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Rügen Made in GDR: Von Stern-Radio bis Multiboy
Vorpommern Rügen Made in GDR: Von Stern-Radio bis Multiboy
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07:21 07.05.2019
Bernd Nöll, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins für das Fischerei- und Hafenmuseum in Sassnitz, erinnert sich in der Sonderausstellung "Konsümgüter der DDR" an viele Alltagsgegenstände, wie diesen Fernseher. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Wenn es um Konsumgüter ging, hinkte die ostdeutsche Plan- der westdeutschen Marktwirtschaft meist hinterher. 30 Jahr nach dem Fall der Mauer sind Waschmaschine, Rasierapparat und Kaffeemaschine „Made in GDR“ fast gänzlich aus dem Alltag verschwunden. Aber nicht aus den Köpfen der Menschen. Wie lebendig die Erinnerung daran ist, haben die Ausstellungsmacher Ende vergangenen Jahres im Nachbarschaftszentrum in Bergen-Rotensee erlebt. Jetzt ist „Konsumgüter der DDR“ auch in Sassnitz zu sehen: In einer Sonderausstellung im Fischerei- und Hafenmuseum werden vom Scheuermittel bis zum Stern-Recorder Dinge gezeigt, die fast jeder Bewohner der DDR kennt.

„Bitte nicht anfassen!“, steht auf dem Schild gleich neben dem Entsafter und dem Fernseher. Joachim Wöllner fällt es schwer, sich das zu verkneifen. Zu gern würde der Rentner mal wieder auf einen der Knöpfe des TV-Geräts von Robotron drücken, so wie früher, als man so vom ersten auf das zweite Programm des DDR-Fernsehens umschaltete. „Dieser Fernseher war toll“, erinnert sich Wöllner. Mit dem Fernseher war man für die deutsch-deutsche Zukunft und den West-Empfang gerüstet, weil er sowohl mit dem in der DDR verwendeten Secam- als auch mit dem in der BRD gebräuchlichen Pal-System farbige Bilder erzeugen konnte. Mittlerweile sind viele Röhrengeräte, egal, ob aus ost- oder aus westdeutscher Produktion, ausgemustert und durch Flachbildfernseher ersetzt worden.

Die Plaste-Eierbecher fehlten in kaum einem Haushalt

Viele technische Geräte, die bis 1989 entwickelt und verkauft wurden, mussten für ihre Nachfolger das Feld räumen. Und doch behaupten Konsumgüter aus der DDR in der einen oder anderen Nische noch ihren Platz im Alltag. „Die Eierbecher hier kennt vermutlich noch jeder DDR-Bürger“, sagt Bernd Nöll schmunzelnd. Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins des Fischerei- und Hafenmuseums zeigt auf die bunten Plaste-Teile, die in der Vitrine gleich neben den Salz- und Pfefferstreuern stehen. Wer hat beim Scheuern nicht irgendwann mal auf Ata zurückgegriffen? Das Tonbandgerät von ORWO stand in vielen Haushalten zwischen Arkona und Fichtelberg; die moderne Hausfrau legte sich einen „Multiboy“ zu. „Den haben wir heute noch“, sagt Bernd Nöll. Der Küchenhelfer zerkleinert auch nach Jahrzehnten zuverlässig unter anderem den Dill, den die Familie portioniert und einfriert. Ein ebensolcher Dauerläufer scheint der Handmixer RG 28 zu sein, der nach wie vor in vielen Küchen benutzt wird.

Im Fischwerk wurden Flurgarderoben produziert

Rechenschieber, Taschenrechner, „Luftdusche“ oder die legendäre Schreibmaschine „Erika“ - das alles hat Christian Luckau zusammengetragen. Gar nicht gezielt, sondern eher zufällig, sagt er. „Wenn ich über Flohmärkte gehe und ein Stück sehe, mit dem ich Erinnerungen verbinde, nehme ich es mit – wenn der Preis stimmt“, sagt der Bergener. Auch wenn sie seinerzeit vielerorts nicht den besten Ruf genossen – Konsumgüter aus der DDR wecken bei vielen Menschen Erinnerungen an das Land, das es nicht mehr gibt. Vor dem Hintergrund hatte er eine Auswahl aus seiner Sammlung Ende vergangenen Jahres im Bergener Nachbarschaftszentrum gezeigt. Die Wirkung hat ihn überrascht. „Die Menschen sind in der Ausstellung ins Gespräch gekommen. Die Sache war ein voller Erfolg.“ Darauf hofft auch das Fischerei- und Hafenmuseum. Der Förderverein hatte den Kontakt zu Luckau hergestellt. „Wir wollen die Tradition der Sonderausstellungen wieder aufleben lassen“, sagt Bernd Nöll. Die Schau über die Konsumgüter passt ganz gut in das Museum, weil auch im Sassnitzer Hafen seinerzeit Gebrauchsgegenstände für den Alltag produziert wurden. Im Fischkombinat entstanden unter anderem Flurgarderoben und Beistelltischchen, die ebenfalls in der Sonderausstellung zu sehen sind.

Computer für 11000 Mark

Rund 5000 Gegenstände aus dem DDR-Alltag hat der Bergener Christian Luckau in den vergangenen Jahren gesammelt. Eine Auswahl aus seinem Fundus ist im Fischerei- und Hafenmuseum Sassnitz bis Ende Oktober täglich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Museumsgäste brauchen für den Besuch der Sonderausstellung keinen zusätzlichen Eintritt zu bezahlen. Wertvollstes Objekt der Schau ist vermutlich der erste, für Privatkunden in der DDR gebaute Computer, der seinerzeit stolze 11000 Mark kostete.

Maik Trettin

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