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Rügen Letzte Zahnreinigung für Binzer Sandskulptur
Vorpommern Rügen Letzte Zahnreinigung für Binzer Sandskulptur
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00:00 13.03.2017
Der Moskauer Künstler Bagrat Stepanyan gibt dem Gebiss des Rappers Sido den letzten Feinschliff. FOTO(4): CHRISTIAN RÖDEL
Binz

Weit über 2000 Besucher sahen am Wochenende die frisch eröffnete diesjährige Binzer Sandskulpturen-Asstellung. Tonnenweise Sandberge werden zur Zeit auf Rügen nicht nur beim Straßenneubau an der B 96 n versetzt: Riesige Mengen an Strandsand von der holländischen Küste wurden für die Künstler des diesjährigen Sandskulpturen-Festivals angekarrt, damit sie auch in diesem Jahr wieder auf der Binzer Festwiese an der Proraer Chaussee ihre eindrucksvollen Bildhauerspuren hinterlassen können. Am vergangenen Sonnabend öffneten sich die Pforten der aktuellen Werkschau unter dem Motto: „Liebe zur Musik“. Auf der 5600 Quadratmeter großen überdachten Fläche konnten sich die Sandkünstler, in Fachkreisen auch als sogenannte „Carver“ bezeichnet, voller Hingabe ihrer speziellen Art der Bildhauerei zuwenden.

Über 2000 Besucher kamen am Wochenende auf die Festwiese

Sandblöcke

5600 Quadratmeter groß ist die überdachte Fläche der Sandskulpturenschau am Binzer Ortsausgang in Richtung Prora.

16000 Tonnen Sand wurden in den zurückliegenden Wochen verarbeitet, um aus den Blöcken Gesichter zu formen.

Geöffnet ist die Schau auf der Festwiese bis zum 5. November täglich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr

Das taten sie auch in den vergangenen Wochen Tag und Nacht, um pünktlich ihre Skulpturen fertig zu stellen. Aus den gepressten Sandblöcken mit einem Gesamtgewicht von 16 000 Tonnen erschufen die „Carver“ aus Lettland, Russland, Polen, Ungarn, Holland und der Schweiz in Sand gemeißelte Abbilder von Megastars des internationalen Musikgeschäftes. Doch auch berühmten klassischen Komponisten wie Bach und Beethoven wurden Denkmäler aus Sand gebaut.

Unter den geschickten Händen der 29-jährigen holländischen Künstlerin Marieke van der Meer ist unter anderem ein Portrait-Relief von James Last entstanden. „Eigentlich kannte ich diesen Musiker vorher gar nicht“, meinte die blondgezopfte Holländerin, der es offenbar die markante Nase des deutschen Erfinders des sogenannten Happy-Sounds angetan hatte. Noch am Sonnabendnachmittag nahm Marieke van der Meer kleine kosmetische Korrekturen an ihren Sandplastiken vor. Als Vorlage nutzten alle Künstler lediglich eine Schwarzweiß-Kopie von Fotos mit den Musikern. Der Moskauer Sandbildhauer Bagrat Stepanyan ist ebenfalls ein Perfektionist und optimierte gleichfalls nach der offiziellen Ausstellungseröffnung seine Skulpturen mit feinen Werkzeugen. So machte sich der 40-jährige Russe am Kopf des deutschen Rappers Sido zu schaffen, um dessen Gebiss einer Zahnreinigung zu unterziehen. Mit einem Plastikschlauch am Mund pustete Stepanyan dem Berliner Pöbel-Skandalmusiker die Zähne unter seiner Totenkopfmaske sauber. Nach dieser Dentalreinigung wirkte der Moskauer Künstler vollauf zufrieden und packte sein Besteck endgültig ein. Die lettische Künstlerin Agnese Rudzite-Kirillova war schließlich auch am späten Sonnabendnachmittag mit ihrem Werk im Reinen und ließ den Pinsel erst fallen, als ihr Louis Armstrongs prall gefüllte Wangen beim Trompeteblasen endgültig gefielen. Der Ansturm der Besucher am ersten Ausstellunsgwochenende war enorm, was vielleicht auch an dem Kaiserwetter lag. „Mir gefallen besonders die filigran heraus gearbeiten Faltenwürfe an der Kleidung der Musikerpromis, das zeugt von einer großen handwerklichen Meisterschaft“, sagte Helena Oldenburger aus Hannover. Die Touristin aus Niedersachsen hat für Kleidung nämlich ein ganz speziell geschultes Auge, weil sie beruflich aus der Modebranche kommt. „Ich bin total begeistert von der Rammstein-Skulptur, die ist echt stark umgesetzt worden“, sagte Sören Müller aus Dresden, der gerade eine entspannte Ostseeurlaubswoche auf Rügen mit seiner Freundin hinter sich hatte und zum Ferienabschluss die Binzer Ausstellung sichtlich genoss. Das Sandskulpturen-Festival ist bis zum 5. November von 10 bis 18 Uhr geeöffnet.

Christian Rödel

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