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Rügen Rügen: Angeblicher Mitarbeiter wirft Binzer Bürgermeister Mobbing vor
Vorpommern Rügen Rügen: Angeblicher Mitarbeiter wirft Binzer Bürgermeister Mobbing vor
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18:06 04.09.2019
Karsten Schneider ist Bürgermeister von Binz. Quelle: Gerit Herold
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Binz

Ein offener Brief sorgt derzeit für Wirbel im Ostseebad Binz auf Rügen. Darin werden gegen Bürgermeister Karsten Schneider (parteilos) heftige Vorwürfe erhoben. Mobbing und ungerechte Behandlung würden seinen Leitungsstil kennzeichnen. Zudem bediene er sich gewissenlos am Haushalt der Gemeinde, indem er ihm offenbar genehme Leute einstelle.

Das Schreiben enthält weitere Anschuldigungen. So ist von einer „Feindesliste“ Schneiders die Rede und davon, dass er den Mitarbeitern seinen Willen aufzwingen wolle. „So sieht unsere tägliche Arbeit mit Ihnen aus“, heißt es an einer Stelle.

Verfasser gibt sich als Mitarbeiter der Verwaltung aus

Seit Dienstag wird der offene Brief im Ort verteilt. Von da an ist er auch im Internet zu lesen. Der Verfasser gibt sich als Mitarbeiter der Verwaltung aus, möchte allerdings anonym bleiben.

Er spricht den Bürgermeister direkt an. „Ihre nun monatliche Mitarbeiterversammlung wird nie einem besseren Arbeitsklima dienen. Sie sind nur daran interessiert, Ihre Hände in Unschuld zu waschen und Ihren katastrophalen Leitungsstil schön zu reden. In keiner Weise sind Sie kritikfähig“, steht dort unter anderem. Für den Bürgermeister seien alle schuld, von denen er sich bedroht fühle.

Bürgermeister seit acht Jahren

Auch die Gemeindevertreter würden unter der Führung von Karsten Schneider leiden. Aufgrund einer Dienstanweisung dürften die Verwaltungsmitarbeiter keine Auskünfte an die gewählten Vertreter geben. „Sie drohen sogar mit personalrechtlichen Konsequenzen.“

Hingegen seien in der vergangenen Legislaturperiode Gemeindevertreter seiner Ende Januar diesen Jahres aufgelösten Wählergruppe „Pro-Binz“ sowie die befreundeten Fraktionen in der Verwaltung ein und aus gegangen. „Das blieb von Ihnen unkommentiert. Die neue Wahl hat das Kräfteverhältnis so gar nicht zu Ihren Gunsten entschieden und Sie können es nicht akzeptieren“, so der Verfasser.

Für die Arbeit der vergangenen acht Jahre als Bürgermeister verteilt der Autor des Briefes die Schulnote 6. „Ihnen fehlen alle so wichtigen Eigenschaften eines Bürgermeisters. Danke Herr Bürgermeister Schneider, Note ungenügend, setzen.“

Schneider will sich am Donnerstag äußern

Karsten Schneider selbst will sich erst am Donnerstag zu den Vorwürfen äußern. „Es ist schwierig zu handhaben, da es keinen Adressaten gibt. Hinter jeden offenen Brief gehört für gewöhnlich auch ein Name“, sagt er. Er bereitet derzeit seine Antwort auf dieses Schreiben vor. „Ich werde aber nicht in Aktionismus verfallen und besonnen handeln“, so der Bürgermeister.

Anonyme Hinweise auf Schneider sind unterdessen auch bei der Rechtsaufsichtsbehörde des Landkreises eingegangen. Wenn Verwaltungsmitarbeiter Beschwerden gegen ihren Chef einreichen, sei aber „in erster Linie der Dienstvorgesetzte des Bürgermeisters, also die Gemeindevertretung, zuständig“, so Kreissprecher Olaf Manzke. „Dieser Sachverhalt ist uns bekannt. Bevor wir aber aktiv werden, muss zuerst geprüft werden, wer dieses Schreiben verfasst hat und ob sich die Vorwürfe bestätigen oder nicht“, sagt indes der Vorsitzende der Gemeindevertretung Mario Kurowski (WG BfB).

So geht das nicht!

Dass der Bürgermeister seinen Mitarbeitern verbieten kann, Auskünfte an Gemeindevertreter zu geben, bestätigt der Kreis. „Ja, der Bürgermeister informiert seine Gemeindevertreter zu wesentlichen Angelegenheiten der Gemeinde. So kann er auch regeln, dass Auskünfte über seinen Tisch gehen“, sagt der Kreissprecher.

Für Ralf Reinbold von der SPD ist dies ein gängiges Prozedere. „Ich bin seit 15 Jahren Gemeindevertreter. Wir haben unsere Anfragen immer in den Ausschüssen oder zur Sitzung gestellt. Dort wurden sie auch beantwortet. Uns betrifft es also nicht“, sagt er.

Gemeindevertreter Ulf Dohrmann (CDU) findet es unmöglich, was in diesen Tagen in Binz vorgeht. „Selbst wenn derjenige Recht mit den Behauptungen hat: So geht das nicht! Wenn ich nicht zufrieden bin mit meinem Dienstherren, gibt es andere Wege, um auf Missstände aufmerksam zu machen“, sagt er.

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