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Rügen Travel Charme will Rügener Hotellerie-Image aufpolieren
Vorpommern Rügen

Mitarbeiteroffensive im Rügener Travel Charme Hotel

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18:34 14.01.2020
Marketing-Chefin Claudia Haase und Nordperd-&-Villen-Direktor Sven Colditz am Kickertisch im Aufenthaltsraum der Mitarbeiter im Binzer Kurhaus. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Binz/Göhren

Es geht um nichts Geringeres als die Verbesserung des Images einer ganzen Branche: Die Travel-Charme-Hotels auf Rügen wollen der Gastronomie und Hotellerie die Sporen geben und fangen in den eigenen Häusern damit an. „Schlechte Bezahlung, unzureichende Arbeitsbedingungen und die Freizeit beschneidende Dienstzeiten – da ist es kein Wunder, dass unsere Branche Arbeitskräftemangel hat“, sagt Sven Colditz (47), der seit 2017 Direktor der Nordperd & Villen-Anlage in Göhren ist.

Demnach beginne die Außenwirkung der Branche beim Umgang mit dem Personal. „Dienstplangestaltung, Überstundenerfassung und Tariflöhne sind eine Voraussetzung für gut laufende Betriebe“, sagt Roland Becker, seit sieben Monaten Direktor im Kurhaus Binz.

Anstieg um 28 Prozent

Es klingt wie eine „Mitarbeiteroffensive“, wenn die beiden Hoteliers eröffnen, wie es in ihren Häusern läuft und wie es noch besser werden soll. So haben sich das Kurhaus und Nordperd & Villen als Mitglieder im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ohne Wenn und Aber zum im Herbst vergangenen Jahres mit dem Dehoga ausgehandelten Tarifvertrag bekannt.

Der ist seit dem 1. Dezember 2019 in Kraft und beinhaltet eine stufenweise Anhebung der Gehälter bis ins Jahr 2024 um 28 Prozent. Bei den Auszubildenden ist sogar eine Steigerung um 32 Prozent vorgesehen. Das ist nach Dehoga-Informationen am Ende eine durchschnittliche Stundenlohnerhöhung von 2,80 Euro.

Jahresanfangsfeier

Der Umgang mit Angestellten hat immer auch mit der individuellen Art des Chefs zu tun. Roland Becker scheint dafür einen Draht zu haben. Nicht nur die gesetzlich verankerten Regeln bei Gehalt und Arbeitszeit berücksichtigt er, der 50-jährige gebürtige Saarländer lässt sich auch immer wieder spontan Aktionen einfallen, mit denen er seine Leute überrascht.

Hoteldirektor Roland Becker versorgt seine Angestellten mit Donuts. Susanne Ehle aus der Küche freut sich über die Überraschung. Quelle: Claudia Haase

Jüngstes Beispiel: Die für den heutigen Mittwoch geplante Jahresanfangsfeier. Hier will er die Angestellten bekochen und am Grill stehen. Schon zweimal ist er mit einem Bauchladen durchs Hotel gewandert und hat der Belegschaft Donuts und Eis spendiert. Und vor den Feiertagen schlüpfte er für eine Fete mit den Kindern von Mitarbeitern gar ins rot-weiße Kostüm des Weihnachtsmannes und verteilte Geschenke.

Weg vom Einheitsbrei

2020 wird den Travel-Charme-Angestellten noch weitere Veränderungen bringen. „Wir haben uns eine neue Uniform überlegt“, sagt Sven Colditz. Seit 2003 arbeitet der aus einem Ort bei Aue (Erzgebirge) stammende Mann mit kurzer Unterbrechung in Direktoren-Positionen. Auch er hat nach eigener Aussage über die Jahre festgestellt, dass eine zufriedene Kundschaft unmittelbar von einer zufriedenen Belegschaft abhängt. „Wir wollen weg von dem Schwarz-Weiß-Einheitsbrei, und so wird es ab März eine Kombination aus sandfarbenen Beinkleidern und braunen Westen und Jacken geben. Gestellt von Travel Charme.“ Die Anproben für die neue Uniform hätten bereits stattgefunden und die Mitarbeiter seien begeistert gewesen.

Die Travel Charme Hotels wollen den Angestellten neue Uniformen verpassen. Quelle: Claudia Haase

Hinter den Kulissen

Marketing-Chefin Claudia Haase kann noch eine weitere Initiative ins Feld führen, die den Versuch noch deutlicher macht, das Image der Branche aufzupolieren. „Mitte März besucht uns eine 9. Klasse der Regionalschule Binz“, sagt sie. „Die Schüler werden nicht etwa eine übliche Führung durchs Hotel bekommen, sondern erhalten einen Einblick hinter die Kulissen.“ Sie will die grundsätzliche Frage beantworten, was Hotellerie bedeutet, welche Anforderungen es gibt – aber auch, welche Möglichkeiten, Entwicklungschancen und Karrierewege sich auftun können.

Erhebliche Kluft

Wolfgang Kannengießer, Vorsitzender des Rügener Regionalverbandes der Dehoga, begrüßt die Initiativen der Travel-Charme-Hotels. „Allein der Tarifvertrag ist eine erhebliche Aufwertung der Arbeitsleistung der Angestellten in der Gastronomie und Hotellerie“, sagt er. „Und es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, dass zwischen den Häusern, die den Vertrag mittragen, und denen, die das nicht tun, eine erhebliche Kluft entsteht.“

In einer Zeit des Arbeitskräftemangels sei davon auszugehen, dass es Hotels und Herbergen mit der besseren Bezahlung künftig nicht mehr so schwer haben werden, die richtigen Leute zu finden. „Allerdings ist die Bezahlung nicht alles“, sagt Kannengießer weiter. „Wochenend- und Feiertagsarbeit sind auch bei guten Löhnen immer wieder Argumente gegen die Branche.“ Da komme es dann auf die Gesamtbedingungen in einem Betrieb an.

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Von Jens-Uwe Berndt

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