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Rügen Benefiz-Ausfahrt: Mit 29 km/h über Rügen geknattert
Vorpommern Rügen Benefiz-Ausfahrt: Mit 29 km/h über Rügen geknattert
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16:58 05.09.2019
Kurz vor dem Start zur Benefiz-Ausfahrt der Zweitakt-Rokker und des Jagdgeschwaders BI 58 Rügen: Über 5000 Euro sind dabei zusammengekommen. Das Geld bekommt ein Verein, der in Greifswald den Aufbau eines Kinderhospizes unterstützt. Quelle: Thorsten Jantzen/Philipp Haase
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Bergen

Fragt man die Zweiradfreunde nach dem Namen der jungen Frau auf dem flotten Roller, beginnen sie zu grübeln. In der Clique, in der jeder wenigstens eine Simson, MZ, Awo oder ein anderes nostalgisches Zweirad fährt, heißt Jana Breede nur „Schwester Agnes“. Nicht weil sie der Schauspielerin Agnes Kraus so ähnlich sähe, nein, ganz und gar nicht. Aber wenn sie auf ihrer wunderschönen weißen Schwalbe über die Insel rollt, fühlt sich jeder Zweitakt-Nostalgiker an den Fernsehfilm über die Gemeindeschwester erinnert. Während diese sich bei den Dreharbeiten doubeln ließ, während sie auf zwei Rädern zur nächsten guten Tat unterwegs war, steuerte Jana Breede ihren Roller am Sonntag selbst –ebenfalls für einen guten Zweck. Mehr als 200 Moped- und Motorradfahrer samt ihrer Ko-Piloten nahmen an der 2. Benefiz-Ausfahrt von Bergen nach Göhren teil.

Biker kamen sogar von Teterow und Ludwigslust

Dieser Anblick hat dann selbst die erfahrenen Organisatoren überwältigt: Thorsten Jantzen vom „Jagdgeschwader BI 58 Rügen“ und Philipp Haase von den „2-Takt-Rokkern Rügen“ verschlug es schon beim Start fast die Sprache. Der Parkplatz gegenüber vom Bergener Park-Hotel war voller Mofas, Mopeds und Motorräder. 190 Maschinen zählten sie kurz vor dem Start. Im Laufe der Tour stießen dann noch weitere Fahrer mit ihren Zweirädern dazu. „Das war Wahnsinn!“, sagt Haase, der mit seiner Schwalbe dabei war. „Wir hätten niemals mit einer solchen Resonanz gerechnet.“ Um auf Rügen mitzufahren, seien unter anderem Zweirad-Freunde aus Ludwigslust und aus Torgelow angereist. Andererseits hatten sich ganze Klubs der Aktion angeschlossen, etwa wie Simson-Freunde aus Sehlen.

Über 5000 Euro sind bei der Benefiz-Ausfahrt von Zweirad-Freunden am 1. September auf Rügen zusammengekommen. Quelle: Thorsten Jantzen/Philipp Haase

Die Simsons, AWO und MZ waren nicht allein zu ihrem Vergnügen unterwegs. Die Besitzer hatten ihre Oldtimer aus den Garagen geholt, um sie bei der gemeinsamen Ausfahrt für einen guten Zweck zu präsentieren: Sie sammelten Geld für den Leuchtturm-Verein, der in Greifswald den Aufbau eines Hospizes für todkranke Kinder unterstützen will. Das Engagement der Leuchtturm-Mitglieder und der Zweirad-Fahrer haben die Passanten an den verschiedenen Stationen der Tour honoriert: Mehr als 5000 Euro kamen allein auf Rügen zusammen, über 10000 Euro waren es an diesem Tag insgesamt. An verschiedenen Orten in Deutschland hatten die Biker Benefiz-Ausfahrten organisiert. Die größte war allerdings die auf Rügen. Hier kam auch das beste Spendenergebnis zusammen.

Trinkgeld für kranke Kinder gespendet

Thorsten Jantzen hatte seinen Sohn Magnus als Beifahrer dabei. Beide sind gemeinsam an den Zwischenstopps in Binz, Sellin und Göhren mit der Spendenbüchse herumgegangen. Langer Erklärungen bedurfte es selten. Viele Insulaner und Gäste hatten von der Aktion gehört oder gelesen. In Binz kamen Gaststättenbetreiber und Geschäftsinhaber auf die Straße und beteiligten sich mit einer Spende. Jantzen erinnert sich an eine Kellnerin, die ihre Arbeit unterbrach und einen Zwanziger in die Box steckte – von ihrem Trinkgeld, für die kranken Kinder, wie sie schnell sagte, bevor sie wieder im Lokal verschwand. Das Kollektiv und die Gäste des Selliner Cliff-Hotels hatten im Vorfeld Geld gesammelt und ihre Spende am Sonntag an die Zweirad-Fahrer übergeben. Kaum jemand habe sich an diesem Tag der Idee verschlossen, sagen die Organisatoren. „Vor allem die Omis haben sich spendierfreudig gezeigt“, so Philipp Haase.

Jawa und BK waren Publikumslieblinge

Als kleines Dankeschön gab es Helm-Trockentücher und Simson-Armbänder und natürlich durften die Passanten in Binz, in Sellin und am Göhrener Nordstrand die auf Hochglanz polierten Maschinen und Maschinchen bestaunen. Neben den Klassikern wie Schwalbe, Sperber, Spatz, MZ und S 51 waren auch Fahrer mit ihren Harleys oder Goldwings dabei. „Es ist ja nicht ausschließlich den DDR-Zweirädern vorbehalten“, erklärt Thorsten Jantzen. „Jeder, der das Anliegen unterstützt, kann mitfahren.“ Und doch waren die Raritäten aus dem Osten der Republik die Stars des Tages. Dicht umlagert waren die Fahrzeuge und ihrer Fahrer in Binz, wo zu der Zeit das Duckstein-Festival zu Ende ging. Für Begeisterung sorgten vor allem eine 350er Jawa und eine BK 350 mit Boxermotor aus dem Jahre 1956. Letztere stammt aus dem Fuhrpark von André Krüger von den Sehlener Simson-Freunden.

Rasant ging es bei der Spenden-Rallye nicht zu. D worden. Praktisch bedeutete das, dass der Pulk mit durchschnittlich 29 km/h über die Insel zog. Genervt haben sie offenbar niemanden: „An jeder Kreuzung haben uns die Autofahrer wie selbstverständlich vorgelassen“, freuen sich die Männer über das Verständnis der anderen Verkehrsteilnehmer. Und über das Wetter, das ebenso mitspielte. Bis auf einen längeren Schauer blieb es sonnig und trocken. Weil es gerade regnete, als sie Baabe ansteuern wollte, ließ die Karawane das Ostseebad diesmal links liegen. „Bei dem Wetter war kein Mensch zu Fuß unterwegs.“

Motorschaden und Reifenplatzer

Die meisten Fahrer überstanden den kurzen Wetterwechsel unbeschadet – ebenso wie die meisten Fahrzeuge die 75 Kilometer lange Tour. Lediglich eine S 51 blieb mit einem Motorschaden liegen und ein MZ-Pilot musste sich über einen geplatzten Reifen ärgern. Das Ergebnis der Tour dürfte diesen Ärger aber aufwiegen. Michael Böhl vom 2-Takt-Zirkus und seine Mitstreiter vor Ort sind stolz auf ihre Maschinen und auf die vielen Spender, die ihr Anliegen unterstützten. In den nächsten Tagen soll das Geld an den Leuchtturm-Verein übergeben werden.

Von Maik Trettin

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