer es war, denn mit Harry Glawe hatte nur ein CDU-Kandidat ein Direktmandat bekommen“, sagt sie.

Julia Präkel am Wahlabend neben Burkhard Lenz in Lauterbach. Er ist seit 2006 Abgeordneter im Landtag, kandidiert aber nicht erneut. Nachfolgerin wollte sie werden. Quelle: Mathias Otto

Seit nunmehr zehn Jahren ist sie die persönliche Referentin des Landesabgeordneten Burkhard Lenz, der nicht mehr erneut antrat. Gleichzeitig ist es das Wahlkreisbüro von Angela Merkel. Bis Ende Oktober gibt es dieses Büro noch. „Langweilig wird mir aber nicht. Es stehen noch Prüfungen für mein nebenberufliches Studium an. Darauf konzentriere ich mich jetzt erst einmal“, sagt sie.

Von Anne Ziebarth, Mathias Otto