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Rügen Mit Pferdekraft wird der Raddas jünger
Vorpommern Rügen Mit Pferdekraft wird der Raddas jünger
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00:00 01.11.2017
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Bergen

Bergens Gymnasiasten bleibt nichts anderes übrig: Von heute an müssen sie sich einen anderen Ort suchen, um sich in den Pausen zwischen den Unterrichtsstunden die Beine zu vertreten. Der direkt ans Gymnasium grenzende Raddas-Wald steht ihnen jedenfalls für etwas mehr als zwei Wochen nicht zur Verfügung. „Das etwa 3,8 Hektar große Gebiet zwischen Stadion, Kindergarten, Gymnasium und Krankenhaus wird durchforstet, das Holz wird geerntet. Einerseits geht es um die Verkehrssicherung und damit um den Schutz von Leib und Leben und andererseits um die Verjüngung des Waldgebietes“, macht Revierförster Cornell Kuithan deutlich.

Gemeinsam mit der Stadt sorgt das Forstamt Rügen dafür, dass bis zur Mitte dieses Monats etwa 200 Kubikmeter Holz aus dem Raddas verschwinden. „Das sind etwa 20 Prozent des Bestandes, der dort aktuell noch vorhanden ist“, sagt Kuithan.

In erster Linie – 95 Prozent des zu entnehmenden Holzes – wird bei den Buchen die Säge angesetzt. „Weil es Absterbeerscheinungen auf der Kuppe beim Klinikum gibt“, macht Kuithan deutlich.

Außerdem müssen bereits abgestorbene Bäume verschwinden: um fünf Eschen und zwei Eichen soll es sich in diesem Fall handeln.

Die anstehende Durchforstungsaktion kommt für Kuithan einem Generationswechsel gleich: „Die großen imposanten und etwa 150 Jahre alten Waldbäume haben sich auf natürliche Weise vermehrt, so dass nun der sprichwörtliche Nachwuchs in den Startlöchern steht. Um entsprechend Licht und Platz zu schaffen, wird der Altbestand in diesen Bereichen in der Breite einer Baumlänge geräumt.“ Das Ziel der Übung: Durch die Auflichtung des Randes sowie der Entnahme einiger Einzelbäume im inneren Bereich sollen sich auch dort auf natürliche Weise junge, standortgerechte Waldbäume etablieren können.

Laut Kuithan werden aber nicht alle Altbäume komplett gefällt. „Um die verbleibenden Buchen an der entlang des Krankenhauses verlaufenden Südseite vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen, haben wir uns entschieden, einigen der am Rand stehenden Bäume auf einer Höhe von etwa sechs Metern die Krone zu entnehmen“, sagt der Revierförster. Die Folge: Mit ihren verbleibenden Ästen und Blättern sollen sie den Jungbäumen Schutz vor Wind und Sonne bieten sowie Vögeln und Insekten zukünftig als geeignete Lebensstätte dienen.

Das Durchforstungsprojekt ist für Stadt und Forstamt auch gleichzeitig eines aus Sorge um Leib und Leben für Verkehrsteilnehmer in diesem Stadtgebiet und Besucher des innerstädtischen Naherholungsgebietes. Die jüngsten Sturmtiefs „Xavier“ und „Herwart“ haben es gezeigt: Altbäume mit entsprechend großen Kronen seien, so Kuithan, bei diesen speziellen Witterungsereignissen besonders anfällig. „Für Verkehrsteilnehmer und Waldbesucher besteht bei diesen Stürmen absolute Lebensgefahr“, macht Kuithan deutlich und ergänzt: „Die Gefährdung für die umliegenden Häuser und speziell für das angrenzende Krankenhaus, für das zusätzlich eine ständige An- und Abfahrt der Rettungswagen sichergestellt werden muss, ist für die Verantwortlichen unkalkulierbar.“ Deshalb sei Vorsorge in diesem Zusammenhang mehr als angebracht.

Und es wird eine solche auch für das Naherholungsgebiet selbst angestrebt. Um so bestands- und bodenschonend wie möglich zu arbeiten, soll neben einem professionellen Forstunternehmen ein Pferderücker zum Einsatz kommen.

Bei dem handelt es sich um Hartmut Bischoff, der auch schon vor drei Jahren in Bergen im Einsatz war. Seinerzeit hatte er mit seinem Kaltblut Hans ein Waldstück zwischen Waldstraße und Graskammer aufgeräumt – naturschonend. „Dies wird er auch jetzt in bewährter Art und Weise tun. Dadurch soll das vorhandene Wegenetz bestmöglich geschützt werden, um die Nutzung des beliebten Areals schnellstmöglich wieder zu gewährleisten“, sagt Kuithan.

Die Kosten für das Vorhaben könne er derzeit nur grob schätzen. Der Revierförster geht von 8000 bis 12 000 Euro aus. Um diese Summe zum Teil zu refinanzieren, soll das Holz verkauft werden. „Es wird zu Brettern für Tischler, zu Parkett für den Innenausbau und für die Faserplattenindustrie weiter verarbeitet“, kann Cornell Kuithan informieren, dessen Revier der Rügener Westen ist.

Chris-Marco Herold

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