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Rügen Als der Kopf fiel, ging das Licht aus
Vorpommern Rügen Als der Kopf fiel, ging das Licht aus
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15:43 09.07.2019
Manfred Heyer mimte den Scharfrichter, der Störtebeker den Kopf abschlug. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-RUG
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Bergen

 Er ist mit seinen 86 Jahren immer noch eine stattliche Erscheinung. Wenngleich Manfred Heyer ob seines Alters schon ein paar Zentimeter kleiner ist, als noch 1959. Damals maß er 1,93 Meter, wog 100 Kilogramm und musste bei den ersten Rügen Festspielen als Henker dem Helden Klaus Störtebeker (Lothar Krompholz) den Kopf abschlagen.

Heyer arbeitete damals in der Abteilung Finanzen des Rates des Kreises in Bergen. Hier hätten wohl die wenigsten einen Scharfrichter für die Bühne vermutet. Da aber unentgeltliche Stunden zum nationalen Aufbauwerk zu leisten waren und dafür auch die Kleindarstellerrollen bei den geplanten Rügen Festspielen Punkte brachten, bot sich Heyer als Statist an. „Wie wir da so in einer Reihe am Regisseur Hanns Anselm Perten vorbeigingen, rief er plötzlich ,Halt!’. Ich solle zu ihm kommen. Und schon hatte ich die Rolle als Scharfrichters“, erzählt Heyer über das Auswahlprocedere. „Wir haben dann vier Wochen täglich geprobt. Ich bin immer mit dem Bus nach Ralswiek gefahren.“

„Ah, der Scharfrichter“

Die Vorstellungen nahmen danach ebenfalls einen Monat in Anspruch. „Nachmittags ging es hin, nachts um 1 Uhr war ich erst wieder zurück“, erinnert sich der Bergener. „Morgens musste ich aber gleich wieder früh an die Arbeit. Ich war zum Beispiel als Betriebsprüfer unterwegs und fuhr manchmal schon um 7 Uhr mit dem Fahrrad los.“ Hin und wieder sei er erkannt worden, denn das Fernsehen hatte über die Festspiele berichtet. „Ah, der Scharfrichter“, habe es dann geheißen. „Das war mir peinlich“, sagt Heyer. „Deswegen habe ich auch keine Fotos von mir und auch keine Zeitungsartikel aufgehoben.“ Heute bereut er das und wäre froh, noch Dokumente aus jener Zeit zu besitzen.

Das erste Spektakel um die Geschichte von Klaus Störtebeker in Ralswiek

„Ich stand auf einem Podest und hatte je einen Helfer unterhalb an meiner Seite zu stehen“, erzählt der Rentner über seine Rolle von einst. „Mein Schwert war richtig schwer und gut 1,60 Meter lang. Wenn es zur Hinrichtung kam, hob ich dieses und das Licht ging aus. In dem Moment musste ich nach hinter herunterspringen und auf das Schwert achtgeben, denn leicht hätte ich damit jemanden verletzen können.“ Danach seien die Schweinwerfer wieder angemacht worden und eine Stimme aus dem Off habe erzählt, dass Klaus Störtebeker ohne Kopf an einigen seiner Kameraden vorbeigelaufen sei.

„Macht Euch bereit ...“

Dass Heyer laut Buch – hier wird er Racker genannt – auch einen Satz zu sprechen hatte, der „Macht Euch bereit ...“ lautete, weiß der Senior nicht mehr. Seine Frau versichert aber, dass dem tatsächlich so gewesen sei. Die Schauspieler damals hätten es eh nicht so einfach gehabt, sich verständlich zu machen. „Diese kleinen Mikros an der Jacke oder am Kopf gab es damals ja nicht“, sagt Heyer. „Es wurden Mikros installiert, über die dann in eng zusammenstehenden Gruppen gesprochen wurde.“

An die Schauspieler denkt Manfred Heyer mit Ehrfurcht. Die seien alle richtig gut gewesen. Lediglich bei Chrsitine van Santen, die Störtebekers Freundin darstellte, vermutet er, dass sie die Rolle bekommen habe, weil sie damals die aktuelle Freundin von Perten gewesen sein. Das Spektakel erhielt DDR-weit eine große Beachtung. Sogar Ministerpräsident Otto Grotewohl sei zu einer Aufführung erschienen. „Open-Air-Veranstaltungen in dieser Form kannte man ja kaum“, sagt Heyer. „Es war eine Reklame für den Sozialismus, wenngleich ich die Handlung nicht besonders politisch fand.“

Vergleiche zu den Störtebeker Festspielen will der einstige Henker nicht ziehen. „Heute ist das aber mehr ein Event, wo das Publikum eine Rundumversorgung erhält“, sagt Heyer. „Auch ist alles viel moderner ausgestattet. Allein die Umkleiden: Damals gab es für uns nur Zelte.“

Jens-Uwe Berndt

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