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Rügen Lietzower Wehr löst Nachwuchsproblem
Vorpommern Rügen Lietzower Wehr löst Nachwuchsproblem
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00:00 24.02.2015
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Lietzow

Die Lietzower Feuerwehr ist zahlenmäßig wieder voll einsatzbereit. Vor wenigen Wochen noch hatte die Truppe die Mindestgröße von 15 aktiven Kameraden leicht unterschritten.

„Da hatten wir 14 aktive Mitglieder in unseren Reihen“, sagt Wehrführer Lars Riske. Vier davon wohnen gar nicht im Ort. Mittlerweile sind acht neue Mitglieder dazugekommen. Und relativ junge Leute“, freut sich der Lietzower. Die „Neuzugänge“ sind zwischen 17 und 49 Jahre alt. Sie beginnen jetzt mit der Truppmann- beziehungsweise Truppfrau-Ausbildung. „Theoretisch kann bis zum 67. Lebensjahr jeder aktiv beim Dienst mitmachen“, so Riske. „Aber es wird mit zunehmendem Alter körperlich natürlich immer schwieriger.“

Die Jüngste in der Truppe ist gleichzeitig die einzige Frau in der Lietzower Wehr. Die 17-jährige Juliane Wolski hat sich entschieden, die Familientradition weiterzuführen. Opa, Vater, Bruder — sie alle waren oder sind bei der Feuerwehr. „Aber wir haben ihr da nicht reingeredet“, versichert Vater Jörg. Juliane bestätigt das: Sich in der Freizeit zur Feuerwehrfrau ausbilden zu lassen, sei ihr eigener Wunsch gewesen. „Das ist etwas Nützliches“, begründet sie mit einem Schulterzucken die Frage nach dem Warum.

So alt wie Juliane heute war einst auch Lars Riske, als er in die Feuerwehr eintrat, deren Leitung er 2003 übernahm. Personelle Probleme hat die Lietzower Wehr wie viele andere in der Größenordnung schon lange gehabt. Da ist zum einen die Alterstruktur im Dorf, wo mehr als die Hälfte der Einwohner älter als 65 Jahre ist, wie Bürgermeister Jürgen Böhnig aus der Statistik zitiert. Gleichzeitig sind aber auch viele ehemalige Feuerwehrleute aus beruflichen oder anderen Gründen aus dem Ort verschwunden. „Seit 1995 haben wir 20 neue Mitglieder aufgenommen“, sagt Riske und rechnet die jetzt dazugekommenen noch gar nicht mit. „Davon sind 14 schon wieder weggezogen.“ Der Trend hält an: Etwa fünf der derzeit aktiven Kameraden werden dem Dorf in absehbarer Zeit den Rücken kehren, ein Feuerwehrmann wird aus Altersgründen bald den aktiven Dienst quittieren.

„Wir mussten uns etwas überlegen“, sagt Riske. Gemeinsam mit dem Bürgermeister hatte er in den zurückliegenden Wochen Einwohner angeschrieben und zu zwei Informationsveranstaltungen bei der Feuerwehr eingeladen. Der Rücklauf sei zwar gerade bei der zweiten Runde schlechter gewesen als befürchtet. Mit dem Ergebnis ist die Lietzower Wehrführung um Lars Riske und seinen Stellvertreter Enrico Bunge dennoch zufrieden.

Einige sind froh, dass die Feuerwehr den ersten Schritt gemacht und sie gefragt hat. „Es wundert mich, dass ich nicht schon früher auf mich zugekommen seid“, sagte beispielsweise lachend Thomas Hahn.

Er könne aus gesundheitlichen Gründen nicht „das volle Programm“ absolvieren, gilt aber als handwerklich geschickt und könnte beispielsweise das Feuerwehrauto fahren. Für die Lietzower Wehr ist das wichtig: Die beiden einzigen Feuerwehrleute, die auch im Dorf arbeiten und dort in der Woche tagsüber verfügbar sind, haben nicht die erforderliche Berechtigung, um das Löschauto zu fahren. Ein anderer Lietzower würde sich auch dazu bereiterklären, kann sich aber nicht vorstellen, nach einem Unfall blutüberströmte Schwerverletzte aus einem Auto zu ziehen. „Es muss ja auch nicht jeder alles machen“, erklärt Lars Riske. Ein jahrelanges aktives Mitglied leide beispielsweise unter Höhenangst. „Den können wir natürlich nicht auf die Leiter schicken.“ Unterstützung bekomme jeder von den Kameraden der eigenen Wehr und aus den Nachbarorten. Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Gemeinden wird auch künftig immer mehr zunehmen, prophezeit Riske. Denn auch viele andere Kommunen haben das Nachwuchsproblem in den Reihen ihrer Brandbekämpfer. Um die Fahrzeuge mit der notwendigen Besatzungsstärke vollzubekommen, müssen von der Rettungsleitstelle bei Einsätzen immer mehr Wehren alarmiert werden.



Maik Trettin